
Handelsblatt: Ihr Kollege Paul Krugman hat im Interview mit dem Handelsblatt den Konsolidierungskurs der Bundesregierung scharf kritisiert - er bremse auch in anderen Ländern das Wachstum. Ist die Kritik berechtigt? Sollte Bundeskanzlerin Merkel sich für ein weiteres Konjunkturpaket einsetzen?
Snower: Die Kritik ist völlig unberechtigt. Deutschland darf die Staatsschulden nicht ausufern lassen. Zur gleichen Zeit müssen Rezessionen automatisch mit expansiver Fiskalpolitik bekämpft werden. Bis jetzt ist uns dies besser gelungen als vielen anderen Ländern.
HB: Krugman bezeichnet Axel Weber als "Risiko für das Schicksal des Euros". Die Gefahr, dass es zu einem Dominoeffekt von Griechenland über Spanien und Portugal bis nach Italien komme, sei viel größer, wenn die EZB einen so konservativen Präsidenten habe. Geben Sie ihm recht?
Snower: Ich bin ganz anderer Meinung. Wir brauchen einen EZB-Präsidenten, der Inflationserwartungen auf niedrigem Niveau stabil hält und den EU-Staaten dadurch den Freiraum gibt, Rezessionen zu überwinden, ohne Inflation anzufachen. Die EZB ist nicht dazu da, fiskalpolitische Fehler im Euro-Raum zu korrigieren.
HB: Wozu ist die EZB dann da?
Snower: Sie muss die Inflation bändigen und Finanzmarktstabilität gewährleisten. Sie darf kein Substitut für Fiskalpolitik sein.
HB: Wer ist der beste Trichet-Nachfolger?
Snower: Axel Weber erfüllt alle Voraussetzungen, um ein fantastischer Präsident zu sein. Er hat ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, einen riesigen Wissensstand, er interpretiert seine Aufgabe sehr breit, und er weiß, wie wichtig es ist, die Inflationserwartungen stabil zu halten. Wenn heute eine Inflationsrate von vier Prozent zugelassen wird, stehen morgen sechs Prozent und übermorgen acht zu Debatte. Das darf nicht sein - und das weiß und beherzigt Weber.
HB: Über die Bundesregierung schimpft auch Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Die deutsche Exportmacht schade den schwächeren Staaten. Hat sie recht?
Snower: Natürlich macht die Wettbewerbsstärke Deutschlands den wettbewerbsschwachen Ländern zu schaffen. Aber das ist kein Argument gegen Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit. Bislang aber verkauft die Bundesregierung das Land völlig unter Wert. Andere wären stolz auf ihre Exportstärke und ihre beachtliche, hart erarbeitete Wettbewerbsfähigkeit und würden offensiv statt verschreckt auf die internationale Kritik an ihrem Geschäftsmodell reagieren. Das vermisse ich.
Staatinvestitionen in der Krise funktionieren nur, wenn in boomzeiten nicht nur weniger Schulden sondern Sttatsüberschüsse erwirtschaftet werden. Dieses geschah nicht 2007/08 und die entscheidende Frage ist doch, wo wir uns heute befinden. Sieht man auf die Halbleiterbranche als klassischen Frühindikator, dann herrscht aktuelle eine Überhitzung, die sowohl die New-Economy-blase 2000 als auch die Hypotheken-blase 2007 in den Schatten stellt. Staaten wie Deutschland dürften nach Keynes im Jahre 2010 keinen Cent Schulden machen.
Dem Krugmann hatte ich eine 2+ gegeben, weil er die Wirtschaft anfeuern will und Geldwertstabilität für nicht so bedeutend hält wie die Maastricht-Kriterien es vorschreiben. 3-4% inflation sind kein beinbruch.
Eine 1 habe ich nicht gegeben, weil er Wirtschaftswachstum über noch mehr Schulden erzeugen will.
Snower hat sich eine redliche 6 verdient, weil er einfach keinen Durchblick hat und eine Empfehlung für Weber abgibt.
Ein richtiges Wirtschaftskonzept erzeugt Wirtschaftswachstum aus sich selbst heraus und beinhaltet in unserer Situation auf jeden Fall bevölkerungswachtum. Kinderlosigkeit über Zuwanderung zu begegnen, schafft nur neue Probleme.
http://www.bps-niedenstein.de/
Das System ist die Krise.
Es ist eine törichten Fiktion, dass exponentielles Wachstum möglich und normal sei. Dies geht, wie die berühmte Geschichte mit den jeweils zu verdoppelnden Weizenkörnern auf dem Schachbrett zeigt, weder in der Wirtschaft, noch geht es in der Natur. Unsere Umwelt lehrt uns, dass Wachstum stets in wechselwirkenden Prozessen stattfindet, die sich gegenseitig begrenzen. in der Tat kennt die Natur nur einen Fall von ungebremstem exponentiellen Wachstum: den Krebs.
Der führt in der Regel zum Tod und gilt mit Recht als Krankheit. Womit wir wieder im bilde wären – und bei jener Definition von Krise, die sich selbst als eine pathologische Situation beschreibt.
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