Flüchtlingspolitik
EU erwartet weitere drei Millionen Flüchtlinge

Kanzlerin Angela Merkel lädt für heute zum Koalitionskrisengipfel – da kommt die EU mit Zahlen zum Migrantenstrom. Die Experten rechnen bis Ende 2016 mit weiteren drei Millionen Flüchtlingen – und machen Deutschland Mut.
  • 110

Berlin sucht eine Antwort auf die Flüchtlingsfrage. Am Nachmittag beraten zunächst die Parteichefs von CDU, CSU und SPD. Am Abend kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel dann mit den Ministerpräsidenten der Länder zusammen. Während die Union sich auf Transitzonen verständigt hat, um das Recht auf Asyl von Flüchtlingen außerhalb deutscher Grenzen prüfen zu können, drängt die SPD auf dezentrale Einreisezentren. Für die Sozialdemokraten ist die Transitzonen-Debatte Alibi, da sie nur wenige Flüchtlinge anginge und von den großen Problemen ablenke.

So oder so muss die Regierung eine Linie in ihrer Flüchtlings- und Asylpolitik finden. Denn der Flüchtlingsstrom wird nicht so schnell abreißen. Passend zum Koalitionskrisentreffen veröffentlicht die Europäische Union Zahlen, die aufhorchen lassen. So erwartet die EU-Kommission, dass es bis Ende kommenden Jahres weitere drei Millionen Flüchtlinge nach Europa zieht.

Die meisten wollen wohl nach Deutschland. Laut EU werden hierzulande in diesem Jahr 700.000 Migranten ankommen, im kommenden Jahr 530.000 und 2017 schließlich 255.000. Offiziell rechnet die Bundesregierung mit 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel spricht aber bereits von rund einer Million Zuwanderern.

Doch die EU-Experten machen den Deutschen Mut: Vor allem die deutsche Konjunktur wird in den kommenden Jahren von der Migrationswelle profitieren. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnte die Wirtschaftsleistung mittelfristig um zusätzlich rund 0,7 Prozent zulegen, wenn die Neuankömmlinge die gleichen Qualifikationen mitbrächten wie die heimische Bevölkerung, teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag mit. Sollten die Migranten weniger Fähigkeiten aufweisen, sei trotzdem mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 Prozent im Jahr 2020 zu rechnen.

Grund für die Annahmen der Kommission sind maßgeblich die höhere Zahl an potenziellen Arbeitnehmern und damit an Steuerzahlern, auch wenn die Integration zunächst Kosten verursacht. In diesem Jahr könnte das BIP demnach in beiden Szenarien zusätzlich zwischen 0,1 und 0,2 Prozent wachsen, 2016 dann um 0,3 bis 0,4 Prozent. Allerdings nimmt die Wirtschaftsleistung pro Einwohner wegen der höheren Bevölkerungszahl nach EU-Berechnungen zunächst ab – in diesem Jahr um rund 0,7 Prozent, 2020 dann zwischen 0,3 und 0,6 Prozent.

Für die gesamte EU geht die Brüsseler Kommission von relativ geringen konjunkturellen Auswirkungen durch die Flüchtlingskrise aus. Das gelte auch für die Finanzlage von Transitländern wie Italien, Griechenland und Ungarn, da die anfallenden Kosten nur vorübergehend seien.

Kommentare zu " Flüchtlingspolitik : EU erwartet weitere drei Millionen Flüchtlinge"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ...Exportüberschuss abzubauen?

    Fragen Sie die Polit- und Wirtschafts-Experten. Man sollte aber davon ausgehen, dass diese wie Merkel keinen Plan haben.

  • Wenn ich mir die >Deutschland feindliche Zitate< lese und prüfe, selber bei zwei "Kandidaten" im TV Hör- und Augenzeuge war, wundern mich bei einigen dieser "Volksvertretern" Ihre "Auftritte" und Selbstdarstellungen nicht ! Und diese "Volksvertreter" laufen in unseren Parlamenten herum, oder beziehen unverdiente Pensionen ! Dringend juristischer Bedarf !

  • Wieso "nur" drei Millionen neue Flüchtlinge bis zum ersten Januar 2017 sind es 14 Monate mal 300.000 pro Monat, also 4,2 Millionen. Davon kommen also 80 Prozent nach Deutschland, oder? Wie sieht es denn 2017, 2018, 2019 und 2020 aus? Werden es mehr oder weniger Flüchtlinge? Jedes Jahr 4 Millionen? Jedes Jahr 80 Prozent nach Deutschland? Jedes Jahr eine Million neuer Wohnungen? Wollen die Deutschen schon 2021 die hundertmillionen Marke übertreffen? Das alles nur, um en Exportüberschuss abzubauen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%