Insolvenzen So wenig Firmenpleiten wie zuletzt 1999

Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist auf den niedrigsten Wert seit 17 Jahren gefallen. Auch weniger Verbraucher schlittern in die Zahlungsunfähigkeit – es sind aber immer noch Zehntausende.
2 Kommentare
Die Baukonjunktur floriert – ein Grund für den Rückgang der Firmeninsolvenzen. Quelle: dpa
Baustelle in Leipzig

Die Baukonjunktur floriert – ein Grund für den Rückgang der Firmeninsolvenzen.

(Foto: dpa)

BerlinDie gute Konjunktur drückt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren. Im vergangenen Jahr meldeten 21.518 Unternehmen und damit 6,9 Prozent weniger Insolvenz an als 2015, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Einen Anstieg hatte es zuletzt im Rezessionsjahr 2009 gegeben. Damals zogen die Pleiten um fast zwölf Prozent an. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger bezifferten die Amtsgerichte für 2016 auf rund 27,4 Milliarden Euro.

Diese Traditionsfirmen gingen insolvent
Beate Uhse (2017)
1 von 19

Der Erotik-Händler Beate Uhse setzte auf falsche Strategien und verschlief Trends. Die Folge: 18 Jahre nach seinem Börsengang im Jahr 1999 beantragte das Unternehmen im Dezember 2017 Insolvenz in Eigenregie. Parallel läuft nun der Verkaufsprozess. Beate Uhse wurde 1946 von der früheren Luftwaffenpilotin Beate Rotermund-Uhse gegründet, 1962 eröffnete ihr Unternehmen in Flensburg den ersten Sexshop der Welt.

Air Berlin (2017)
2 von 19

Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet wie bei Air Berlin. Seit sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im August 2017 für zahlungsunfähig erklärte, verschwand der Konzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die Firmenpleite war wohl die spektakulärste des Jahres 2017, dabei kam sie nicht mal überraschend: Es galt als sicher, dass Air Berlin das Jahr nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Die roten Schokoherzen der 1978 gegründeten Fluggesellschaft sind jetzt Sammlerstücke.

Solarworld (2017)
3 von 19

Die 1988 gegründete Solarworld AG musste nach sechs verlustreichen Jahren im Mai 2017 Insolvenz anmelden. Der Gründer und Chef des Photovoltaikkonzerns, Frank Asbeck, kaufte einige Monate später die beiden deutschen Fabriken und mehrere Tochtergesellschaften im Ausland. Investoren aus Katar unterstützen Asbeck bei dieser Teilrettung.

Alno (2017)
4 von 19

Für die 410 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers Alno gab es Ende des Jahres 2017 doch noch eine gute Nachricht. Finanzinvestor River Rock kaufte den Konzern für 20 Millionen Euro und will den Betrieb, der schon längst eingestellt war, weiterlaufen lassen. Damit können fast alle Mitarbeiter mit dem Erhalt ihres Arbeitsplatzes rechnen – obwohl sie zuvor nach Hause geschickt worden waren. Lange Zeit war kein Käufer in Sicht. Alno wurde 1927 als Schreinerei in Wangen bei Göppingen gegründet, der Name stammt von Gründer Albert Nothdurft.

Deutsche Touring (2017)
5 von 19

Die fast 70 Jahre alte Deutsche Touring musste im April 2017 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Amtsgericht antreten. Das 1948 gegründete Unternehmen wollte sich neu aufstellen, um auch künftig in der von einem aggressiven Preiswettbewerb gekennzeichneten Branche bestehen zu können. Der Fernreisebus-Anbieter aus Eschborn bei Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben 260 Linien und Zubringerstrecken in 34 europäischen Ländern. Im August 2017 übernahm der langjährige Partner CroatiaBus/Globtour den Geschäftsbetrieb und führt den Linienverkehr fort.

Mifa (2014 und 2017)
6 von 19

Der Fahrradhersteller Mifa aus Sachsen-Anhalt meldete im September 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Im Dezember 2014 übernahm die Unternehmerfamilie Nathusius den Fahrradhersteller. Im Dezember 2016 wurde ein neues Werk in Sangerhausen eröffnet. Doch schon im Januar 2017 musste Mifa überraschend erneut Insolvenz anmelden. Nach dem Verkauf an den Unternehmer Stefan Zubcic nahm das Unternehmen unter dem neuen Namen Sachsenring Bike Manufaktur im August 2017 die Produktion wieder auf.

Sinn-Leffers (2008 und 2016)
7 von 19

Die Modekette Sinn-Leffers hat im September 2016 erneut Insolvenzantrag gestellt. Die beiden traditionsreichen Modehändler Sinn und Leffers hatten 1997 fusioniert, von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener Karstadt-Quelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. 2008 ging Sinn-Leffers schon einmal in die Insolvenz, bei der rund die Hälfte der Filialen geschlossen wurde. 2013 übernahm der Textilunternehmer Gerhard Wöhrl die Kette. Im Juli 2017 wurde das zweite Insolvenzverfahren aufgehoben.

Der deutliche Anstieg zum Jahr davor mit rund 17,3 Milliarden Euro ist den Statistikern zufolge darauf zurückzuführen, dass es mehr Insolvenzen von größeren Unternehmen gab. Dazu zählen die Mode- und Textilunternehmen Steilmann, Rudolf Wöhrl und SinnLeffers sowie die Maple Bank, die durch ihre Verwicklung in umstrittene Geschäfte mit Aktien ("Cum-Ex") in Schieflage geriet.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen fiel 2016 mit 77.238 Fällen um 3,6 Prozent zum Vorjahr. Einen Anstieg gab es hier zuletzt 2010.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

2 Kommentare zu "Insolvenzen: So wenig Firmenpleiten wie zuletzt 1999"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Lohnzahlung über Harz 4 war mehr als genial, der letzte Schrottladen bleibt auf diese Weise offen. Die hochgelobte Martwirtschaft ist seit langem überflüssig,
    hauptsache Arbeit und der Staat zahlt den Lohn.

  • Dann gibt es ja in Zukunft nur noch eine Richtung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%