Flüchtlingspolitik

EU erwartet weitere drei Millionen Flüchtlinge

Kanzlerin Angela Merkel lädt für heute zum Koalitionskrisengipfel – da kommt die EU mit Zahlen zum Migrantenstrom. Die Experten rechnen bis Ende 2016 mit weiteren drei Millionen Flüchtlingen – und machen Deutschland Mut.
Update: 05.11.2015 - 12:09 Uhr 110 Kommentare
Diese Flüchtlinge warten nahe der oberösterreichischen Ortschaft Hanging auf ihren Grenzübertritt nach Deutschland. Quelle: dpa
Flüchtlinge an der Grenze

Diese Flüchtlinge warten nahe der oberösterreichischen Ortschaft Hanging auf ihren Grenzübertritt nach Deutschland.

(Foto: dpa)

Berlin sucht eine Antwort auf die Flüchtlingsfrage. Am Nachmittag beraten zunächst die Parteichefs von CDU, CSU und SPD. Am Abend kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel dann mit den Ministerpräsidenten der Länder zusammen. Während die Union sich auf Transitzonen verständigt hat, um das Recht auf Asyl von Flüchtlingen außerhalb deutscher Grenzen prüfen zu können, drängt die SPD auf dezentrale Einreisezentren. Für die Sozialdemokraten ist die Transitzonen-Debatte Alibi, da sie nur wenige Flüchtlinge anginge und von den großen Problemen ablenke.

So oder so muss die Regierung eine Linie in ihrer Flüchtlings- und Asylpolitik finden. Denn der Flüchtlingsstrom wird nicht so schnell abreißen. Passend zum Koalitionskrisentreffen veröffentlicht die Europäische Union Zahlen, die aufhorchen lassen. So erwartet die EU-Kommission, dass es bis Ende kommenden Jahres weitere drei Millionen Flüchtlinge nach Europa zieht.

Die meisten wollen wohl nach Deutschland. Laut EU werden hierzulande in diesem Jahr 700.000 Migranten ankommen, im kommenden Jahr 530.000 und 2017 schließlich 255.000. Offiziell rechnet die Bundesregierung mit 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel spricht aber bereits von rund einer Million Zuwanderern.

Doch die EU-Experten machen den Deutschen Mut: Vor allem die deutsche Konjunktur wird in den kommenden Jahren von der Migrationswelle profitieren. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnte die Wirtschaftsleistung mittelfristig um zusätzlich rund 0,7 Prozent zulegen, wenn die Neuankömmlinge die gleichen Qualifikationen mitbrächten wie die heimische Bevölkerung, teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag mit. Sollten die Migranten weniger Fähigkeiten aufweisen, sei trotzdem mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 Prozent im Jahr 2020 zu rechnen.

Grund für die Annahmen der Kommission sind maßgeblich die höhere Zahl an potenziellen Arbeitnehmern und damit an Steuerzahlern, auch wenn die Integration zunächst Kosten verursacht. In diesem Jahr könnte das BIP demnach in beiden Szenarien zusätzlich zwischen 0,1 und 0,2 Prozent wachsen, 2016 dann um 0,3 bis 0,4 Prozent. Allerdings nimmt die Wirtschaftsleistung pro Einwohner wegen der höheren Bevölkerungszahl nach EU-Berechnungen zunächst ab – in diesem Jahr um rund 0,7 Prozent, 2020 dann zwischen 0,3 und 0,6 Prozent.

Für die gesamte EU geht die Brüsseler Kommission von relativ geringen konjunkturellen Auswirkungen durch die Flüchtlingskrise aus. Das gelte auch für die Finanzlage von Transitländern wie Italien, Griechenland und Ungarn, da die anfallenden Kosten nur vorübergehend seien.

Prognose für Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien
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110 Kommentare zu "Flüchtlingspolitik : EU erwartet weitere drei Millionen Flüchtlinge"

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  • ...Exportüberschuss abzubauen?

    Fragen Sie die Polit- und Wirtschafts-Experten. Man sollte aber davon ausgehen, dass diese wie Merkel keinen Plan haben.

  • Wenn ich mir die >Deutschland feindliche Zitate< lese und prüfe, selber bei zwei "Kandidaten" im TV Hör- und Augenzeuge war, wundern mich bei einigen dieser "Volksvertretern" Ihre "Auftritte" und Selbstdarstellungen nicht ! Und diese "Volksvertreter" laufen in unseren Parlamenten herum, oder beziehen unverdiente Pensionen ! Dringend juristischer Bedarf !

  • Wieso "nur" drei Millionen neue Flüchtlinge bis zum ersten Januar 2017 sind es 14 Monate mal 300.000 pro Monat, also 4,2 Millionen. Davon kommen also 80 Prozent nach Deutschland, oder? Wie sieht es denn 2017, 2018, 2019 und 2020 aus? Werden es mehr oder weniger Flüchtlinge? Jedes Jahr 4 Millionen? Jedes Jahr 80 Prozent nach Deutschland? Jedes Jahr eine Million neuer Wohnungen? Wollen die Deutschen schon 2021 die hundertmillionen Marke übertreffen? Das alles nur, um en Exportüberschuss abzubauen?

  • Das mit den Witzen ist mittlerweile eine gefährliche Sache.
    Gut, der Mann ist wirklich außer der Spur. Ich dachte bisher immer, das das nur das Sultan Erdogan möglich ist. Aber das wird auch noch kommen.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/wuerzburg-zwei-jahre-haft-fuer-hetze-auf-facebook-13870012.html
    http://www.aargauerzeitung.ch/ausland/tuerkische-justiz-fordert-mehr-als-23-jahre-haft-fuer-reporterin-129275335

  • ..und machen Deutschland Mut.

    Auch der Experte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, erklärte gegenüber "Welt Online": "Nach unseren Berechnungen erwirtschaftet ein Flüchtling nach fünf bis sieben Jahren mehr, als er den Staat kostet." Die Neuankömmlinge würden langfristig Einkommen schaffen, die Unternehmenserträge steigern und die Produktivität der Firmen erhöhen.

    Er folgt der einfachen Logik, es gibt hunderte Millionen von Menschen die noch nie mit dem Rad fuhren. Wenn man denen ein Fahrrad verschafft, vergrößert sich das Potential an Teilnehmern der Tour de France in 5 - 7 Jahren und schafft vorher Arbeitsplätze in der Fahrradindustrie.

  • Sie haben die Traurige Geschichte gelesen, und Swups, sind gleiche als so geschaltet die nach Deutschland kommen. Ich gebe ihnen Recht das man solche Leute die die Gesellschaft und die Rechtsstaatlichkeit ablehnen, sofort aus Schaffen sollte, aber was machen wir mit den Deutschen die das auch Ablehnen.
    Haben sie einmal die Statistik gesehen, von häuslicher Gewalt an Frauen und Kinder in deutschen Familien.

  • "Experten rechnen bis Ende 2016 mit weiteren drei Millionen Flüchtlingen – und machen Deutschland Mut."

    Müsste das, sprachlich korrekt, nicht eher heißen "...und versuchen Deutschland Mut zu machen"?
    Mir macht die Aussicht darauf nämlich ganz und gar keinen Mut: Mich erinnert die Lage eher an den Niedergang des Römischen Reiches.

    Eine schnelle Integrationsperspektive vermag ich kaum zu erkennen angesichts der aktuell viel zu hohen Anzahl der Zuwanderer, der politischen und behördlichen Überforderung, des Mangels an akzeptablen Unterbringungsmöglichkeiten, den kulturellen Unterschieden und des insgesamt unterdurchschnittlichen Bildungsniveaus der meisten Flüchtlinge nicht. Hätte man vor, sagen wir mal, zwei Jahren mit einem guten Green Card-Programm unter syrischen Exilanten begonnen und - parallel dazu - mehr Geld für bessere Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern in der Türkei, dem Libanon und Jordanien investiert: Dann hätte es vielleicht funktionieren können.

    Mehere Frauen in meinem Bekanntenkreis haben sich für Selbstverteidigungskurse angemeldet. Sie glauben den Blütenträumen unserer Politiker und Wirtschaftsfachleute nicht.

  • "Schwarzer Humor"

    Kennen Sie den? Merkel fährt auf einem Schlauchboot über die Ägäis. das Boot droht zu kentern. Ein Flüchtlingskind fragt "Mama Merkel muss ich nun sterben?"
    "Nein mein liebes Kind du musst nicht sterben, du kommtst nach Deutschland, da gibt es den Weihnachtsmann, Frau Holle, viele Schneeflocken und schöne Sachen."

    Das Boot kentert, Frau Merkel fragt das Flüchtlingskind "Muss ich nun sterben?"

    Das Kind antwortet
    "Nein du kommst ins Paradies zu unserem Propheten, da gibt es einen schönen Garten, schöne Jungfrauen und viele süße Leckereien.

  • Alles ist ein großes Durcheinander - Farben sind zu vernachlässigen.

    Braun oder schwarz hat demzufolge auch nicht mehr die Gefährlichkeit wie Früher.

  • Frankreich und Schweden sind ausgeschert von merklischen Kurs. Nur noch Österreich steht noch einige Zeit hinter Merkel aber die haben in Wirklichkeit längst die Seiten gewechselt. Merkel ist in der EU politisch am Ende, da hilft das deutsche Geld nicht mehr weiter.

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