_

Ifo-Geschäftsklimaindex: Deutsche Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Januar zum dritten Mal in Folge verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg unerwartet stark auf 108,3 Punkte.

Autoproduktion in Köln: Wirtschaft startet mit Elan ins Jahr. Quelle: dpa
Autoproduktion in Köln: Wirtschaft startet mit Elan ins Jahr. Quelle: dpa

MünchenTrotz Schuldenkrise und gedämpfter Erwartungen an die Weltkonjunktur hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft erneut verbessert. Im Januar stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex von 107,2 Punkten im Dezember auf 108,3 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Es war bereits der dritte Anstieg in Folge. Experten hatten zwar mit einer Verbesserung gerechnet, aber nur einen Punktestand von 107,6 vorhergesagt.

Anzeige

Nach einer deutlichen Abkühlung im vergangenen Herbst erreichte der Ifo-Geschäftsklimaindex seinen Tiefpunkt bei 106,5 Punkten im Oktober. Seitdem geht es wieder bergauf. „Die deutsche Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Industrie schätze Lage und Perspektiven deutlich günstiger ein als zuvor.

Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7.000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten.

Handelsblog Ifo-Index bestätigt Optimisten

Ein weiteres Mal hat der Ifo-Index positiv überrascht. Das macht Mut. Die Konjunktur entwickelt sich besser als viele befürchtet hatten.

Handelsblog: Ifo-Index bestätigt Optimisten

Die Firmenchefs blicken optimistisch auf die kommenden sechs Monate. Das Barometer für die Geschäftsaussichten legte überraschend stark um 2,3 auf 100,9 Zähler zu. Der Index für die Geschäftslage fiel dagegen leicht auf 116,3 von 116,7 Punkten. In der Industrie verbesserte sich die Stimmung besonders stark, ebenso in der Baubranche und bei den Dienstleistern. Im Groß- und Einzelhandel ließ sie dagegen etwas nach.

„Es gibt keine Anzeichen, dass wir in eine Rezession rutschen, die auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen könnte“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Analysten sehen das ähnlich. „Die Konjunktur am Horizont hellt sich wieder auf“, sagte UniCredit-Experte Andreas Rees. „Es gibt einigen Grund zum Optimismus.“

Prognosen im Überblick So wird die deutsche Konjunktur 2012

  • Prognosen im Überblick: So wird die deutsche Konjunktur 2012
  • Prognosen im Überblick: So wird die deutsche Konjunktur 2012
  • Prognosen im Überblick: So wird die deutsche Konjunktur 2012
  • Prognosen im Überblick: So wird die deutsche Konjunktur 2012

Besonders die Exporteure sind wieder zuversichtlicher. „Die Stimmung ist nicht euphorisch, aber im Export haben wir den Boden gefunden“, sagte Abberger. Dabei helfe der schwächere Euro-Kurs. Ganz aus dem Schneider sei die deutsche Wirtschaft aber noch nicht. „Das Thema Schuldenkrise ist noch ganz wichtig, die kann die Konjunktur noch beschädigen“, sagte der Ifo-Experte.

Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer. Es sagt die Entwicklung der kommenden Monate zuverlässig vorher. Die Bundesbank rechnet wegen der befürchteten Winterflaute für dieses Jahr mit einem Mini-Wachstum von 0,6 Prozent. Es soll sich 2013 auf 1,8 Prozent verdreifachen soll. Im abgelaufenen Jahr hatte es noch ein Plus von drei Prozent gegeben.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten "gut" und "schlecht".

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

  • 26.01.2012, 09:42 UhrToronto

    Heute liest hie keiner mehr mit, da die meldung von gestern" ist.
    Aber erwähnen möchte ich noch, dass die AKTUELLE BEURTEILUNG DER LAGE, also NICHT die Zukunftsaussichen, im Oktober 2010 das letzte mal UNTER dem aktuellen Wert lagen, seither waren sie immer höher als derzeit.

    Welche Aussagekraft das hat, soll jeder für sich selber ergründen.
    Damit hat User @Realist schon recht, dass die Zukunftserwartungen über Gebühr hoch eingepreist werden.

    Schade, dass das hier heute wohl kaum noch wer liest....

  • 25.01.2012, 16:44 UhrRealist

    Noch ein Beispiel, weil es so schön ist:

    Prognose zur zukünftigen Bindung von Heidi Klumm.

    Zur Voraussage, DASS sie wieder eine Beziehung haben wird, wäre ein Koeffizient von 0,7 äußerst schwach.

    Zur Voraussage, mit WEM sie eine Beziehung eingehen wird, wäre ein Koeffizient von 0,7 allenfalls einem Hellseher oder dem bisher heimlichen Lover möglich ..... ;-)

    Der Wert des Koeffizienten als solchem ist nach den jeweilen Gegebenheiten zu Beurteilen. Der absolute Wert alleine sagt sovieel über die Qualität der Prognosen nichts aus. Ich bin nicht der "Größte" weil ich mit Wert 1,0 die Sendung Tagesschau kommende Woche prognostiziere.

    Sorry, wahre Statistiker stören sich mit Sicherheit an den laxenund z.T. unpräziesen Formulierungen - aber es ist klar, was ich meine ....!

  • 25.01.2012, 16:26 UhrRealist

    @ KeepCool

    Das ist hier nicht richtig, was Sie schreiben! Wir bewegen uns in einem überschaubaren Zeitraum, für eine Materie, für die wir bis "gestern" definitive Daten haben.

    Korrelationseffizient von 1 würde bedeuten: 100 % zutreffend. Korrelationskoeffizient von 0: Keinerlei Zusammenhang.

    Wir stochern bei der BIP-Erwartung/Ifo-Index nicht im vernebelten Weltall nach einem Planeten; dabei wäre z.B. der Wert von 0,7 geradezu traumwandlerich sensationell gut.

    Für die Voraussage, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeweils morgen gegen 20 Uhr im ARD die Tagesschgau laufen wird, wäre übrigens ein Korrelationseffizient von O,7 grottenschlecht. Da müsste der Koeffizient bei praktisch 1,0 liegen!

    Nach der "Beschreibenden Statistik" (Verfasser Mayer) ist deshalb hier ein vergleichsweise dürftiger Zusammenhang des Ifo-Index mit den den künftigen BIP Zahlen gegeben!

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International