Größeres Ausfuhrplus
Deutsche Exporteure bleiben auf Rekordkurs

Der „China-Effekt“ bleibt erst mal aus: Die deutschen Exporteure können ihre Ausfuhren trotz der Turbulenzen im Land der Mitte deutlich steigern. Auch die Importe legen stark zu. Es könnte neue Rekorde regnen.

Wiesbaden/BerlinDie deutschen Exporteure sind mit einem unerwartet starken Umsatzplus ins zweite Halbjahr gestartet. Die Ausfuhren stiegen im Juli zum Vormonat um 2,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen exportierten die Firmen so viel wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1991.

Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 107,1 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 6,2 Prozent mehr als im Juli 2014. Dafür sorgte vor allem die starke Nachfrage aus Ländern außerhalb der EU - also etwa der Handel mit den USA oder Schwellenländern wie China. Hier gab es ein Anstieg von 6,4 Prozent.

„Das sind solide Daten. Der China-Effekt scheint nicht so groß zu sein“, sagte Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB. „Das gute Geschäft mit den wichtigen Absatzmärkten USA, Großbritannien und dem gesamten Euro-Raum kann die Schwäche der Schwellenländer und vor allem Chinas mehr als ausgleichen.“ Und Stefan Schilbe kommentierte: „Das sind überraschend gute Zahlen. Der Beginn in die zweite Jahreshälfte sieht ausgezeichnet aus.“

Der Ökonom sieht aber auch eine Menge Fragezeichen für die Zukunft. „Im August begannen die Turbulenzen für viele Währungen in den Schwellenländern und an den Börsen in China.“, so Schilbe. „In dem Tempo wird es für die deutschen Exporte daher nicht weiter gehen. Darauf deuten beispielsweise die Frühindikatoren hin. Der Exportsektor wird in den kommenden Monaten schlechter laufen.“

Die Importe kletterten im Juli um 2,2 Prozent zum Vormonat, nachdem sie im Juni leicht gesunken waren. Ökonomen hatten einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet. Die um Saison- und Kalendereffekte bereinigte Handelsbilanz - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - wies ein Plus von 22,8 Milliarden Euro aus.

„Die anziehenden Importe sprechen dafür, dass die Binnennachfrage weiter sehr gut ist“, sagte Kipar von der BayernLB. „Im Sommerquartal dürften sowohl vom Außenhandel als auch von der Inlandskonjunktur Impulse kommen. Wir rechnen für das dritte Quartal mit einem Wirtschaftswachstum von rund einem halben Prozent.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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