Geschäftsklima
Deutsche Wirtschaft nimmt Grexit-Gefahr gelassen

Vertreter der deutschen Wirtschaft sehen der gestiegenen Grexit-Gefahr gelassen entgegen. Die DIHK versichert indes, die Geschäftskontakte nach Griechenland nicht abbrechen zu wollen. „Ein Chaos sieht anders aus.“
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BerlinDie deutsche Wirtschaft befürchtet keine Ansteckungsgefahr durch die Turbulenzen in Griechenland. „Der Grexit wäre ein riesiges Problem für die griechische Wirtschaft, die sehr stark von Importen abhängig ist“, sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, am Montag.

„Für die deutsche Industrie wären die unmittelbaren Folgen eines Austritts der Griechen aus der Währungszone aufgrund des vergleichsweise geringen Handelsvolumens beschränkt.“ Schwer zu kalkulieren seien allerdings die indirekten Folgen – etwa für die anderen Länder der Euro-Zone, die Finanzmärkte und die Konjunkturerwartungen in Europa.

Auch der Exportverband BGA sieht nach dem Scheitern der Schuldengespräche keinen Anlass zu großer Sorge. Die Kursabschläge an der Frankfurter Börse seien eher gering, sagte BGA-Präsident Anton Börner der Nachrichtenagentur Reuters. Er hätte Rückgänge bis zu 15 Prozent erwartet, anstatt des Verlusts beim Dax von rund drei Prozent am Vormittag. „Ein Chaos sieht anders aus.“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) macht sich dafür stark, die Kontakte zu Griechenland nicht abreißen zu lassen. „Im Moment helfen wir aus Deutschland heraus am ehesten, wenn wir versuchen, die Geschäftsbeziehungen zu griechischen Partnern aufrecht zu erhalten und auch weiterhin als Touristen nach Griechenland reisen“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Für die Menschen und Unternehmen in Griechenland beginne eine noch schwierigere Phase. „Gerade auch die Unternehmen werden unter den Einschränkungen des Kapitalverkehrs leiden“, sagte Schweitzer. „Ein normales wirtschaftliches Leben ist kaum möglich in dieser Phase der absoluten Unsicherheit.“ Eine neue Perspektive für das Land setze voraus, dass die politische Elite Griechenlands die zugeschlagene Tür in Richtung Europa bald wieder öffne.

Auch Ökonomen erwarten trotz der Krise keinen Konjunktureinbruch in der Bundesrepublik. „Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland, aber für Deutschland spielt das keine Rolle“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Nicht einmal ein Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin.“

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