
HB BERLIN. Die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen in Deutschland wieder langsamer. Die Teuerungsrate fiel im Juni auf 0,9 Prozent von 1,2 Prozent im Mai, wie das Statistische Bundesamt am Montag in einer ersten Schätzung auf Basis von Daten aus sechs Bundesländern mitteilte.
Analysten hatten ein Plus von 1,0 Prozent vorhergesagt. „Gedämpft wurde die Inflationsrate von billigerem Gas, während Heizöl und Kraftstoffe erneut teurer wurden“, sagte ein Statistiker. Im Vergleich zum Vormonat zogen die Preise wie erwartet leicht um 0,1 Prozent an.
Nach Definition der Europäischen Zentralbank herrscht damit ein hohes Maß an Preisstabilität. Diese sieht sie bei Werten bis knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Experten erwarten, dass die Teuerungsrate auch in den kommenden Monaten deutlich unter dieser Marke verharrt. „Wir stecken in einer Konsumentenrezession, denn seit 2009 schrumpft der private Verbrauch“, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. „In einem solchen Umfeld können die Unternehmen kaum Preiserhöhungen durchsetzen, auch wenn ihre Kosten steigen. Sie nehmen lieber sinkende Gewinnmargen in Kauf.“ Das Münchner Ifo-Institut sagt für dieses Jahr eine Teuerungsrate von 1,1 Prozent und für 2011 von 1,5 Prozent voraus.
Allerdings dürften die Energiepreise in den nächsten Monaten spürbar steigen. „Hauptsächlich wegen des weiter nachgebenden Euro“, sagte Commerzbank-Experte Simon Junker. Die Gemeinschaftswährung hat seit Jahresbeginn rund 14 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Das mach Importe teurer, weil Rohstoffe und viele Produkte auf dem Weltmarkt in Dollar bezahlt werden. Die Einfuhren nach Deutschland hatten sich auch deshalb im Mai mit 8,5 Prozent so stark verteuert wie seit neuneinhalb Jahren nicht mehr. Details zur Entwicklung der Verbraucherpreise veröffentlicht das Statistikamt am 9. Juli.