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Griechenland-Panik: Was bleibt vom Euro?

Schwarzer Tag für Europas Währung: In Griechenland brach Panik aus, in Frankfurt stürzten die Aktien ab, der Euro steuerte zunächst in Richtung Tiefststand. Unter Geldexperten flammen erneut Inflationsängste auf. Denn: In der Geschichte folgte auf hohe Staatsverschuldung noch immer eine Phase beschleunigter Geldentwertung.

Eine EU-Flagge vor der Akropolis in Athen. Der erneute Einbruch griechischer Anleihen belastete gestern die Notierungen an allen europäischen Märkten. Quelle: ap
Eine EU-Flagge vor der Akropolis in Athen. Der erneute Einbruch griechischer Anleihen belastete gestern die Notierungen an allen europäischen Märkten. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Wenn die Katastrophe naht, verlieren die Experten zuerst ihre Expertensprache. Sie passt dann nicht mehr. Sie ist zu kühl, um ihre Gefühle auszudrücken. Gestern war so ein Tag.

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"Das ganze trägt Züge von Panik", entfuhr es David Schnautz, Zinsstratege der Commerzbank. Die Bankaktien waren gerade abgeschmiert, der Euro trudelte seinem Tiefststand der zurückliegenden Wochen entgegen. Die Unsicherheit, ob sich Griechenland noch aus eigener Kraft an den Märkten refinanzieren kann, löste allgemeines Entsetzen aus.

Die Börse in Athen stand kräftig unter Druck und verlor gestern zeitweise mehr als fünf Prozent - der größte Tagesverlust seit vier Monaten. Der Euro rutschte zeitweise ab auf 1,33 Dollar. Die Ratingagentur Fitch kommentierte in seltener Deutlichkeit: "Die griechische Regierung sollte sich jetzt offiziell an die EU-Länder und den IWF wenden und um Bargeld und Unterstützung bitten. Das duldet keinen Aufschub mehr."

Von einem "Ausverkauf" sprachen Händler bei griechischen Bankenaktien: Die Kurse der National Bank of Greece und der Alpha Bank brachen zeitweilig sieben Prozent ein, die EFG Eurobank verlor sogar fast zehn Prozent. An den anderen Börsen verhagelte die Krise um Griechenland den Investoren nicht ganz so massiv die Kauflaune, die meisten europäischen Indizes verloren knapp ein Prozent.

"Fundamental ist das nicht mehr wirklich nachzuvollziehen, deshalb riecht das Ganze nach Panik", sagte auch Kornelius Purps, Zinsstratege bei Unicredit. David Schnautz von der Commerzbank stöhnte auf: "Niemand sollte in ein fallendes Messer greifen."

Die Renditen griechischer Anleihen stiegen gestern für zweijährige Papiere um einen ganzen Prozentpunkt auf 7,5 Prozent und warfen damit mehr Rendite ab als Langläufer. Ein klassisches Zeichen für ein erhöhtes Ausfallrisiko. Dabei waren sinkende Zinskosten für Griechenland das Ziel der EU-Länder und des Internationalen Währungsfonds, als sie sich vor drei Wochen auf ein gemeinsames Hilfspaket für Griechenland einigten. Die Politik, auch das wurde gestern deutlich, hat ihr Ziel nicht erreicht.

Die Zeit läuft Griechenland davon: Bis Ende Mai braucht Finanzminister Giorgos Papakonstantinou noch fast zwölf Mrd. Euro von internationalen Investoren - oder von EU und IWF.

Das war die Kulisse, vor der um 14 Uhr EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor die Öffentlichkeit trat. Die EZB vollziehe keinen Wechsel in ihrer Politik, erklärt er mit Blick auf die neuen Kreditvorgaben für Staaten wie das abgewirtschaftete Griechenland. "Nein, das ist kein Wandel", sagte er noch. Er hatte soeben eine Ausnahmeregel, die er eigentlich beenden wollte, verlängert. Griechenland bekommt weiter hochriskante Anleihen als Beleihungsgrundlage anerkannt. Die EZB drückt beide Augen zu, womöglich zulasten der Stabilität des Euros.

Was auf den ersten Blick wie trockene geldpolitische Kost anmutet, ist bei näherem Hinsehen ein Sprengsatz für die Stabilität der europäischen Währung. Tatsächlich hat Trichet etwas gemacht, was die Märkte bei Zentralbankpräsidenten fürchten wie der Teufel das Weihwasser: Er hat seine Meinung unter politischem Druck geändert.

Plötzlich tauchen Fragen auf, die zumindest in Deutschland traumatische Erinnerungen wachrufen. Was bleibt vom harten Euro übrig, wenn die Notenbank sich politischem Druck beugt? Folgt der Schuldenkrise, die alle westlichen Staaten plagt, bald schon die Geldentwertung?

  • 10.04.2010, 15:35 UhrAnonymer Benutzer: fat_bob_ger

    Dem Artikel kann ich nur zustimmen und der Euro hat sich am Freitag, wie durch Wunderhand oder durch einen Zauberteppich der EZb und anderen Zentralbanken von seinem Tief erholt. Neues Ungemach droht, wenn die Anleger mehr Zinsen für ihre Anlagen zu fordern beginnen. Die Rohstoffpreise steigen, obwohl die physische Nachfrage sich mäßig entwickelt. Schuld sind die bösen, bösen Spekulanten, die z. b. das Öl angeblich 30 Dollar über seinen realen Wert getrieben haben. Zum Glück bereitet uns unser bundespräsident auf höhere benzinpreise vor (ökologisch?! oder ökon.. bedingt). Wegen der hohen belastungen durch Abschreibungen im bankensektor wird man versuchen die offizielle Pleite Griechenlands zu verhindern. bei der HRE leiden einige Assetmanager schon wieder unter Schlafstörungen. ich empfehle Valium oder einfach Skifahren in Garmisch auf der Zugspitze hoch über den Niederungen des ...

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