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Inflations-Gefahr: Die riskante Wette der Fed wird nicht aufgehen

Die EZB musste für ihre Leitzinserhöhung viel Kritik einstecken. Fed-Chef Bernanke sieht das Inflationsproblem anders, wie er auch jetzt noch mal betonte. Doch niedrige Zinsen sind kein Allheilmittel.

Mit der jüngsten Runde von Verbraucherpreisdaten dürfte auch der letzte Geldpolitiker die Angst vor einer lauernden Deflation abgehakt haben. Weltweit steigen die Preise, und wer das als vernachlässigbare Folge eines Rohstoffpreisschubs abtut, der ist leichtsinnig. Im zweiten Jahr eines globalen Aufschwungs ist es höchste Zeit, dass die extrem lockere Geldpolitik beendet wird, die im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren begonnen wurde.

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In den rasch wachsenden Schwellenländern, die besonders stark von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen betroffen sind, steigen die Leitzinsen schon. Unter den traditionellen Industriestaaten steht die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Leitzinserhöhung vom 7. April einsam da. Sie musste sich für ihre zarte Anhebung von 1,0 auf 1,25 Prozent viel Kritik anhören. Doch der Handelsblatt-RBS-Inflation-Live-Index, der für Herbst eine Inflationsrate von drei Prozent in der Euro-Zone voraussagt, bestätigt die Entscheidung für die Zinswende.

Die Tauben unter den westlichen Geldpolitikern plädieren dafür, den Rohstoffpreisschub einfach zu ignorieren, da ja die Kerninflationsrate kaum steige. So argumentierte auch gestern wieder die US-Notenbank Fed, die keinen Millimeter von ihren Nullzinsen und ihrer Geldschwemme abrückt. Für das Abwarten spricht, dass die Teuerungsrate im Westen 2012 von selber wieder fallen wird - falls die Ölpreise keine neuen Bocksprünge vollführen. Dagegen spricht aber, dass die extrem niedrigen Zinsen vor allem in den USA weltweit Schaden anrichten. Westliches Anlagekapital auf der Suche nach höheren Renditen verstärkt spekulativ den Preisauftrieb für alternative Vermögensanlagen wie Rohstoffe und Immobilien in Schwellenländern.

Erst exportiert der Westen also seine Probleme, dann importiert er sie in Form steigender Inflationsraten zurück. Und nebenbei bremst er das Wachstum in den Ländern, die mit hohen Wachstumsraten in die Bresche gesprungen sind, als die westlichen Volkswirtschaften in der Rezession steckten. Die Asiatische Entwicklungsbank warnt bereits, dass die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise in den großen Schwellenländern der Region 2011 und 2012 jeweils bis zu 1,5 Prozent Wachstum kosten könnten. Das wird auch der Westen spüren.

Ein bisschen mehr Inflation zulassen, um mehr Wachstum zu bekommen - diese Rechnung geht nicht so einfach auf. Das wird sich vermutlich zuerst in Großbritannien zeigen, wo sich die Notenbank auf ein gefährliches Spiel eingelassen hat. Obwohl die Inflationsrate dort über vier Prozent liegt, hält sie die Leitzinsen bei 0,5 Prozent. Der Erfolg: Die Wirtschaft hat im letzten halben Jahr unter dem Strich stagniert, und die Inflationserwartungen steigen und steigen.
Dieses Beispiel zeigt: Die nächste Debatte, auf die wir uns vorbereiten müssen, wenn wir die Zinsen zu lange nahe null halten, wird die über Stagflation sein - eine stagnierende Wirtschaft mit davoneilenden Inflationsraten.

Der Autor ist Chefökonom.

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