EZB-Maßnahmen
Kreditvergabe im Euro-Raum legt leicht zu

Nach langer Stagnation steigt im Mai die Anzahl der durch Banken im Euroraum vergebene Kredite – wenn auch nur minimal. Die Erwartungen von Experten wurden dennoch übertroffen, die EZB dürfte sich bestätigt sehen.
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FrankfurtNach dem Öffnen der Geldschleusen durch die EZB springt die Kreditvergabe in der Euro-Zone allmählich an. Die Banken reichten im Mai an Firmen und Haushalte insgesamt 0,5 Prozent mehr Darlehen aus als im Vorjahresmonat, wie die EZB am Freitag mitteilte. Dieser Anstieg gilt als Etappensieg für die Europäische Zentralbank (EZB), die seit März mit Anleihenkäufen massiv Geld ins Finanzsystem pumpt. Damit will sie das Kreditgeschäft und letztlich die Wirtschaft anschieben. Noch im April hatte die Darlehensvergabe stagniert.

Die EZB ist aber noch lange nicht am Ziel: Bereinigt um Kreditverkäufe und -verbriefungen legten die Darlehen an Firmen im Mai gegenüber April nur um eine Milliarde Euro zu. "Das ist keine spürbare Dynamik", sagt Ökonom Johannes Mayr von der BayernLB. Auch in den kommenden Monaten sei nur eine schleppende Erholung in diesem für die Konjunktur so wichtigen Bereich zu erwarten.

Gegen ein kräftiges Anziehen in diesem Sektor spreche, dass noch immer viele Banken im Euro-Raum mit Bilanzproblemen zu kämpfen hätten. So sitzen beispielsweise die Finanzinstitute in Italien auf einem Berg fauler Kredite in Höhe von 350 Milliarden Euro, der ihren Spielraum für die Vergabe neuer Kredite enorm einschränkt.

Positiv dürfte die EZB beurteilen, dass die Kredite an Haushalte in der Euro-Zone im Mai zum Vormonat um zehn Milliarden Euro zulegten - ein Großteil davon entfällt auf Hypothekendarlehen. Die für das Euro-Währungsgebiet wichtige Geldmenge M3 wuchs im Mai um fünf Prozent. Experten hatten mit etwas mehr gerechnet.

Auch im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (März bis Mai) erhöhte sich M3 um fünf Prozent. Die Geldmenge M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Wächst die Geldmenge sehr stark, sehen Volkswirte Inflationsgefahren heraufziehen. Momentan spielt dies aber keine Rolle. Aktuell kämpft die EZB mit ihrem über eine Billion schweren Anleihen-Kaufprogramm auch gegen die unerwünscht niedrige Inflation an.

Für die am Dienstag anstehenden Preisdaten für Juni erwarten Experten einen Anstieg um 0,3 Prozent. Die Währungshüter sind damit noch immer meilenweit von ihrem Ziel einer Inflation von knapp zwei Prozent entfernt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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