Ifo-Index
Deutsche Wirtschaft steuert auf Hochkonjunktur zu

Die Konjunktur in Deutschland trotzt den politischen Wirren und nimmt Kurs auf Hochkonjunktur. Dementsprechend optimistisch blicken die Firmenchefs nach vorn. Besonders in der Industrie ist die Stimmung gut.
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BerlinDie Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen ist trotz der schwierigen Regierungsbildung so gut wie nie zuvor. Der Geschäftsklimaindex stieg im November überraschend um 0,7 auf den Rekordwert von 117,5 Punkten, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Damit wurde der jüngste Bestwert aus dem Vormonat noch einmal übertroffen. Von Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen einen leichten Rückgang auf 116,6 Punkte erwartet. „Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine Hochkonjunktur zu“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage zwar etwas schlechter, die Aussichten für die kommenden sechs Monate dagegen besser als zuletzt.

Besonders in der Industrie hellte sich die Stimmung auf: Hier sind die Firmenchefs so guter Dinge wie nie zuvor. „Treiber dieser Entwicklung waren die deutlich optimistischeren Erwartungen“, sagte Fuest. Die exportabhängige Industrie profitiert vom anziehenden Welthandel und dem Aufschwung in der Euro-Zone. Die Erholung der Weltkonjunktur kurbelt die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“ an. Auch im Großhandel verbesserte sich das Klima. Die positive Stimmung ermunterte Anleger zum Einstieg in den Aktienmarkt. Der Dax stieg nach einem verhaltenen Handelsstart um etwa 0,2 Prozent. Im Einzelhandel und in der Baubranche trübte sich die Stimmung dagegen ein.

„Der deutsche Konjunkturdampfer läuft mit voller Fahrt voraus“, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. „Außer einer Kollision, die nicht in Sicht ist, bringt ihn nichts so schnell zum Stehen: die Wirren um die Regierungsbildung jedenfalls nicht.“ Die Sondierungsgespräche zwischen Union, FDP und Grüne endeten am Sonntag ergebnislos. Derzeit ist offen, wie die neue Regierung aussehen wird oder ob es zu einer Neuwahl kommt. 90 Prozent der vom Ifo-Institut eingesammelten Manager-Antworten gingen vorher ein. Die Wirtschaft zeige sich sehr robust und unbeeindruckt von den meisten politischen Entwicklungen, betonte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Das sehen auch andere Ökonomen so. „Der Ifo-Index trotzt dem politischen Wirrwarr“, sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte. Das zeige, wie robust die Stimmung in der Wirtschaft derzeit sei. „Die Unternehmen und die Finanzmärkte wissen, dass die nächste Regierung nicht links- oder rechtsextrem sein wird, sondern nahe am Mainstream“, sagte Sandte. „Keine Grund also, sich verrückt machen zu lassen.“

Das Ifo-Institut hat gerade erst seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2017 von 1,9 auf 2,3 Prozent erhöht. Auch im kommenden Jahr soll eine Zwei vor dem Komma stehen. Die Exporte laufen rund, während die Unternehmen zuletzt deutlich mehr investierten. Auch der private Konsum dürfte angesichts von Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen und vergleichsweise geringer Inflation eine Konjunkturstütze bleiben. Der private Konsum, bisher Hauptstütze der Konjunktur, legte zwar zuletzt eine Verschnaufpause ein. Die Verbraucher sind aber angesichts der historisch günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und der Zinsflaute weiter in Kauflaune.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Dass immer mehr Städte verarmen , scheint man zu tolerieren.
    Solange die Wirtschaft wächst, scheint das auch kein Problem zu sein.

  • Das immer mehr Städte verarmen s meint man auch zu tolerieren.

    Solange die Wirtschaft wächst, scheint das keine Problem darzustellen.

  • Pillen werden bei der Entwicklung im Land nicht benötigt.

    Die zukünftige sich vermehrende No-Girlfriend Generation schafft das auch so.

    Die Feministinnen ala Emma vermisse ich schon lange.

    Sowie Grüne, die bei dem Thema abgetaucht sind. Sie wollen aber offensichtlich noch mehr junge Männer ins Land lassen.

    Es scheint Menschen im Land zu geben, die die sich vermehrenden Straftaten ignorieren oder ausblenden.


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