Haushaltsplan für 2007/08: Inflation in Indien ufert aus

Haushaltsplan für 2007/08
Inflation in Indien ufert aus

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen versucht Indiens linkslastige Regierung, das Rekordwachstum zu halten und gleichzeitig die Inflation zu zähmen. Darüber hinaus sieht der Haushaltsplan für das Jahr 2007/08, den Finanzminister Palaniappan Chidambaram am Mittwoch vorlegte, Umschichtung zu Gunsten der armen Landbevölkerung vor.

DELHI. „Unsere Wirtschaft ist stärker als je zuvor“, sagte Chidambaram mit Blick auf eine Wachstumsrate von 9,2 Prozent im Ende März ablaufenden Etatjahr und neun Prozent im Jahr zuvor. Der Finanzminister kündigte eine massive Erhöhung der Staatsausgaben an, um jenen 260 Millionen Indern zu helfen, die trotz des Booms in bitterem Elend leben. Damit werden die kräftig sprudelnden Steuereinnahmen vor allem für Sozialprogramme und den Ausbau der Infrastruktur genutzt, und nicht – wie von den Unternehmern erhofft – für Abgabensenkungen. So sollen etwa die Ausgaben für Bildung um ein Drittel steigen, für Gesundheit gibt es ein Fünftel und für Straßen, Häfen und Kraftwerke mit insgesamt 30 Mrd. Dollar sogar 40 Prozent mehr Geld.

Manche Analysten fürchten, der Geldsegen könnte Öl in ein Inflationsfeuer gießen und die Zentralbank zu weiteren Zinserhöhungen ermutigen. Mit zuletzt 6,7 Prozent nimmt die Teuerung politisch gefährliche Ausmaße an. Die Preise von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Reis und Kartoffeln steigen noch stärker.

Auch deshalb bekam die Koalition unter Regie der Kongresspartei diese Woche den Zorn der kleinen Leute zu spüren: In zwei Bundesstaaten verlor sie Regionalwahlen. Weil im April noch wichtigere Urnengänge anstehen, die als Stimmungsbarometer vor den Parlamentswahlen Anfang 2009 gelten, nimmt die Inflationsbekämpfung auch im Haushalt eine Schlüsselstellung ein: Um den Preisauftrieb kurzfristig zu dämpfen, sinken die Importzölle deutlich. Zuvor waren bereits Subventionen für Benzin und Diesel angehoben worden. Längerfristig soll der Zinsdruck sinken, indem das Defizit der Zentralregierung dieses Jahr von zuletzt 3,7 auf 3,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) fällt. Das gesamtstaatliche Defizit sinkt von zehn Prozent im Jahr 2002 auf rund sechs Prozent.

Kritiker bemängeln, der Finanzminister gebe linkem Umverteilungsdruck nach, wenn er wie geplant die Dividendensteuer heraufsetze und Befreiungen für Branchen wie den Software-Sektor kappe. Für Dinesh Thakkar, Chef von Angel Broking, ist das Budget indes „realistisch, pragmatisch und sozial ausgeglichen“. Es halte die Balance zwischen politischen Sachzwängen, Inflationsbekämpfung und dem Ziel, Indiens Wachstumsrate dauerhaft auf neun Prozent zu hieven.

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