
Der Euro steht wieder stark da. Gegenüber dem Dollar legte er in den vergangenen drei Monaten zehn Prozent zu, gegenüber dem japanischen Yen vier und dem chinesischen Yuan acht Prozent.
Doch der Starke ist womöglich der Dumme. Amerikaner, Japaner und Chinesen setzen - aus unterschiedlichen Gründen - auf schwache Währungen. Die USA wollen so ihre Staatsschuld schmälern, die Japaner ihr Wachstum ankurbeln, und die KP-Führung möchte das erfolgreiche Exportmodell auf Kosten der übrigen Welt fortsetzen.
Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnt bereits vor einem Währungskrieg. Er befürchtet weltweit einen Abwertungswettlauf, durch den sich einzelne Länder Handelsvorteile verschaffen wollten. „Es beginnt sich die Ansicht zu verbreiten, dass Währungen als politische Waffe eingesetzt werden können“, sagte Dominique Strauss-Kahn der „Financial Times“. Ein solches Vorgehen würde eine ernste Bedrohung für die globale Konjunkturerholung darstellen, warnte er. Auch langfristig seien die Folgen negativ und könnten großen Schaden anrichten.
Auch die Bundesbank hat jetzt als erste Notenbank kritisch zu Versuchen Stellung genommen, den Kurs von Währungen zu manipulieren, um so Handelsvorteile zu erlangen. Unmittelbar vor dem Beginn der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington nannte Bundesbankvorstand Andreas Dombret in der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein solches Vorgehen „problematisch“.
Europa ist alarmiert. Die Weichwährungspolitik der anderen Staaten schadet dem Kontinent. Exporte aus Europa werden teurer. Die Importe hingegen verbilligen sich und machen so der einheimischen Erzeugung Konkurrenz. Man müsse schnellstmöglich über die "Zukunft einer Währungsordnung mit realen Wechselkursen" reden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag auf dem Asien-Europa-Gipfel in Brüssel. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will seine am 12. November beginnende Präsidentschaft der G20, der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, dazu nutzen, den Grundstein für eine "neue Währungsordnung" zu legen.
Europa mit seiner traditionellen Geldpolitik, die auf geringe Inflation, stabile Wechselkurse und eine nur mäßige Ausweitung der Geldmenge setzt, wirkt wie der Verlierer im weltweiten "Krieg der Währungen", wie sich Brasiliens Präsident Lula da Silva dieser Tage ausdrückte. Während die wichtigsten Handelspartner ihre Währungen abwerten, üben sich Europa und die Europäische Zentralbank in ordnungspolitischer Zurückhaltung. Devisenmarktinterventionen sind auf dem europäischen Kontinent verpönt. Abwertung gilt als Zeichen von Schwäche.
Anders in Japan. Als der Yen im September auf den höchsten Stand seit 15 Jahren stieg, riss der japanischen Regierung der Geduldsfaden: Erstmals seit Jahren beauftragte sie wieder die Notenbank, am Devisenmarkt zu intervenieren und Dollar zu kaufen. Erst am Dienstag entschied sich die Notenbank, die Geldpolitik weiter zu lockern.
Amerika ist ebenfalls alles recht, Hauptsache, es bringt die heimische Wirtschaft wieder in Schwung. "Die USA drucken immer mehr Geld. Man will sich über die Schwächung der Währung Schub von außen borgen", sagt Hans-Günther Redeker, Währungsexperte von BNP Paribas.
Auch China stellt sich taub. Der westlichen Forderung nach spürbarer Aufwertung des Yuans kommt Peking bisher nicht nach.
Angela Merkel nutzte den gestrigen Besuch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao für deutliche Worte. Beim Abendessen auf Schloss Meseberg machte sie klar: Europa wünsche sich eine "geregelte und umfassende Aufwertung" des Yuans. Mit künstlichen Devisenmarkt-Eingriffen müsse jedenfalls bald Schluss sein. Der Chinese lächelte höflich.
währungen indes werden nicht manipuliert sondern gesteuert.
Unser Finanz- und Wirtschaftssystem ist auf dem besten Wege an seinem eigenem Erfolg zu ersticken. Gut so ! Wer immer noch nicht kapiert hat, dass auf unserem Planeten kein grenzenloses Wachstum moeglich ist, dem ist nicht zu helfen. Wenn wir meinen, uns ungestraft jeden Tag unsinnigem Konsum hingeben zu duerfen, ohne dafuer die entsprechde reale Leistung zu erbringen, dann duerfen wir uns auch nicht wundern, dass dieses Maerchen eines (wie ich glaube) nicht allzufernen Tages mit einem riesen Rumms zu Ende ist. Die Vorboten sind fuer den, welcher sehen will, nicht mehr zu ignorieren. Die Manipulation der Waehrungen ist nur eine weiterer Prelude zu dem was uns bevorsteht.
China, vertreten durch den Ministerpräsidenten macht das alles schon ziemlich ok.
und der yuan, um den geht es nicht und ging es nicht, wie ich das verstanden habe
14 Kommentare
Alle Kommentare lesen