Inflation
Preise in Deutschland ziehen wieder etwas an

Die Verbraucherpreise in Deutschland ziehen auf niedrigem Niveau weiter an. Im März erhöhte sich die jährliche Inflationsrate auf 0,3 Prozent. Das ist der kräftigste Anstieg seit November.
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BerlinDie Preise in Deutschland steigen wieder stärker. Die Verbraucherpreise zogen im März um 0,3 Prozent zum Vorjahresmonat an. Das war der kräftigste Anstieg seit November 2014, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Damit schwindet die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front. Im Januar waren die Preise mit 0,4 Prozent erstmals seit 2009 gesunken, ehe sie im Februar um 0,1 Prozent kletterten. Für den Anstieg sorgten diesmal teurere Mieten und Dienstleistungen, zudem verlangsamte sich der Preisrutsch bei Öl.

Die Inflationsrate liegt aber immer noch klar unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preise spricht. Ökonomen gehen davon aus, dass dies auch eine Weile so bleiben wird. „Die Preise dürften im Jahresschnitt um sehr moderate 0,4 Prozent anziehen“, erwartet Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. „Die Inflation bleibt niedrig, obwohl Wirtschaft und Konsum spürbar wachsen.“

Ein Grund dafür sei auch der sehr starke Wettbewerb der großen Ketten im Einzelhandel, der die Preise dämpfe. Um die Deflationsgefahr - einem für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall - in der Euro-Zone zu dämmen, hat die EZB im März mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen. EZB-Chef Mario Draghi wird am Mittwoch erstmals Bilanz ziehen.

Teurer wurden für die Verbraucher Dienstleistungen, und zwar im Schnitt um 1,2 Prozent. „Diese Entwicklung wurde weiterhin maßgeblich durch die Erhöhung der Nettokaltmieten bestimmt, für die private Haushalte etwa ein Fünftel ihrer Konsumausgaben aufwenden“, erklärten die Statistiker. Sie zogen um 1,3 Prozent an.

Taxifahrten kosteten 11,4 Prozent mehr, der Friseurbesuch und andere Dienstleistungen für Körperpflege verteuerten sich um 3,3 Prozent. Für Essen und Trinken in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf mussten 2,7 Prozent mehr ausgegeben werden. Hier könnte der seit Jahresbeginn geltende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro eine Rolle gespielt haben. „Viele Unternehmen können höhere Personalkosten wenigstens zum Teil an ihre Kunden weitergeben“, sagte Kastens.

Auch für Süßes musste tiefer in die Tasche gegriffen werden. Hier wurden 3,9 Prozent mehr verlangt. Schokoladentafeln kosteten sogar 16,1 Prozent mehr. Bei Kaffee gab es einen Aufschlag von 17,5 Prozent.

Dagegen kostete leichtes Heizöl fast ein Fünftel weniger als im März 2014, Benzin und Diesel verbilligten sich um 8,8 Prozent. Auch Strom und Gas waren etwas günstiger zu haben. „Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im März bei 1,0 Prozent gelegen“, erklärten die Statistiker. Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher durchschnittlich 0,1 Prozent weniger bezahlen als ein Jahr zuvor. Butter verbilligte sich um 7,6 Prozent, H-Milch um 9,4 Prozent, Obst um 1,3 Prozent sowie Fleisch und Fleischwaren um 0,8 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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