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Hartz-IV-System: Nur wenige Vollzeitkräfte brauchen Hartz IV

Die Zahl sogenannter Aufstocker im Hartz-IV-System nimmt zu – sie liefert aber keinen greifbaren Hinweis darauf, dass es in Deutschland immer mehr „arbeitende Arme“ gibt. Dies zeigt eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Allerdings arbeitet ein hoher Teil der Hartz-IV-Bezieher für sehr wenig Geld.

von Dietrich Creutzburg und Olaf Storbeck
Hartz IV unter der Lupe. Weniger als jeder dritte Bezieher von Unterstützungszahlungen hat eine Vollzeitstelle. Foto: ap Quelle: ap
Hartz IV unter der Lupe. Weniger als jeder dritte Bezieher von Unterstützungszahlungen hat eine Vollzeitstelle. Foto: ap Quelle: ap

BERLIN. Zwar bekommen fast die Hälfte aller erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher Unterstützungszahlungen, obwohl sie zugleich eine Arbeit haben. Doch nur ein kleiner Teil dieser insgesamt 1,3 Millionen Aufstocker gehört laut IAB dauerhaft zu den „Working Poor“, die trotz Vollzeitjob weniger als das Existenzminimum verdienen.

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Tatsächlich hat weniger als jeder dritte Aufstocker eine Vollzeitstelle. Alle anderen gehen Mini- oder Midi-Jobs nach, arbeiten in Teilzeit oder sind in Ausbildung. Anders als Vollzeitjobs können diese Arten von Beschäftigung praktisch bereits per Definition nicht gewährleisten, dass sie den Lebensunterhalt sichern. Die Aufstockerzahlen hatten etwa in der Debatte über Mindestlöhne eine zentrale Rolle gespielt.

Ein weiterer Befund kommt nun noch hinzu: Selbst die große Mehrheit der Aufstocker, die tatsächlich eine Vollzeitstelle haben, benötigen die ergänzende Hartz-IV-Leistung gerade nicht längerfristig, sondern nur für einen kurzen Zeitraum. Mehr als 40 Prozent sind sogar nur für einen Monat lang Aufstocker, nachdem sie eine Vollzeitstelle angetreten haben, fand das bei der Bundesagentur für Arbeit angesiedelte Institut heraus. „Die Leistung wird so lange weiterbezahlt, bis das erste Gehalt beim Empfänger ist“, erklärt IAB-Forscher Helmut Rudolph. Nach sechs Monaten sind fast 80 Prozent aller Hartz-IV-Aufstocker mit Vollzeitjob nicht mehr auf zusätzliche Hilfe vom Staat angewiesen.

Auch unter den Mini-Jobbern und Teilzeitbeschäftigten, die zusätzlich Hartz IV beziehen, ist die Fluktuation groß, zeigt die IAB-Studie. So gab es 2007 im Jahresmittel mehr als 1,2 Millionen Aufstocker – nur 464 000, gut ein Drittel, erhielten die Leistungen aber das ganze Jahr über. Alle anderen waren nur zeitweilig darauf angewiesen. Noch klarer zeigt sich das Kommen und Gehen im längerfristigen Vergleich: In den Jahren 2005 bis 2007 bekamen insgesamt 3,8 Millionen unterschiedliche Personen irgendwann einmal Aufstockung – aber nur 114 000 davon durchgehend.

Die IAB-Untersuchung zeigt allerdings auch, dass ein hoher Anteil der Hartz-IV-Bezieher für sehr wenig Geld arbeitet. Der durchschnittliche Stundenlohn der Aufstocker liegt im Westen bei sieben und im Osten bei sechs Euro. Eine beträchtliche Gruppe hat sogar noch weniger: Im Westen verdienen fast 30 Prozent der Aufstocker unter fünf Euro pro Stunde, im Osten sind es sogar fast 40 Prozent.

Nach geltendem Recht haben sie zusammen mit Hartz IV dann zwar meist etwas mehr Geld, als wenn sie nicht arbeiten würden. Es deutet jedoch auch darauf hin, dass Arbeit für viele Menschen ein Wert an sich ist – und nicht nur allein Mittel, um Einkommen zu erzielen.

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