Geldpolitik
EZB-Direktor sieht Zinswende näher kommen

Noch sei es zwar zu früh, über ein Ende der lockeren Geldpolitik zu sprechen, so EZB-Direktor Yves Mersch. Doch der Zeitpunkt rücke näher, an dem über eine Änderung der Strategie gesprochen werden könne.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank steuert laut EZB-Direktor Yves Mersch langsam auf eine Abkehr von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik zu. „Wir sind wahrscheinlich nicht mehr weit von dem Zeitpunkt entfernt, an dem wir eine solche Aussage machen können“, sagte Mersch am Donnerstag in Frankfurt.

Auf der nächsten Ratssitzung der Notenbank werde besprochen, ob ein langsames Zurückfahren der vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe angebracht sei. Im Augenblick sei dies aber aus seiner Sicht „in Anbetracht der Fragilität des europäischen Wachstumspfades noch leicht verfrüht“. Man könne sehr großen Schaden anrichten, wenn man zu rasch zu stark reagiere.

Zuletzt hat der Druck auf die Notenbank etwas nachgelassen, immer größere Geschütze aufzufahren, um für mehr Inflation im Währungsraum zu sorgen. Die EZB hält die Leitzinsen seit längerem auf einem Rekordtief von null Prozent. Zudem erwirbt sie seit März 2015 Staatsanleihen der Euro-Länder. Das Kaufprogramm ist auf 1,74 Billionen Euro angelegt und soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen. Zuletzt nahm die Teuerung dank im Jahresvergleich wieder steigender Ölpreise leicht zu. Waren und Dienstleistungen kosteten im Oktober durchschnittlich 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch im September waren es nur 0,4 Prozent. Die EZB strebt aber eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an.

„Wie Sie gesehen haben, hat sich auch die amerikanische Zentralbank sehr behutsam an eine Normalisierung herangetastet“, erläuterte Mersch. Die EZB werde dies ebenfalls mit der gebotenen Behutsamkeit tun. „Und deshalb möchte ich keine exzessiven Erwartungen schüren in Anbetracht unserer nächsten Sitzung.“ Der EZB-Rat trifft sich am 8. Dezember zu seiner letzten geldpolitische Tagung in diesem Jahr. Die Diskussion über die Programme könne sich aber auch über mehrere Sitzungen erstrecken, so Mersch.

Der Luxemburger betonte zugleich, dass die billionenschweren Anleihenkäufe nicht von Dauer seien. „Sie sind als temporäre Maßnahmen eingesetzt worden und müssen daher so bald wie möglich wieder zurückgefahren werden.“ Angesichts der Volumina werde dafür allerdings einige Zeit erforderlich sein. Die EZB und die nationalen Notenbanken hatten zuletzt pro Monat Wertpapiere im Volumen von 80 Milliarden Euro erworben.

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  • @Harald Trautmann
    Die erste Weltwirtschaftskrise haben die Menschen auch über sich ergehen lassen müssen. Was sollen die/wir denn sonst auch anderes machen. Außer etwas Gold und Immobilien für schlechte Zeiten zurücklegen.
    Und Wissen bzw. Netzwerke zu knüpfen. Eine Familie mit Kinder um sich haben.
    Mehr braucht man nicht. Dann kann die "Geld Krise" ruhig kommen.

  • „Eine Überschludung kann man jederzeit mit einer Geldentwertung halbieren oder auf Null setzen. Man fängt halt dann wieder von Null an.“

    Wenn es so leicht wäre, warum wird es dann jetzt nicht gemacht?
    Warum keine weltweiten Schuldenschnitte?
    Wohl wegen der negativen Auswirkungen und Folgen!

  • @ Marc
    Klar kann man das machen, nur machen das die Menschen nicht dauerhaft mit, wenn iher Geld immer weiter entwertet wird.
    Ich denke so um 2020 wird es soweit sein, dass auch bei uns das System kippt, vielleicht aber auch schon früher?!
    Zweitens wenn Geldschulden durch Inflationierung der Währung abgebaut werden, werden im Gegenzug natürlich auch die konträren Geldvermögen vernichtet.
    Ich glaube nicht, dass die Menschen das so langfristig akzeptieren werden, vor allem wenn es dabei um ihre soziale Absicherung geht, die dadurch vernichtet wird.

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