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Gastbeitrag von Václav Klaus: Der Euro – ein Irrtum?

Die EU in ihrer heutigen Form ist eine Fehlkonstruktion, weil sie die Nationalstaaten zu stark einschränkt. Der Euro ist ein Irrtum und die Politik für Klimaschutz ein gefährlicher Fehler

Václav Klaus ist Präsident Tschechiens Quelle: dpa
Václav Klaus ist Präsident Tschechiens Quelle: dpa

Europa ist jetzt - nach dem Ende der postkommunistischen Transformation in unserem Land - das Hauptthema meiner Überlegungen. Und ich sehe, dass Europa heute ein fundamentales und leider langfristiges Problem hat. Das will ich laut sagen, obwohl das der überwiegende Teil der europäischen Politiker nicht hören will.

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Zuerst zwei Bemerkungen. Erstens: Die europäischen Politiker bemühen sich, die EU und Europa gleichzusetzen, was ein konzeptioneller Fehler ist. Als die Tschechische Republik im Jahr 2004 Mitglied der EU wurde, hieß es oft in Brüssel: "Willkommen in Europa." Das konnte ich nicht akzeptieren. In Europa sind wir immer gewesen.

Zweitens: Man sollte einen klaren Unterschied auch zwischen der Integration und der heutigen Entwicklung, die ich Unifikation nenne, machen. Die erste Hälfte der europäischen Integration ist im Prinzip positiv verlaufen. Alle wollten die Öffnung Europas, die allgemeine Liberalisierung des Lebens und der Wirtschaft und die Beseitigung der Barrieren, die nach dem Zweiten Weltkrieg existierten. Was danach passiert ist - die künstliche Unifizierung, Harmonisierung und Zentralisierung von oben - wollten wir nicht alle. Europa wird nie eine Nation werden, und es ist auch völlig sinnlos, die Nationalstaaten beseitigen zu wollen. Ich gehöre zu denen, die ernsthaft bezweifeln, dass es möglich ist, die Freiheit und Demokratie zu bewahren ohne die Einhaltung der Institution des Staats, ohne die Existenz des Volks (Demos) und ohne direkte Bindung an diejenigen, die über sie und für sie Tag für Tag wichtige Entscheidungen treffen.

Mit den Verträgen von Maastricht und Lissabon ist dieser Trend zu noch mehr Zentralisierung, Unifizierung und Standardisierung verschärft worden. Allein die Änderungen der Namen und Abkürzungen, die im Zusammenhang mit der EU benutzt werden, sind ein guter Beweis für diesen zunehmenden Zentralismus. Anfangs war es noch die EWG, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Daraus ist später die mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattete Europäische Gemeinschaft (EG) geworden und dann Anfang der 90er-Jahre die Europäische Union (EU). Es ist keine Gemeinschaft mehr, sondern eine Union, die vor ein paar Jahren in die Europäische Währungsunion (EWU) transformiert wurde. Die weitere Entwicklung ist völlig klar: Derzeit wird über die EFU gesprochen, über die Fiskal-Union auf europäischer Ebene. Und weiter hinten am Horizont zeichnet sich schon das Gebilde einer EPU ab, einer Europäischen Politischen Union.

Ein kardinaler Fehler ist der Euro. Eine gemeinsame Währung für verschiedene Länder schaffen zu wollen ist immer eine ziemlich komplizierte Sache. Darauf habe ich schon vor 20 Jahren hingewiesen, und deshalb ist für mich die heutige Entwicklung in der Euro-Zone keine Überraschung. Als Wirtschaftswissenschaftler halte ich nicht viel davon, das Instrument der flexiblen Wechselkurse aufzugeben und damit eine wichtige wirtschaftspolitische Anpassungsmöglichkeit zu verlieren. Eine tiefe interne Abwertung, wie sie etwa die baltischen Staaten während der jüngst geschehenen Krise durchmachten, ist völlig unnötig - wenn man eben die eigene Währung noch hat.

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