Inflation in Deutschland
Preise ziehen im Juni etwas an

Deutsche Waren und Dienstleistungen waren im Juni etwas teurer als noch im Vorjahr. Ein Grund dafür: Der Fall der Energiepreise hat sich etwas verlangsamt. Und das Brexit-Votum dürfte die Erwartungen dämpfen.

WiesbadenDie Inflation in Deutschland hat im Juni 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat betragen. Die Entwicklung der Preise für Waren und Dienstleistungen lag damit etwas höher als im Mai (plus 0,1 Prozent) und auf demselben Niveau wie im März.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verringerten sich die Energiepreise um 6,4 Prozent. im Mai ging es hier noch um 7,9 Prozent nach unten. Besonders Benzin und Heizöl waren preiswerter als im Juni 2015. Nahrungsmittel wurden etwas teurer (plus 0,1 Prozent) und die Preise für Dienstleistungen zogen deutlich an (plus 1,4 Prozent), Wohnungsmieten um 1,1 Prozent.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit diesem Wert gerechnet. Die Teuerungsrate bleibt damit aber weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die erst bei Werten von knapp unter zwei Prozent in der gesamten Euro-Zone von stabilen Preisen spricht.

Ökonomen rechneten zuletzt damit, dass die Verbraucherpreise zum Jahresende anziehen werden. Allerdings dürften die Preise nach Einschätzung der Bundesbank deutlich langsamer aus dem Keller kommen als noch im Dezember 2015 angenommen. Für das laufende Jahr gehen die Notenbank-Ökonomen in ihrer jüngsten Prognose - gemessen am europäischen harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) - von einer Teuerungsrate von 0,2 Prozent aus. Für den Euro-Raum sagte die EZB zuletzt ebenfalls 0,2 Prozent voraus.

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten Anschaffungen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird. Die EZB strebt daher mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke.

Mit einem bisher einmaligen Maßnahmenbündel will die EZB die Kreditvergabe im Euroraum ankurbeln und so Konjunktur und Inflation anschieben. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld leihen können, liegt seit März bei null Prozent. Zudem müssen Banken für Geld, das sie bei der EZB parken statt es als Kredite weiterzureichen, seither 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Das vor allem in Deutschland umstrittene milliardenschwere Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren wurde von 60 Milliarden auf 80 Milliarden Euro monatlich ausgeweitet.

Trotz der Geldflut kommt die Teuerungsrate bisher nicht aus dem Keller. „Wir müssen die volle Auswirkung der Maßnahmen abwarten“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi jüngst. Das Problem: Viele Unternehmen halten sich wegen der unsicheren Lage auf dem Weltmarkt zurück mit Investitionen und damit auch mit der Aufnahme neuer Kredite. Vergrößert wird die Unsicherheit durch das Brexit-Votum in der vergangenen Woche.

Noch ist völlig unklar, wie das Verhältnis von Großbritannien zur Europäischen Union künftig aussehen wird. Offen ist auch, wie lange die Verhandlungen darüber dauern werden. „Alle verlieren - die Volkswirtschaft insgesamt, Europa und als Folge von Unsicherheit und Echoeffekten wird auch die Weltwirtschaft darunter leiden“, sagt der Ökonom Thomas Straubhaar.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
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