Griechenland
Koste es, was es wolle

Die Europäische Zentralbank hält den Geldhahn für griechische Banken offen. Mindestens bis zum Monatsende wird die Notenbank die ELA-Notfallkredite gewähren. Und das vor allem aus einem Grund.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) wird Insidern zufolge griechischen Banken während der laufenden Schuldengespräche den Geldhahn voraussichtlich nicht zudrehen. Zumindest bis Monatsende würden die Notfall-Kredithilfen (ELA) für die Institute weiter verlängert, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Position hat sich damit trotz der verschärften Lage nach dem überraschenden Abschied des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus den Verhandlungen am Donnerstag nicht geändert. Über die Haltung der Notenbank hatte das Handelsblatt bereits Mitte Mai berichtet.

Die Chefs der Notenbanken der Eurozone bereiteten sich allerdings auch darauf vor, diese Hilfe zurückzunehmen, sollten alle Krisenverhandlungen scheitern. Als entscheidender Wendepunkt gilt für viele ein mögliches Abrutschen Griechenlands in die Staatspleite.

„Während die Verhandlungen noch mit Aussicht auf eine Einigung andauern, wäre es verrückt, wenn die EZB ELA kappen würde“, sagte ein Insider. Die griechische Regierung ringt seit Monaten mit ihren internationalen Geldgebern um eine Freigabe von rund 7,2 Milliarden Euro aus dem Ende Juni auslaufenden Hilfsprogramm.

Für die Versorgung mit frischem Geld sind die griechischen Banken in erheblichem Maße auf Notfall-Kredithilfen der Athener Notenbank angewiesen, über deren Genehmigung die EZB inzwischen wöchentlich entscheidet. Der Rahmen für diese Liquiditätsspritzen liegt mittlerweile bei 83 Milliarden Euro. Dreht die EZB diesen Geldhahn zu, würde die Kreditwirtschaft des Landes nach allgemeiner Einschätzung binnen kürzester Zeit zusammenbrechen. Die EZB darf ELA-Hilfen nur für solvente Geldhäuser genehmigen.

Ein weiterer Insider sagte, die EZB wolle die laufenden Verhandlungen nicht erschweren und vor allem auch nicht später als die Institution dastehen, die den Kollaps des Landes ausgelöst habe. Aber: „Falls Griechenland sich zahlungsunfähig erklärt, würde sich alles ändern.“ Es wäre für die EZB dann nur schwer möglich, eine Finanzierung von Banken über Sicherheiten eines zahlungsunfähigen Schuldners zu erlauben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: Koste es, was es wolle"

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  • @M. Zimmer
    [...]

    Griechenland bleibt im Euro und wird weiter alimentiert, finanziert, ausgehalten!
    Das geht so lange gut, bis es richtig anfängt zu knbirschen, dann aber ist nichtgs mehr
    zu retten.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was ich unternehme?

    Ich sitze auf einem Stuhl, und sehe ohnmächtig zu wie wie verkauft werden.

    Was für Möglichkeiten habe ich, um diesem Desaster ein Ende zu setzen?

    Nur das Kreuzchen beim Wahltag, nicht mehr als sie auch.

    Soll ich mit einer Kalaschnikow in den Bundestag gehn?

    Das wäre nur eine Fussnote in der Geschichte. Was ich hier mache, ist genau was sie auch machen....

    Meine Stimme zu gehör bringen.

  • @Herr Feuster, was unternehmen Sie denn?

    Oder gehören Sie auch nur zu denen, die von anderen erwarten ihre Kämpfe auszufechten?

    Ich gehe davon aus. dass Sie auf dem Sofa sitzen und im Netz surfen - ok, andere gehen arbeiten und schlafen

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