_

Gastbeitrag: Die Agenda 2010 zahlt sich aus

Wer tief fällt, kann auch wieder hoch steigen. Genau dieses Bild passt nach Meinung von Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturstelle der ETH Zürich, aktuell für Deutschland. Allerdings sieht er einen Grund für die schnelle Erholung auch in den Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010, die jetzt - im Jahr - 2010 ihre Wirkung entfalten.

Jan-Egbert Sturm ist Professort an der ETH Zürich. Quelle: Pressebild
Jan-Egbert Sturm ist Professort an der ETH Zürich. Quelle: Pressebild

Das deutsche Wirtschaftswachstum des ersten Halbjahres 2010 ist wirklich beeindruckend. Leider gilt das Gleiche in umgekehrter Richtung für das Winterhalbjahr 2008/2009. Trotz des jetzigen Wachstums ist das Wertschöpfungsniveau noch nicht auf den Vorkrisenstand zurückgebracht. Damit haben wir einen der wichtigsten Gründe für den jetzigen Aufschwung benannt: wenn man weit unten ist, ist es auch möglich, wieder schnell höher hinaufzukommen.

Anzeige

Während der Krise wurde weltweit kaum investiert. Deutschland ist eine Exportnation mit einem Schwerpunkt auf Investitionsgüter. Sie wurde damit extra hart getroffen. Jetzt, wo insbesondere in den Schwellenländern wieder kräftig investiert wird und auch eine Normalisierung in anderen Teilen der Welt stattfindet, läuft der deutsche Exportmotor wieder auf vollen Touren.

Wie andere - insbesondere europäische - Länder zeigen, ist es ist aber nicht selbstverständlich die Krise mit solch großen Wachstumsschüben zu verlassen. Um vom Investitionsaufschwung profitieren zu können, ist es für Deutschland wichtig flexibel auf derartige Schwankungen reagieren zu können. Hierzu haben vor allem die Arbeitsmarktreformen in der Vergangenheit beigetragen. Die Kurzarbeit, flexiblere Arbeitsverträge und Reformen im Bereich der Sozialversicherungen haben es den Exportfirmen erlaubt, im Krisenjahr 2009 die Produktion zu drosseln und jetzt in 2010 wieder schnell hochzufahren. Die "Agenda 2010" der Schröder-Regierung zahlt sich - im Jahr 2010 - aus.

Eine untergeordnete, aber nicht zu vernachlässigende Rolle spielen die vertrauensbildenden Maßnahmen der jetzigen Regierung. Um die Investitionstätigkeit der Unternehmen zu stützen, ist Planungssicherheit wichtig. Einerseits bedeutet das, dass während einer Krise der deutsche Staat die Bereitschaft hat unterstützend und aktiv einzugreifen - ohne Anreize wesentlich zu verzerren -, aber sich gleichzeitig auch zurückzieht wenn die Eigendynamik des privaten Sektors sich wieder zeigt.

Gelingt das nicht nur in Deutschland, dann ist ein stetiges Wachstum für die Welt, Europa und Deutschland eine realistische Perspektive.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International