IWF-Chefin Christine Lagarde: Die Angst vor der „neuen Mittelmäßigkeit“

IWF-Chefin Christine Lagarde
Die Angst vor der „neuen Mittelmäßigkeit“

Die Politik schafft nach Ansicht von IWF-Chefin Christine Lagarde nach wie vor zu wenig Wachstumsimpulse. Eine „komfortable Untätigkeit“ gefährde auf Dauer die Weltwirtschaft. Mittelmäßigkeit dürfe nicht zur Norm werden.
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Washington/BerlinIWF-Chefin Christine Lagarde hat vor einer langfristigen Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft gewarnt. „Wir müssen heute verhindern, dass die neue Mittelmäßigkeit zur neuen Realität wird“, mahnte sie am Donnerstag. Eine solches Umfeld sei auch schlecht für die Finanzstabilität.

„Wir können es besser und wir müssen es besser machen“, forderte sie und warnte die Länder vor einer „komfortablen Untätigkeit“. Aktuell müsse die Politik die Nachfrage stärken. Längerfristig seien aber Strukturreformen nötig, um die Wachstumsmöglichkeiten zu erhöhen. Andernfalls drohten hohe Arbeitslosenzahlen und Staatsschulden.

Lagarde äußerte sich vor der Denkfabrik „Atlantic Council“ rund eine Woche vor Beginn der Frühjahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Für 2015 rechnet sie laut Redetext mit einem weltwirtschaftlichen Wachstum, das in etwa die 3,4 Prozent aus dem Vorjahr erreichen dürfte.

In den Industrieländern werde es etwas besser laufen als 2014, in den Euro-Ländern mit Hilfe der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ebenfalls. In den Schwellenländern werde es bei großen regionalen Unterschieden leicht schlechter aussehen als im Vorjahr.

Insgesamt seien die Risiken für die globale Finanzstabilität gestiegen, sagte Lagarde. Diese hätten sich aber verschoben: von Banken zu Nicht-Banken, von Industrie- zu Schwellenländern. Bei der Steigerung der mittelfristigen Wachstumspotenziale spielten Strukturreformen eine zentrale Rolle.

Beispielsweise sieht der IWF in der Euro-Zone und in Japan zu viele steuerliche Hürden, die Menschen von einer Beschäftigung abhielten. Auch beim Zugang kleinerer und mittlerer Firmen zu Geld gebe es in Europa Verbesserungspotential.

Was den IWF selbst angeht, so diskutieren nach Lagardes Worten die Mitglieder über Zwischenschritte für eine umfassende Reform, mit der die Schwellenländer mehr Einfluss erhalten sollten. Die Reform war 2010 beschlossen worden. Da der Kongress des größten IWF-Anteilseigners USA dem Vorhaben aber immer noch nicht zustimmte, kann es nicht in Kraft treten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IWF-Chefin Christine Lagarde: Die Angst vor der „neuen Mittelmäßigkeit“"

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  • Wo steht denn China als Lokomotive der Weltwirtschaft und der Exportweltmeister in der Reihe der Wettbewerbsfähigkeit?

  • Auch ein Wachstum von ein Prozent jährlich verdoppelt die Wirtschaftsleistung in 80 Jahren. Bis 2.400 sind das auch schon das 32 Fache von heute. Auf Jahrhunderte betrachtet sind ein Prozent schon viel zu viel. Das gilt auch für das Anwachsen der Menschheit.

  • Exponentielles Wachstum über 3 Prozent für alle!
    Die sechzehnfache Wirtschaftsleistung in jedem Jahrhundert, oder? Das 256 Fache in 200, das 4096 fache im 3 Jahrhundert. das 64.000 Fache nach 400 Jahren. Das eine Millionenfache der Wirtschaftsleistung von heute in weniger als 500 Jahren. Will das Frau Lagarde wirklich, oder hat sie nur nicht über die Konsequenzen nachgedacht. gibt es noch andere Wachstumsfetischisten, die 3 Prozent Wachstum für alle über die nächsten 500 Jahre fordern? In den nächsten 25 Jahren entscheidet sich das Schicksal der Menschheit.

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