Geldflut in Europa : Wie zufrieden ist Draghi schon?

Geldflut in Europa
Wie zufrieden ist Draghi schon?

Gut einen Monat läuft das auf 1,14 Billionen Euro angelegte Programm zum Kauf von Staatsanleihen. Zeit für eine Zwischenbilanz. EZB-Präsident Mario Draghi dürfte dabei vor allem die Erfolge des Kaufprogramms hervorheben.
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FranfurtDie große Geldschwemme für das Bankensystem zeigt Wirkung. Dieses Mantra wird Experten zufolge EZB-Chef Mario Draghi am kommenden Mittwoch Investoren an den Finanzmärkten mitzugeben versuchen. Gut einen Monat läuft das auf 1,14 Billionen Euro angelegte Mammut-Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren bereits. Zeit für Draghi, nach der Zinssitzung am Mittwoch in Frankfurt Zwischenbilanz zu ziehen. Denn zuletzt kamen Fragen auf, ob die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der einsetzenden Konjunkturerholung im Währungsraum die bis September 2016 geplanten Käufe schon früher beendet oder gar Eckpunkte anpasst. Den Leitzins, der auf dem Rekord-Tiefstand von 0,05 Prozent liegt, wird sie nach allgemeiner Erwartung wohl nicht antasten.

Laut Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert dürften die Euro-Hüter mit der jüngsten Konjunkturentwicklung recht zufrieden sein. So hätten die Wirtschaftsindikatoren für den Währungsraum seit der letzten Zinssitzung Anfang März meist positiv überrascht. „Die Konjunktur bessert sich also weiter im Einklang mit der Erwartung der EZB“, so Schubert.

Die Zentralbank will mit ihrer großen Geldflut – im Fachjargon „QE“ (Quantitative Easing) genannt – die Kreditvergabe der Banken anheizen und damit der Wirtschaft im Währungsraum auf die Sprünge helfen. Die momentan sehr niedrige Inflation, die im März bei minus 0,1 Prozent lag, soll so wieder zur EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent hinbewegt werden. Die EZB und die nationalen Notenbanken starteten mit den Bond-Käufen am 9. März.

Commerzbank-Volkswirt Schubert macht an den Märkten bereits Bewegung bei den Annahmen zur Preisentwicklung aus: „Die längerfristigen Inflationserwartungen haben sich zuletzt zumindest stabilisiert, wenn auch auf einem weiter niedrigen Niveau.“ Zusätzliche Schritte seien daher von Draghi jetzt nicht zu erwarten. „Er wird wohl betonen, dass die EZB sehr vorsichtig sein muss.“ Schließlich befinde sich die Erholung erst am Anfang.

Laut NordLB-Chefvolkswirt Torsten Windels wird der Erfolg des Kauf-Programms davon abhängen ob der Kreditfluss an Unternehmen in der Euro-Zone an Fahrt gewinnt: „In Deutschland herrscht hier kein Problem – die Frage ist aber, wie die Kreditvergabe in Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien sich entwickelt.“ Es gebe Signale, dass Banken in diesen Ländern wieder etwas mehr in der Lage seien, Darlehen zu gewähren. Denn dort sinke der Anteil stark ausfallgefährdeter Kredite. „Das kann wiederum selbstverstärkend wirken,“ so der Experte.

Im März erwarben die EZB und die nationalen Notenbanken Staatsanleihen, Pfandbriefe („Covered Bonds“) und Hypothekenpapiere („ABS“) für rund 61 Milliarden Euro. Insgesamt sind bis September 2016 pro Monat Käufe von 60 Milliarden Euro geplant. Die Frage ist, ob die EZB ihr Ziel erreichen kann, wenn sie Monat für Monat am Markt massiv Schuldtitel aufkauft. Windels zufolge wurden nach der Finanzkrise entsprechende geldpolitische Schritte in den USA von einer expansiven Fiskalpolitik mit vielen Neuemissionen begleitet.

In Europa sei dies aber nicht der Fall. „Vielleicht wird die EZB Abstriche beim Volumen machen oder die Dauer des Programms verkürzen müssen.“ Eine der Stellschrauben könnte etwa das von der EZB gesetzte Limit von 25 Prozent eines einzelnen Schuldtitels sein, das bislang maximal aufkaufbar ist. Auch die Renditegrenze wäre eine Möglichkeit. Die EZB schränkt ihre Käufe bislang auf Papiere ein mit einer Rendite nicht niedriger als der Einlagenzins. Dieser liegt aktuell bei minus 0,2 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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