_

Geldentwertung: Enteignung auf leisen Sohlen

Das schleichende Gift der Geldentwertung entfaltet erst im Laufe der Jahre seine Wirkung, dann aber plötzlich mit aller Wucht. Auch wer mit einer Lebensversicherung für das Alter vorsorgt, muss aufpassen, um zum Schluss nicht eine böse Überraschung zu erleben.

Schleichendes Gift: Sparern droht kalte Enteignung Quelle: dpa
Schleichendes Gift: Sparern droht kalte Enteignung Quelle: dpa

FRANKFURT. Vor 30 Jahren hat ein Brötchen gerade mal zehn Pfennig gekostet.“ An dieses Beispiel seiner Großmutter muss Alfred immer denken, wenn der 37-Jährige seinen Ruhestand plant.

Anzeige

Mit der gesetzlichen Rente schafft er höchstens den Inflationsausgleich, sollten Nullrunden wegen knapper Kassen nicht die Ausnahme bleiben. Zum Ausgleich hofft Alfred in 30 Jahren auf 250 000 Euro aus dem Vorsorgeklassiker der Deutschen, der Lebensversicherung. Doch auch dieses Polster ist geringer, als es zunächst wirkt. Denn Alfred weiß nicht, was er sich in 30 Jahren für das Geld kaufen kann. Das hängt von der Inflation ab – einem Monster, das Jahr für Jahr an den Erträgen nagt.

„Selbst wenn man eine jährlich gering erscheinende Inflation über Jahrzehnte kumuliert, wirkt das gewaltig auf die Kaufkraft der Ersparnisse“, warnt der Luxemburger Vorsorgespezialist Wolfgang Sander. Drei Prozent Inflation pro Jahr etwa würden für Alfred bedeuten, dass er in 30 Jahren 2,43 Euro für Waren ausgeben muss, die heute einen Euro kosten. Anders formuliert: Seine 250 000 Euro wären zu Beginn des Ruhestands nur gut 100 000 Euro wert. Allerdings: Bislang hat Alfred Glück gehabt. Seit er vor knapp 20 Jahren begonnen hat zu sparen, hat die Inflation ihm im Schnitt weniger als zwei Prozent weggefressen. Und sein Lebensversicherer garantierte ihm mit Vertragsbeginn jährlich mindestens 3,5 Prozent Rendite. Tatsächlich bekam er bisher auf seine monatlichen Sparbeträge immer mehr als vier Prozent. Alfred hat also Vermögen aufgebaut. „Solange die Garantieverzinsung über der Inflationsrate liegt, beinhaltet die Garantieverzinsung praktisch den Inflationsschutz plus eine gewisse zusätzliche Realrendite“, sagt der Mannheimer Wissenschaftler Peter Albrecht.

Werden Sparer künftig kalt enteignet?

Sorgen macht sich Alfred dennoch. Denn viele Fachleute sagen als Konsequenz der Finanzkrise deutlich höhere Inflationsraten voraus. Zwar noch nicht dieses oder nächstes Jahr, aber 2012. Werden die Sparer also künftig kalt enteignet? Versicherungsmanager halten dies zwar grundsätzlich für unwahrscheinlich, aber im Einzelfall hängt das auch vom Versicherer ab.

Dass Alfred steigende Inflationsraten nicht sonderlich fürchten muss, liegt an der Konstruktion seiner Lebensversicherung. Eine höhere Geldentwertung führt relativ schnell zu höheren Renditen von Anleihen – das ist für Lebensversicherer entscheidend, weil 90 Prozent ihrer Kapitalanlagen von rund 700 Milliarden Euro in festverzinslichen Wertpapieren gebunden sind. Neues Geld kann der Versicherer also besser investieren. Als Kunde merkt Alfred dies allerdings nur mit Verzögerung. Seine jährliche Gutschrift steigt längst nicht so stark und so schnell wie die Renditen langlaufender Anleihen, weil der Versicherer immer nur einen Teil seines Kapitals neu anlegt.

Zinserhöhungen treffen Versicherungen besonders stark

Es kann daher sein, dass Alfred ein paar Jahre lang weniger gutgeschrieben bekommt, als er durch die Inflation gleichzeitig verliert. „Die Inflation ist die größte Gefahr für die Lebensversicherer und die Versicherten, da ihr Realvermögen sinkt“, sagt daher der Versicherungsexperte der Societé Générale, Carsten Zielke. „Die Versicherungsunternehmen sind hauptsächlich in langfristigen Bonds investiert, womit sie besonders hart von Zinserhöhungen getroffen werden.“ Das wäre insbesondere bei einer Stornowelle ein Problem, wenn Versicherer Anleihen mit Verlust verkaufen müssten. Dennoch hält der Chef des Marktführers Allianz Leben, Maximilian Zimmerer, dagegen: „Wir haben es bisher immer geschafft, mit unserer Gewinnbeteiligung die Inflationsrate mehr als auszugleichen.“

Wie schnell das geht, hängt entscheidend von der Finanz- und Wettbewerbsstärke des jeweiligen Lebensversicherers ab. Wenn der Versicherer im Altersvorsorgemarkt wächst und seine Kapitalanlagen in Zeiten höherer Inflation in wenigen Jahren lukrativ umschichten kann, profitiert Alfred rascher als bei einem stagnierenden Unternehmen.

Letztlich ist für Alfreds Vorsorgeplanung entscheidend, ob er im langfristigen Schnitt Vermögen aufbaut. Die Lebensversicherung eignete sich dafür bisher gut. Die Chancen sind bei jedem Vorsorgeprodukt aller-dings anders verteilt. Grundsätzlich holt Alfred umso mehr heraus, je flexibler er vorsorgt, je mehr Risiken er in Kauf nimmt und je weniger andere Einflüsse an seinem Kapitalstock nagen. Neben der Steuer unterschätzen viele Sparer vor allem die Kosten für Geldverwalter. Der Berliner Vorsorgespezialist Mark Ortmann mahnt: „Gebühren müssen langanlegende Investoren genauso prüfen wie die Verteilung der Vermögenswerte.“ Und auch die Geldentwertung im persönlichen Umfeld. Denn im wirklichen Leben sind statistische Durchschnittswerte nicht immer aussagekräftig, wie der Vermögensverwalter Johannes Führ weiß: „Der Handwerker, der mir früher eine Rechnung über 30 D-Mark stellte, schreibt heute, ohne rot zu werden, 30 Euro auf. Und der nächste verlangt schon 45 Euro.“

  • 09.04.2010, 21:13 UhrAnonymer Benutzer: Peter Scholz

    Wenn es bei einer Währung um Gold ginge, wäre die DM schon platt gewesen. Vielmehr geht es um die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft und da hat man beim Zusammenschluß sehr unterschiedlicher Volkswirtschaften unter eine Währung falsch gerechnet. Der besondere Knackpunkt ist, daß sich zunehmend keiner mehr die Hände schmutzig machen will und lieber "Dienstleister an richtiger Stelle" ist. bei den Griechen ist das besonders ausgeprägt. Wenn dann noch der wichtigste Wirtschaftssektor, der Tourismus, in eine Weltwirtschaftskrise rutscht, der badeurlaub an die Ostsee verschoben wird, dann komplettiert sich das zu einer Staatspleite. italien und Spanien sind Parallelfälle. Aus diesem einfachen Grund brauchen wir zur belebung der Sekundärwirtschaft neue Produkte und Strategien, die das Exportgeschäft direkt und indirekt ohne Lohndumping konkurrenzfähig machen. Wie, habe ich oft genug geschrieben. Eine inflation rückt so in weite Ferne; ohne Gold.

    Schade, daß mich Volkswirte nicht verstehen.

  • 09.04.2010, 19:07 UhrAnonymer Benutzer: morchel

    @Michel,gebe dir im grunde recht,vergiss bitte nicht in der vergangenheit wurde dem Volk der besitz von Gold verboten und dann beschlagnahmt.Hyperinflation ist bestimmt treffender,und endet mit den total verlust,jetzt werden ersteinmal alle sozialsysteme erledigt,dann rückzug der lumpenelite,ruf nach einen starken Mann.rückzahlung der Schulden wird es nicht geben von was auch,so sind die gläubiger dann die letzten die auf den trockenen sitzen,vertrauen woher soll das dann noch kommen,so sind dann alle ob arm oder reich betroffen,alles wie gehabt System kaputt nicht reparabel.

  • 09.04.2010, 13:12 UhrAnonymer Benutzer: Michel

    Natürlich kommt inflation, und zwar eine ganz gewaltige, bei all dieser Gelddruckerei. Dagegen kann man sich schützen: Anonym und diskret. Man investiert in Gold.
    in Zukunft noch mehr wird der Staat bei Papiergeldinvestments versuchen abzugreifen. insbesondere die demographische Veränderung wird den Staat zwingen, sich an Altersvorsorgeanlagen zu vergreifen.
    Man kann sich schützen, denn im Geld parkt der Wert, in Gold und Silber ist er zu Hause. Auch wenn dies manche festprogrammierte MbA's nicht begreifen wollen.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Nach der Entlassung: Röttgen denkt an erneute Kandidatur als Partei-Vize

Röttgen denkt an erneute Kandidatur als Partei-Vize

Der entlassene Bundesumweltminister Röttgen will offenbar noch lange CDU-Vize bleiben. Kreisen zufolge will er erneut kandidieren. Ein führender CDU-Politiker fordert, ihn trotz der Skandale nicht fallen zu lassen.

Studie: Gesetze haben gegen das Saufen keine Chance

Gesetze haben gegen das Saufen keine Chance

Mit strengeren Alkoholgesetzen soll Gewalt eingedämmt werden. Solche Regeln zeigen allerdings kaum Wirkung im Kampf gegen Trinkexzesse, wie eine Studie belegt. Dabei wäre die Lösung eigentlich ganz einfach.

Armee-Angriff: Opposition berichtet von neuem Massaker in Syrien

Opposition berichtet von neuem Massaker in Syrien

Bei einem verheerenden Angriff der syrischen Armee sind mindestens siebzig Menschen getötet worden, darunter auch Kinder. Die Opposition spricht von über hundert Toten und fordert von der UN Sofortmaßnahmen.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International