EZB
Trichet kündigt Zinserhöhung an

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat deutlich gemacht, dass die Leitzinsen im Euro-Raum am 8. März angehoben werden. Das ist unter Bankvolkswirten die einhellige Interpretation der Äußerungen Trichets auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz.

FRANKFURT. „Die Information, die wir seit unserem letzten Treffen bekommen haben, unterstreichen, dass große Wachsamkeit nötig ist“, sagte Trichet im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rats. „Große Wachsamkeit“ ist ein etabliertes Code-Wort der EZB, mit dem sie signalisiert, dass sie bei der nächsten turnusmäßigen Möglichkeit den Leitzins anzuheben gedenkt. Gestern beschlossen die 19 Ratsmitglieder, den Leitzins zunächst unverändert bei 3,5 Prozent zu lassen. Zwischen Dezember 2005 und Dezember 2006 hatte die EZB in sechs Etappen den Leitzins von zwei auf 3,5 Prozent angehoben.

Die Entscheidung, die Sätze vorerst nicht zu ändern und eine Zinserhöhung im März anzukündigen, war auf Grund vorangegangener Signale aus der EZB an den Finanzmärkten erwartet worden. Unter unabhängigen Geldpolitik-Experten ist das Abwarten bis März umstritten. Der EZB-Schattenrat, ein Gremium von 19 prominenten europäischen Ökonomen, hatte sich zuvor mit knapper Mehrheit für eine sofortige Zinserhöhung ausgesprochen. Aus den Kursen von Zinstermingeschäften lässt sich die vorherrschende Markterwartung ablesen, dass die EZB im Juni oder Juli eine weitere, im Zyklus letzte Zinserhöhung auf dann vier Prozent beschließen wird.

Trichet lehnte es ab, Fragen zu den Absichten der EZB über den März hinaus zu beantworten. Allerdings bereitete er in seinen Erläuterungen argumentativ den Boden für eine weitere Zinserhöhung. Er prognostizierte, dass die Inflationsrate im Frühjahr und Sommer fallen werde, betonte aber, dass bereits absehbar sei, dass sie im Herbst dann wieder steigen werde.

Bankanalysten hatten in den letzten Tagen verschiedentlich gemutmaßt, eine sinkende Inflationsrate würde der EZB die Begründung weiterer Zinserhöhungen schwer machen. „Es ist wichtig, bei der Beurteilung des Preistrends kurzfristige Volatilität auszublenden“, spielte Trichet die Bedeutung des erwarteten Inflationsrückgangs herunter. „Die Risiken für die Preisstabilität gehen nach oben, insbesondere in Bezug auf möglicherweise höhere Tarifabschlüsse als bisher angenommen“, sprach Trichet die derzeitige Hauptsorge der EZB an. In Deutschland hat die IG Metall vor kurzem eine Tarifforderung von 6,5 Prozent gestellt. „Wir werden die bevorstehenden Tarifverhandlungen in den Ländern des Euro-Raums sehr genau beobachten“, sagte Trichet.

„Trichet hat genau die Zinserhöhungsrhetorik geliefert, mit der wir gerechnet hatten“, beschrieb der Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Erik Nilsen, den Tenor der Pressekonferenz.

Der Frage, ob Trichet – wie in verschiedenen Medien berichtet – zusätzliche Treffen mit dem Chef der Euro-Gruppe, Jean–Claude Juncker, und mit Währungskommissar Joaquin Almunia vereinbart habe, wich der EZB-Chef aus. Er verwies lediglich darauf, dass der EU-Vertrag es Regierungen und EU-Organen verbiete, auch nur den Versuch zu unternehmen, Einfluss auf die EZB auszuüben. Juncker und Almunia hatten Trichet in einem Brief zu solchen Treffen gedrängt. Trichet hat bisher wiederholt öffentlich die Notwendigkeit für solche Dreier-Treffen verneint.

Seite 1:

Trichet kündigt Zinserhöhung an

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%