Griechenland-Krise Was für die EZB auf dem Spiel steht

Die Gläubiger verhandeln heute in Athen. Vor allem der IWF macht Druck. Was, wenn Griechenland noch in die Knie geht? Die Citibank hat die Pleite-Szenarien durchgerechnet. Die EZB würde ein Grexit besonders hart treffen.
10 Kommentare
Sie verhandeln weiter die Bedingungen für frische Hilfs-Milliarden: Griechenlands Premier Alexis Tsipras (l.) und EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: dpa
Griechenland-Krise

Sie verhandeln weiter die Bedingungen für frische Hilfs-Milliarden: Griechenlands Premier Alexis Tsipras (l.) und EZB-Präsident Mario Draghi.

(Foto: dpa)

New YorkJetzt geht es ans Eingemachte: Die Verhandlungen der griechischen Regierung mit ihren internationalen Gläubigern über ein neues Milliardenpaket haben am Freitag begonnen. Finanzminister Euklid Tsakalotos traf am Vormittag Vertreter von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Besonders der IWF hat noch einmal Schärfe in die Verhandlungen gebracht. Der Währungsfonds werde sich nicht an den Hilfen beteiligen, so lange Athen nicht eine vollständige Umsetzung der von den Gläubigern geforderten Reformen akzeptiert habe und die Europäer nicht in Erleichterungen beim griechischen Schuldendienst eingewilligt hätten, sagte ein hochrangiger IWF-Vertreter am Donnerstag. Es müssten „auf beiden Seiten schwierige Entscheidungen getroffen werden“ – auf griechischer Seite „im Hinblick auf Reformen“ und bei den europäischen Partnern Athens bezüglich eines „Schuldennachlasses“.

Die Entscheidung könnte noch mehrere Monate auf sich warten lassen und eventuell auch erst im kommenden Jahr gefällt werden. Dabei drängt die Zeit: Der Rettungsschirm muss eigentlich bis zum 20. August stehen. Denn dann ist eine griechische Rückzahlung an die EZB über mehr als drei Milliarden Euro fällig. Kann Athen dann nicht zahlen, ist der griechische Staat bankrott.

Was für die Europäische Zentralbank auf dem Spiel steht, wenn es knallt und Griechenland in die Knie geht, hat nun Willem Buiter, der renommierte Chefvolkswirt der Citibank, mit seinem Team gerechnet. Das Ergebnis: Ein Grexit, der Austritt aus der Währungszone, könnte die EZB bis zu 185 Milliarden Euro kosten.

Mit „EZB“ ist hier das gesamte System der Notenbanken in den Euro-Ländern gemeint. Die Hauptlast hätten die nationalen Notenbanken, also auch die Deutsche Bundesbank, entsprechend ihrem Anteil am Kapital der EZB zu tragen. Der Anteil der Bundesbank liegt bei gut einem Viertel des Kapitals, ihren Anteil am Verlust beziffern die Experten mit 48,7 Milliarden Euro. Ein wichtiger Punkt ist, dass bei einem Grexit auch die Target-2-Schulden, der negative Verrechnungssaldo der griechischen Notenbank, verloren wäre. Bei der Analyse der Citi wird er mit 108 Milliarden Euro angesetzt.

Im Target-System werden die Kapitalbewegungen der Euro-Zone gemessen. Es funktioniert praktisch wie ein automatischer Kredit, den sich die Notenbanken untereinander gewähren. Überweist zum Beispiel ein Kunde Geld an seinen Lieferanten aus einem anderen Euro-Land, so hat die Notenbank aus dem Land des Lieferanten eine Target-Forderung. Nationale Zentralbanken mit negativem Target-Saldo haben Verbindlichkeiten gegenüber dem Euro-System. Aktuell liegt das Target-Defizit der griechischen Notenbank bei 98,8 Milliarden Euro.

Weitere Verbindlichkeiten können entstehen, wenn zum Beispiel eine Notenbank des Eurosystems überproportional viele neue Banknoten druckt. Berücksichtigt man auch dieses Verbindlichkeiten, so steht die griechische Notenbank je nach Berechnung mit 108 bis 115 Milliarden Euro gegenüber dem Euro-System in der Kreide.

Wer trägt die möglichen Verluste?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

10 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Was für die EZB auf dem Spiel steht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist nur noch beschämend, welcher Irrationalität sich die Politik im Fall Griechenlands unterwirft. Alle haben sie weiteren Hilfen Griechenlands zugestimmt, obwohl die Geschichte lehrt, dass eine Währungsunion noch nie Bestand hatte, schon gar nicht mit Griechenland, das mE schon kriminell einen Erpressungsversuch nach dem anderen startet. Die Politik hat vor einem Grexit mehr Angst, als vor dem Desaster, das sie schon angerichtet hat. Dabei dürfte klar sein, dass die Schulden Griechenlands permanent weiter steigen werden und mit jedem Tag wird Griechenland für die Euro-Zone zur noch größeren Belastung. Wie lange soll dieses Affentheater noch weiter gehen?

  • Die Szene auf dem Foto oben, wo der TsiPRASS die beiden Hände so krallenhaft auf Brusthöhe darstellt, ist genau die Haltung, mit der fast alles Meditterane in den Sarg gebettet werden!

  • Geld immer groß schreiben Blödi, ansonsten hätte ich noch eine Unterhose für Ihr Baumwollgeld aus Amerika.

  • Naja geld wird auf Baumwolle gedruckt ... Heini Blödi !!! :-O)

  • Was für die EZB auf dem Spiel steht"
    Im Zweifel ein paar Tonnen Papier.

  • "Billig" ist weder das eine noch das andere, also Grexit mit Schuldenschnitt oder Schuldenschnitt im Eurosystem, ganz gleich ob klassischer Schuldenschnitt, den Merkel ausschließt oder ewige Anleihen ohne Zins und Tilgung.

    Die sog.Reformen wird Tsipras parlamentarisch wohl durchziehen können, ob sie realistischerweise "wirken" weiß kein Mensch.

    Was wohl nicht widerlegt werden kann,ist die Annahme, dass Griechenland im Eurosystem auch mit Schuldenschnitt nicht wettbewerbsfähig ist und seine Misere innerhalb dieser Währung nicht zu beheben ist und ein Transferfall mit unbestimmter Dauer sein wird.

  • Es ist faszinierend, dass auch Medien mit wirtschaftlicher Kompetenz ständig Fehlinformationen über die Griechenland - Krise verbreiten. Damit der Leser das nicht nachvollziehen kann, werden regelmäßig nur Zahlenbruckstücke geliefert. Eine nachvollziehbare Aufstellung der Staatsschulden, der Target2 Salen und der ELA-Kredite habe ich bisher noch in keiner deutschen Zeitung gefunden. Insbesondere die ELA (Emergency Liquidity Assistance) Darlehn der EZB an Griechenland in Höhe von knapp 100 Milliarden lässt man gerne unter den Tisch fallen. Summiert man alles hübsch auf und bezieht man das dritte Rettungspaket mit ein, so ergibt sich ein hübsches Sümmchen von mehr als 500 Milliarden. Ist das dann auch noch "peanuts"?

  • http://dealbreaker.com/uploads/2013/09/lloyd1.jpg


  • Da der EURO eine reine "Unterdrücker-Währung" ist - wird Griechenland um jeden presi im EURO gehalten von Merkel und Draghi.

    Es geht um nichts weniger als um die Eroberung der Souveränität Griechenlands zu Gunsten don Draghi und Goldman Sachs. Genau wie in der Ukraine.

  • Der Grexit wird auf jeden Fall kommen. Wenn nicht jetzt, dann später. Die strukturellen Unterschiede sind einfach zu groß für eine gemeinsame Währung. Die riesigen TARGET-Kredite (Überziehungskredite) hätten nie entstehen dürfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%