Internationaler Währungsfonds

Schwellenländer prägen Weltwirtschaft immer mehr

Die Weltwirtschaft kann laut IWF von Chinas Kurswechsel profitieren, auch wenn Pekings neue Wirtschaftspolitik sie zunächst ausbremst. Auch andere Schwellenländer wie Indien beeinflussen die Weltwirtschaft immer stärker.
Mit der exportorientierten Ausrichtung hat China über Jahre den internationalen Handel belebt und die Preise für Rohstoffe ansteigen lassen. Quelle: dpa
Containerschiff einer chinesischen Reederei

Mit der exportorientierten Ausrichtung hat China über Jahre den internationalen Handel belebt und die Preise für Rohstoffe ansteigen lassen.

(Foto: dpa)

Washington/BerlinDer Einfluss von Schwellenländern wie China und Indien auf die Weltwirtschaft wird laut Internationalem Währungsfonds (IWF) immer stärker. Sie seien die großen Wachstumstreiber, teilte der Fonds in einer am Dienstag veröffentlichen Analyse mit.

Deshalb haben dem IWF zufolge ihre wirtschafts- und finanzpolitischen Entscheidungen inzwischen mehr Auswirkungen auf andere Staaten als die der Industrieländer. Als Belege führte der Fonds die wirtschaftspolitische Neuorientierung in China und die zunehmende Migration an.

Kurzfristig stünden dadurch zwar Belastungen im Vordergrund. Langfristig könnte die inzwischen stärker auf den Binnenkonsum zielende Wirtschaftspolitik Pekings das globale Wachstum jedoch nachhaltiger machen. Und die zunehmende Zuwanderung könnte in wichtigen Volkswirtschaften Probleme durch die Alterung der Gesellschaft dämpfen.

Trotz des Kursschwenks in China sei die Bedeutung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gestiegen. Langfristig könne Pekings neuer ökonomischer Kurs der Weltwirtschaft trotz kurzfristiger Bremsspuren gut tun. Mit der exportorientierten Ausrichtung habe China über Jahre den internationalen Handel belebt und die Preise für Rohstoffe ansteigen lassen. Das trieb auch das globale Wachstum an.

Inzwischen setzt das Land stärker auf den Binnenkonsum und einen insgesamt ausgewogeneren Kurs. Das hat das Wachstumstempo im Welthandel kräftig gebremst. Zugleich hat China aber als Waren-Importeur für immer mehr Lieferländer an Bedeutung zugelegt: „Das legt nahe, dass Chinas Kurswechsel das Potenzial hat, die weltwirtschaftlichen Aussichten und alles, was an Risiken damit verbunden ist, zu verändern“, folgerte der IWF.

Diesen Ländern droht die Überschuldung
Libanon
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In den vergangenen 50 Jahren gab es eine starke Landflucht, sodass die meisten Libanesen in den Städten wohnen. Die Hauptstadt Beirut hat rund 1,5 Millionen Einwohner. Insgesamt leben im Libanon rund vier Millionen Menschen.

Schulden in Höhe von 140 Prozent des BIPs
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Die Staatsschulden betragen 140 Prozent des BIP – der Libanon gehört damit zu den am höchst verschuldetsten Ländern der Welt. Etwa 40 Prozent der Staatsausgaben werden allein für Zinsen und Schuldentilgung aufgewendet. Auch Subventionen für den staatlichen Energieversorger sowie die Lohnausgaben für dem öffentlichen Sektor belasten die Staatskasse erheblich.

Syrische Flüchtlinge betteln vor einer Ladenzeile in Beirut
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Auch die Flüchtlingskrise belastet den Staatshaushalt stark: Im Libanon befinden sich momentan mehr als eine Millionen registrierte Flüchtlinge. Für ein Land mit vier Millionen Einwohnern kaum zu stemmen. Darüber hinaus leidet das Land unter Korruption und einem ineffizienten Verwaltungssystem. Ein vor kurzem veröffentlichter Dokumentarfilm der Heinrich-Böll-Stiftung bezeichnete den arabischen Mittelmeerstaat als „tickende Zeitbombe“.

Vor nicht allzu langer Zeit herrschte im Libanon Krieg
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Der Libanesische Bürgerkrieg dauerte von 1975 bis 1990 und forderte etwa 90.000 Todesopfer. In dieser Zeit flohen rund 800.000 Libanesen aus dem Land. Im Jahr 2006 befand sich der Libanon für 33 Tage im Krieg mit Israel, nachdem die islamische Miliz Hisbollah eine Militärbasis in Israel mit Raketen angegriffen hatte, worauf Israel wiederum mit Luftangriffen reagierte.

Jordanien: Durch die Flüchtlingskrise auf internationale Hilfsgelder angewiesen
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Auch Jordanien ist von der Flüchtlingskrise besonders stark betroffen. In dem syrischen Nachbarland befinden sich 600.000 Syrer sowie 60.000 Iraker. Für ein Land mit 6,6 Millionen Einwohnern nicht finanzierbar. Jordanien ist somit auf internationale Hilfsgelder angewiesen, die jedoch nur schleppend fließen.

Jordanische Militärparade
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Nach der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 sowie dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde Jordanien zum Aufnahmeland für palästinensische Flüchtlinge. Heute sind schätzungsweise die Hälfte der Jordanier palästinensischer Abstammung. Jordanien ist stark von Energieimporten abhängig: Wichtig ist besonders Erdgas, das Ägypten bisher zu Vorzugspreisen geliefert hat. Da durch die Anschläge auf die Erdgaspipeline auf dem Sinai nur noch sehr eingeschränkt Erdgas von dort bezogen werden kann, muss Jordanien seither Schweröl und Diesel aus der Region zu Weltmarktpreisen zukaufen – mit Auswirkungen auf den Staatshaushalt. 2015 betrug die Staatsverschuldung 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2011 waren es noch 71 Prozent gewesen. Zudem macht eine hohe Arbeitslosenquote dem Land zu schaffen.

Felsenstadt Petra
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Die verlassene Felsenstadt Petra gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist von großer Bedeutung für den jordanischen Tourismus. Wasser ist in Jordanien ein rares Gut: Das Königreich gehört zu den fünf wasserärmsten Ländern der Welt.

Die wachsenden Wanderungs- und Flüchtlingsströme, die viele Schwellenländer massiv berühren, verursachten der IWF-Analyse zufolge zunächst einmal sowohl in den Herkunfts- als auch in den Zielländern Lasten und Kosten.

Für die Heimatländer bedeute die Abwanderung von Einwohnern – zumal von jungen, gut ausgebildeten Menschen – den Verlust von wirtschaftlichem Wachstumspotenzial. Für die Zielländer sei entscheidend, wie schnell und gut Zuwanderer in die Arbeitsmärkte integriert werden: "Aber Integration braucht Zeit, besonders, wenn es sich um Flüchtlinge handelt", mahnt der IWF.

  • rtr
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