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Geringe Zinssenkung: Ökonomen kritisieren EZB

Europäische Top-Ökonomen drängen die Europäische Zentralbank (EZB), ihren Leitzins am Donnerstag stärker zu senken als sie offenbar beabsichtigt. Von den 15 Mitgliedern des EZB-Schattenrats sprechen sich 13 dafür aus, den Leitzins mindestens um einen halben Prozentpunkt zurückzunehmen.

Ökonomen werfen EZB-Chef Trichet eine zu zaghafte Zinspolitik vor. Quelle: dpa
Ökonomen werfen EZB-Chef Trichet eine zu zaghafte Zinspolitik vor. Quelle: dpa

FRANKFURT. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte nach der Zinssenkung Anfang April angedeutet, dass auf der nächsten Sitzung wieder nur eine kleine Zinssenkung (0,25 Prozentpunkte) auf dann ein Prozent zu erwarten sei. Am deutlichsten hatte Bundesbankpräsident Axel Weber ausgesprochen, dass ein Prozent die Untergrenze für den wichtigsten Leitzins der EZB sein sollte. Weber gehört dem 22-köpfigen EZB-Rat an.

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Außerhalb der EZB sehen die meisten Ökonomen das anders. Nur zwei der 15 Mitglieder des EZB-Schattenrats befürworten eine kleine Zinssenkung. Von den übrigen 13 halten etwa die Hälfte eine Zinssenkung um einen halben Punkt für angebracht, der Rest gar eine noch stärkere Senkung.

Der EZB-Schattenrat ist ein im Jahr 2002 mit Unterstützung des Handelsblatts gegründetes Expertengremium, dem renommierte europäische Volkswirte aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören.

"Mir leuchtet nicht ein, warum es eine solche Untergrenze geben sollte", sagte Erik Nielsen, Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs. "Irgendwie muss die Europäische Volkswirtschaft ganz einzigartig funktionieren, dass die Zinsen überall niedriger sein können, nur hier nicht", fügte er hinzu.

Dagegen findet Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, die Argumentation Webers überzeugend. Wenn der Leitzins, zu dem die Banken sich bei der EZB refinanzieren können, zu nahe gegen null gehe, dann schade das dem Geldmarkt. Die Banken hätten dann keinen Anreiz mehr, sich gegenseitig kurzfristige Mittel zu leihen. Die anderen Mitglieder des Schattenrats stimmen dem zwar teilweise zu, setzen aber die Prioritäten anders. "Es mag schon sein, dass der Geldmarkt zum Erliegen kommt und Geldmarktfonds ein Problem bekommen", räumte José Alzola ein, der für das Beratungsunternehmen The Observatory Group arbeitet. "Aber das ist ein zweitrangiges technisches Problem, dessen Bedeutung von der Notwendigkeit die Konjunktur wiederzubeleben weit in den Schatten gestellt wird." Er drückte damit die weit vorherrschende Meinung unter den Ökonomen aus.

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