Fed-Chef Bernanke kann Märkte nicht beruhigen: Der Retter der Welt scheint ratlos

Fed-Chef Bernanke kann Märkte nicht beruhigen
Der Retter der Welt scheint ratlos

US-Notenbankchef Ben Bernanke bekommt die Krise nicht in den Griff. Er wird von dem perfekten Sturm überrascht. Die Fed ist nicht mehr Herr des Geschehens, fürchten Beobachter. Von einem Glaubwürdigkeitsverlust ist gar die Rede. An den führungslosen Märkten herrscht trotz Not-Zinssenkung weiter Unruhe. Und Bernanke steht mit leeren Händen da.

NEW YORK. Wenn es einen Ökonomen auf der Welt gibt, der sich am besten mit Wirtschafts- und Finanzkrisen auskennt, dann ist es Ben Bernanke. Wie kein anderer hat der 54-jährige US-Notenbankchef während seiner Lern- und Lehrjahre an den Eliteuniversitäten Harvard, M.I.T. und Princeton die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren studiert. Keiner kennt die Untiefen der japanischen Depression so genau wie der Mann mit dem silbergrauen Vollbart und der hohen Stirn. Niemand sonst erscheint besser gerüstet, Amerika und den Rest der Welt vor einer globalen Rezession zu bewahren.

Auf seinem Schreibtisch liegt ein „Krisenhandbuch“ von mehreren hundert Seiten, um für alle denkbaren Notfälle gewappnet zu sein. Und doch stehen die USA und die Weltwirtschaft am Abgrund der womöglich härtesten Krise seit 30 Jahren und Bernanke im Kreuzfeuer der Kritik.

Fast auf den Tag genau seit zwei Jahren sitzt der schmächtige Sohn eines Apothekers an den Steuerhebeln der immer noch größten Volkswirtschaft der Erde. Sieben Tage die Woche eilt er in den schneeweißen Granit- und Marmorbau an der Constitution Avenue im Herzen von Washington, um den Puls der Finanzmärkte und der US-Wirtschaft zu fühlen. Gestartet ist Bernanke mit einer ganzen Liste guter Absichten. Die Türen der Notenbank wollte er öffnen, damit die Öffentlichkeit das oft rätselhafte Tun der Zentralbanker besser verstehen kann. Eindeutig kommunizieren wollte er mit den Finanzmärkten, damit die Investoren von seiner Geldpolitik nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Seine bisherige Bilanz ist nicht gerade ermutigend. Die Fed ist zwar transparenter, für die Märkte jedoch auch unberechenbarer geworden. Mehrmals wurden die Investoren von den Kurswechseln der Notenbank überrascht. „Es wäre besser, wenn er den Mund halten würde“, sagte einmal der amerikanische Wirtschaftsprofessor und Fed-Historiker Allan Meltzer. Sein kollegialer Führungsstil hat Bernanke intern zwar viel Lob eingebracht. „Es ist fast wie in einem Seminar, wo man Meinungen austauscht und laut nachdenkt“, berichtet der frühere Fed-Ökonom Vincent Reinhart über die Notenbank-Sitzungen unter Bernanke. An den Finanzmärkten jedoch vermisst man die Führungspersönlichkeit eines starken Vorsitzenden. Nirgends ist das deutlicher geworden als während der Krise.

Noch im Frühjahr vergangenen Jahres sieht Bernanke keine Gefahr für die Konjunktur von der damals bereits lodernden Immobilienkrise. Ein Krisensommer später ist das Wort „Subprime“in aller Munde. Die Zahlungsschwierigkeiten von leichtsinnigen Hausbesitzern in Ohio und Kalifornien haben einen Finanz-Tsunami ausgelöst, der nicht nur die US-Wirtschaft, sondern auch den Rest der Welt hinweg zu reißen droht. Bernanke wird von dem perfekten Sturm überrascht und läuft seitdem der Entwicklung hinterher.

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