Inflation bei minus 0,1 Prozent

Statistisches Bundesamt jetzt ganz sicher – Preise sind gefallen

Erstmals seit Januar vergangenen Jahres sind die Preise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Ein Grund: günstigere Pauschalreisen nach Ostern und billigere Molkereiprodukte.

Negative Inflationsrate drückt auf die Stimmung

Düsseldorf/WiesbadenJeden Monat veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Daten zur Preisentwicklung in zwei Schüben: eine Vorabschätzung auf Basis vorläufiger Daten, dann eine endgültige Zahl wenig später. Bei den Inflationsdaten für April hatten sich die Statistiker allerdings bei der Vorabschätzung verrechnet, sodass eine dritte Veröffentlichung dazwischen kam: die nachträglich korrigierte Schätzung. Statt von leicht steigenden war auf einmal von leicht gefallenen Preisen im April die Rede.

Die am Freitag veröffentlichten endgültigen Daten bestätigen jetzt die Berechnung der korrigierten Vorabschätzung: Erstmals seit mehr als einem Jahr sind die Verbraucherpreise in Deutschland gesunken. Die Inflationsrate fiel im April im Vorjahresvergleich ins Negative auf minus 0,1 Prozent. Zuletzt hatte es im Januar 2015 eine negative Inflationsrate gegeben. Damals lag sie bei minus 0,3 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht erst bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen – sie betrachtet dabei aber die gesamte Euro-zone, nicht einzelne Mitglieder. Die Notenbank versucht, mit lockerer Geldpolitik die Kreditvergabe anzukurbeln und durch steigende Nachfrage zu leicht anziehenden Preisen beizutragen. In der Euro-Zone waren die Preise im April der ersten Schätzung zufolge sogar um 0,2 Prozent gefallen.

Was seit 2010 teurer wurde – und was billiger
Verbraucherpreisindex
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Obst, Haushaltsgeräte, Urlaubsreisen: Jeden Monat ermittelt das Statistische Bundesamt über 300.000 Einzelpreise für insgesamt 600 Produktgruppen in ganz Deutschland. Sie sollen den gesamten Verbrauch eines privaten Haushalts repräsentieren. Daraus errechnet das Bundesamt den Verbraucherpreisindex: Er misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von Privatpersonen für Konsumzwecke gekauft werden. Was wurde seit 2010 teurer – und was billiger?

Teurer: Obst
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Mit einer Preissteigerung von 25,3 Prozent in den vergangenen sechs Jahren gehört Obst zu den Zugpferden des Index’. Denn insgesamt stiegen die Preise für alle Produktgruppen zusammengenommen lediglich um sieben Prozent.

Teurer: Bekleidung
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Auch Textilien wurden seit 2010 deutlich teurer, wenn auch in geringerem Maße als Obst. Insgesamt stiegen die Preise für Bekleidung in den vergangenen sechs Jahren um 23 Prozent.

Teurer: Strom
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Es betrifft jeden – und staunen lässt es auch niemanden mehr: Die Strompreise haben seit 2010 kräftig angezogen. Im Dezember 2015 mussten Verbraucher rund 24,6 Prozent mehr für die gleiche Menge Strom bezahlen als noch sechs Jahre zuvor.

Teurer: Personen-Schiffsverkehr
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Mit dem Kreuzfahrt in die Südsee: 2010 war das deutlich günstiger als heutzutage. Mit einer Preissteigerung von satten 40,1 Prozent haben sich die Kosten für den Personen-Schiffsverkehr so drastisch erhöht wie in keiner anderen Produktgruppe.

Teurer: Pauschalreisen
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Wer auf das Kreuzfahrtschiff verzichtet, kommt deshalb trotzdem nicht unbedingt günstiger in die Ferien: Auch Pauschalreisen haben sich seit 2010 um 21,3 Prozent verteuert.

Teurer: Zeitungen
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Sinkende Auflage, steigender Preis: Auch Zeitungen und Zeitschriften werden immer teurer. Im Vergleich zu 2010 müssen Verbraucher heute 26,4 Prozent mehr für gedruckte Medienprodukte bezahlen.

Ursache für den Preisrückgang im April waren wie in den Vormonaten die niedrigen Energiepreise. Leichtes Heizöl verbilligte sich demnach um 28,6 Prozent. Kraftstoffe waren 12,9 Prozent günstiger. Lediglich die Strompreise erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht um 0,8 Prozent.

Preissenkend wirkte sich im April auch das frühe Osterfest aus. Durch den Kalendereffekt seien vor allem die Preise für Pauschalreisen zurückgegangen, teilte die Behörde mit. Sie sanken um 8,8 Prozent.

Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln schwächte sich ab. Nachdem hier die Preise im März noch um 1,3 Prozent zugelegt hatten, lag der Anstieg im April nur noch bei 0,5 Prozent. Deutlich billiger wurde demnach beispielsweise Butter.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

  • mdo
  • afp
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