Griechenland
„Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem“

Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel warnt vor dem Ende des Hilfsprogramms für Griechenland. Dass sich die Notenbanken des Euro-Systems an einem Schuldenschnitt beteiligen, schließt er kategorisch aus.
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DüsseldorfEine Aufkündigung des bestehenden Hilfsprogramms für Griechenland durch die neue Regierung in Athen hätte fatale Folgen für die griechischen Banken, warnt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel in einem Interview mit dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Sollte die Fortführung des Hilfsprogramms für Griechenland infrage stehen, könnte dies bereits die geldpolitische Refinanzierung gefährden“, sagte Nagel. „Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem. Die griechischen Banken würden dann ihren Zugang zu Zentralbankgeld verlieren.“ Dieser Zusammenhang werde nach seinem Eindruck unterschätzt.

Nagel schloss kategorisch aus, dass sich die Notenbanken des Euro-Systems mit den von ihnen gehaltenen griechischen Staatsanleihen an einem Schuldenschnitt beteiligen. „Selbst wenn es dazu käme, könnte das Euro-System dem nicht zustimmen. Ein Forderungsverzicht wäre monetäre Staatsfinanzierung und damit ein Bruch des EU-Vertrages“, sagte Nagel. Ähnlich hatte sich bereits EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré geäußert.

Drei Tage vor der Wahl in Griechenland hatte die EZB massive Anleihekäufe beschlossen. Über die zeitliche Nähe der Entscheidung zur Griechenland-Wahl sagte Nagel: „Die Notenbanken des Euro-Systems müssen sich im Grundsatz frei machen von politischen Ereignissen. Die Signalwirkung des Beschlusses – gerade zu diesem Zeitpunkt – sollte jedoch nicht politisch uminterpretiert werden und zu einer Verlangsamung der notwendigen Reformen führen.“

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Griechenland: „Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem“"

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  • Singen Sie nur weiter das "Hohe Lied" des Unternehmers und Ökonomen! Sie beschimpfen andere als "ökonomische Analphabeten" und "Deppen" und nach Ihren Kommentaren zu urteilen, müssten man annehmen, bei Ihnen handelt es sich um einen Nobelpreisträger für Ökonomie.
    "Ökonomischer Sachverstand", aber keine Manieren - so wie der überwiegende Teil der Unternehmer und Privatwirtschaft, die an einem Wohlstand für Alle nicht interessiert sind, sondern sich immer nur beklagen, daß ihre ach so effiziente Privatwirtschaft durch Vorgaben und Gesetze eingeengt wird.
    Aber offensichtlich ist die "effiziente" Privatwirtschaft nicht in der Lage, genügend Zwangsjacken für alle Dummschwätzer in diesem Land herzustellen.

  • Griechenland wird aufblühen? Aber eher so, wie schon Dr. Kohl sagte: "Blühende Landschaften entstehen"

    Da hat sich der nächste ökonomische Analphabet zu Wort gemeldet.
    In Ihrer Unwissenheit haben Sie sogar meine These bestätigt und ein glänzendes Beispiel gegeben, wie man mit einer zu starken Währung eine Wirtschaft ruiniert. Denn genau das wurde bei der Einführung der Mark in der DDR gemacht. Der Umrechnungskurs war viel zu hoch, die Personalkosten der vorhandenen Industrie explodierten und die Produkte waren nicht wettbewerbsfähig.
    Es spricht einiges dafür, daß westdeutsche Lobbyarbeit hinter diesem ökonomischen Wahnsinn steckte, denn es konnten dann sehr leicht die strauchelnden Betriebe aufgekauft werden.

    Danke, daß Sie dieses gute Beispiel erwähnt haben, wie mit einer zu starken Währung der Wirtschaft eines Landes endgültig das Genick gebrochen wurde.

  • Griechenland wird aufblühen? Aber eher so, wie schon Dr. Kohl sagte: "Blühende Landschaften entstehen" - (er hatte doch Recht: denn auch Disteln und Brennesseln blühen!)

    Das Problem ist doch mehr die Ineffizienz der griechischen Wirtschaft, sonst wären sie doch gar nicht dort angekommen, wo sie heute sind. Wo soll da plötzlich Wirtschaftlichkeit herkommen? Im Gegenteil: die Erfahrungen mit der Rückzahlungsbereitschaft sind prägend und Investitionen dort als extrem risikobehaftet angesehen.

    Staatsbankrott... Das ist anscheinend das Ziel der neuen Regierung. Dann kann man mal damit anfangen, der griechischen Armeeführung keinen Sold mehr auszuzahlen... Die klären das dann schon auf ihre Weise und werden als Junta dann automatisch aus der EU ausgeschlossen.

    Und damit wären alle Probleme geklärt!

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