
Das deutsche Wirtschaftswachstum des ersten Halbjahres 2010 ist wirklich beeindruckend. Leider gilt das Gleiche in umgekehrter Richtung für das Winterhalbjahr 2008/2009. Trotz des jetzigen Wachstums ist das Wertschöpfungsniveau noch nicht auf den Vorkrisenstand zurückgebracht. Damit haben wir einen der wichtigsten Gründe für den jetzigen Aufschwung benannt: wenn man weit unten ist, ist es auch möglich, wieder schnell höher hinaufzukommen.
Während der Krise wurde weltweit kaum investiert. Deutschland ist eine Exportnation mit einem Schwerpunkt auf Investitionsgüter. Sie wurde damit extra hart getroffen. Jetzt, wo insbesondere in den Schwellenländern wieder kräftig investiert wird und auch eine Normalisierung in anderen Teilen der Welt stattfindet, läuft der deutsche Exportmotor wieder auf vollen Touren.
Wie andere - insbesondere europäische - Länder zeigen, ist es ist aber nicht selbstverständlich die Krise mit solch großen Wachstumsschüben zu verlassen. Um vom Investitionsaufschwung profitieren zu können, ist es für Deutschland wichtig flexibel auf derartige Schwankungen reagieren zu können. Hierzu haben vor allem die Arbeitsmarktreformen in der Vergangenheit beigetragen. Die Kurzarbeit, flexiblere Arbeitsverträge und Reformen im Bereich der Sozialversicherungen haben es den Exportfirmen erlaubt, im Krisenjahr 2009 die Produktion zu drosseln und jetzt in 2010 wieder schnell hochzufahren. Die "Agenda 2010" der Schröder-Regierung zahlt sich - im Jahr 2010 - aus.
Eine untergeordnete, aber nicht zu vernachlässigende Rolle spielen die vertrauensbildenden Maßnahmen der jetzigen Regierung. Um die Investitionstätigkeit der Unternehmen zu stützen, ist Planungssicherheit wichtig. Einerseits bedeutet das, dass während einer Krise der deutsche Staat die Bereitschaft hat unterstützend und aktiv einzugreifen - ohne Anreize wesentlich zu verzerren -, aber sich gleichzeitig auch zurückzieht wenn die Eigendynamik des privaten Sektors sich wieder zeigt.
Gelingt das nicht nur in Deutschland, dann ist ein stetiges Wachstum für die Welt, Europa und Deutschland eine realistische Perspektive.