ifo-Geschäftsklima-Index steigt
Das unkalkulierbare Risiko

Der Ifo-Geschäftsklima-Index legt zu, die Stimmung der deutschen Wirtschaft steigt. Drei Dinge machen den Unternehmen gute Laune: der Ölpreis, die Zinsen und der Euro-Kurs. Doch eine Sache bleibt unkalkulierbar.

MünchenDie deutsche Wirtschaft ist immer für eine Überraschung gut. Entgegen aller Prognose stieg das Ifo-Geschäftsklima leicht um 0,1 auf 108,5 Punkte. Verantwortlich für den Anstieg war eine Verbesserung der Geschäftserwartungen (+1,1 auf 103,3 Punkte), die den Rückgang der aktuellen Geschäftslage (-0,8 auf 114,0 Punkte) überkompensiert hat. Sorgen vor der Zinswende in den USA, der schwächeren Konjunktur in China und dem anhaltenden Rückgang der Börsenkurse scheint die Mehrzahl der Firmen nicht zu haben – und das zu Recht.

Es sind vor allem drei Faktoren, die den aktuellen Aufschwung weiter befeuern werden: der Ölpreis, die Zinsen und der Euro-Kurs. Ein Fass Öl kostet heute in Dollar gerechnet nur etwa halb so viel wie vor einem Jahr. Das entlastet viele Unternehmen. Die Kosten für Vorprodukte, allen voran für Benzin, Treibstoffe, Chemikalien und Kunststoffe, sinken massiv. Gleichzeitig sparen die Verbraucher viel Geld an der Tankstelle, das sie für andere Konsumgüter verwenden können. Der private Verbrauch wird auch in den kommenden Jahren ein wichtiges Standbein des Aufschwungs sein.

Zudem sind viele deutsche Firmen sind Weltmarktführer; ihre Produkte werden keineswegs nur von Chinesen gekauft. Der wichtigste Kunde von Made in Germany sind die USA. Und die US-Konjunktur brummt. Ein Prozent mehr Wachstum in den USA kann ein etwas geringeres Wachstum in China aus Sicht der deutschen Wirtschaft womöglich mehr als kompensieren – wäre da nicht der VW-Skandal.

Ob und welche Langzeitfolgen die manipulierten Schadstoffwerte des deutschen Autobauers für das Image von deutscher Wertabhaben, ist derzeit unkalkulierbar. Das denkbare Spektrum der Folgen für die deutsche Konjunktur ist vielfältig: Es reicht von den unmittelbaren Einbußen im Exportgeschäft der Automobilindustrie über die Ausstrahleffekte auf andere Branchen bis hin zu einem Imageschaden für Produkte „Made in Germany“. Die Deka-Bank schätzt, dass einen Rückgang der Exporte der deutschen Automobilindustrie in die USA um 20 Prozent Deutschland etwa 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten könnte.

Dem entgegen wirkt das zusätzliche Wachstum, das durch die Vielzahl von Flüchtlingen generiert wird. Allein die Tatsache, dass sie versorgt und untergebracht werden müssen, erhöht die Wirtschaftsleistung hierzulande, sofern das – meist vom Staat aufgebrachte – Geld nicht an anderer Stelle eingespart wird. Unterstellt man für 2016 eine Million Flüchtlinge, die im Schnitt ein halbes Jahr bleiben und deren Versorgung 1000 Euro pro Kopf und Monat kosten, kommt man auf ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) von sechs Milliarden Euro. Das entspricht 0,2 Prozent des BIP.

Entscheidend für den weiteren Konjunkturverlauf ist, dass die insgesamt gute Stimmung bei Verbrauchern und Wirtschaft anhält. Trotz vieler Unwägbarkeiten scheint die Konjunkturprognose von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) von 1,8 Prozent für 2016 auf recht stabilem Fundament zu stehen. Grund für eine nennenswerte Revision im kommenden Monat besteht nicht.

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