IWF-Weltwirtschaftsausblick

Briten sorgen für schlechte Stimmung

Um die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft steht es laut IWF nicht gut. Wegen des Brexit-Votums erwartet der Fonds nur noch ein geringeres Plus im kommenden Jahr. Doch es könnte noch schlimmer kommen.
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Das Brexit-Votum trübt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft ein. Quelle: dpa
Britische Fähnchen

Das Brexit-Votum trübt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft ein.

(Foto: dpa)

Washington/BerlinDas Brexit-Votum trübt die Perspektiven der Weltwirtschaft deutlich ein. Vor allem in Großbritannien selbst, aber auch beim wichtigen Handelspartner Deutschland dürfte das Anti-EU-Referendum kräftig Wachstum kosten. Im Vereinigten Königreich wird die Wirtschaft nach einer neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Dienstag im kommenden Jahr um fast einen Prozentpunkt und in Deutschland fast einen halben Prozentpunkt weniger zulegen als bisher erwartet. Die Lage habe sich verschlechtert, obwohl der Start ins Jahr besser als eigentlich erwartet ausgefallen sei, betonten die Konjunkturexperten des IWF.

Vor allem habe nach dem Referendum für einen britischen EU-Austritt die Unsicherheit zugenommen. „Und diese Unsicherheit wird sicherlich ihren Preis fordern in Hinblick auf Vertrauen und Investitionen.“ Den Politikern in der EU und in Großbritannien komme daher nun eine Schlüsselrolle zu, so der IWF. An ihnen liege es, für einen reibungslosen und berechenbaren Ablauf des Brexit zu sorgen. Die Handels- und Finanzbeziehungen müssten so weit wie möglich bewahrt werden.

„Die Entscheidung im Vereinigten Königreich vom 23. Juni ... verschärft den Abwärtstrend der Weltwirtschaft zu einem Zeitpunkt, in der das Wachstum bereits ohnehin schwach war“, sagte IWF-Chefvolkswirt Maury Obstfeld. Nach dem guten Jahresbeginn habe der Fonds eigentlich davor gestanden, seine Prognosen für 2016/2017 leicht anzuheben, doch die Brexit-Entscheidung habe das zunichte gemacht.

Für die Weltwirtschaft fällt die Korrektur der IWF-Prognosen für 2016 und 2017 mit jeweils einem Zehntel-Prozentpunkt vergleichsweise gering aus. Allerdings könnte es nach Einschätzung des Fonds auch erheblich schlechter kommen, wenn sich die Scheidungsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien schwierig gestalten und lange hinziehen sollten.

Deutschlands Abstieg in die zweite Liga
Platz 12: Deutschland
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Vom zehnten auf den zwölften Platz: Verglichen mit dem vergangenen Jahr ist die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesunken. Die Bundesrepublik gehört damit nicht mehr zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt, die jährlich von der Schweizer Business School IMD ermittelt werden. Die Studie fußt auf einer Befragung von weltweit mehr als 5400 Managern und auf der Auswertung von 342 Kriterien und umfasst 61 Staaten. Von der Höchstpunktzahl 100.000 erzielte Deutschland dieses Jahr 88.569 Punkte. „Dafür sorgten vor allem eine schlechtere Bewertung der Regierung und der Wirtschaftsleistung“, sagte IMD-Direktor Arturo Bris. „Die größte Gefahr für Deutschland ist Selbstzufriedenheit“, sagte Bris. „Wenn es die ablegt, kommt es wieder unter die Top-Ten.“

Platz 11: Luxemburg
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Leicht besser lief es in Luxemburg, das 90.016 Punkte erzielte. Doch auch das Großherzogtum musste im Vergleich zum letzten Jahr einen Rückschlag verkraften – 2015 landete Luxemburg noch auf Platz 6.

Platz 10: Kanada
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Das gleiche gilt für Kanada, das im Vergleich zum Vorjahr vom 5. auf den 10. Platz abstürzte. In diesem Jahr erzielte das Land 90.048 Punkte und liegt damit erneut nur sehr knapp vor Luxemburg.

Platz 9: Norwegen
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Auch Norwegen muss sich mit einem Abstieg zufriedengeben – wenn auch nicht so stark wie die bisher gezeigten Länder. Das skandinavische Land sinkt vom Platz 7 auf 9 ab. Punktzahl: 90.054.

Platz 8: Niederlande
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Dafür steigt ein anderes Land kräftig auf, nämlich die Niederlande. Kam das Land 2015 noch auf den 15. Platz, ist es in diesem Jahr der 8. Die Punktzahl von 91.321 sichert dem Land damit eine Top-10-Platzierung.

Platz 7: Irland
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Über eine deutlich verbesserte Platzierung darf sich auch Irland freuen. Im IMD-Ranking landet das Land mit 91.540 Punkten auf Platz 7 – und damit rund neun Plätze weiter oben als noch 2015.

Platz 6: Dänemark
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Auch Dänemark kann sich um zwei Plätze verbessern und holt in diesem Jahr 91.756 Punkte. Das bedeutet Platz 6.

In seinem Basisszenario rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,1 Prozent und im nächsten Jahr von 3,4 Prozent. Liefe es allerdings ganz schlecht, was nach Ansicht des Fonds im Bereich des Möglichen liegt, könnte die globale Wirtschaft beim Wachstum 2016 und 2017 auf jeweils 2,8 Prozent absacken. Für die Industrieländer rechnet der Fonds momentan mit jeweils 1,8 Prozent. Nach dem pessimistischen Alternativ-Szenario könnte das Plus aber am Ende auch bei 1,4 Prozent in 2016 und 1,0 Prozent in 2017 landen.

Während die USA und China vom geplanten Brexit voraussichtlich weniger betroffen sein dürften, werden die Europäer die Entscheidung kräftig zu spüren bekommen. Für Großbritannien rechnet der Fonds zwar mit 1,7 Prozent Wachstum in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr. Die Schätzung für 2017 liegt aber 0,9 Punkte unter der bisherigen Prognose. Auch Deutschland, für dessen Wirtschaft Großbritannien der drittgrößte Exportmarkt ist, bekommt demnach einen empfindlichen Dämpfer. Nach einem Zuwachs von 1,6 Prozent in diesem Jahr wird das Plus laut IWF 2017 mit 1,2 Prozent um 0,4 Punkte schwächer als bislang erwartet ausfallen.

  • dpa
  • rtr
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9 Kommentare zu "IWF-Weltwirtschaftsausblick: Briten sorgen für schlechte Stimmung"

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  • Es könnte immer alles viel noch schlimmer kommen für die Berichterstatter!
    Aber nicht mehr im Juli 2016.
    Wenn es schlimmer kommen sollte, müssen die entsprechenden Bedingungen, Voraussetzungen, also Konditioneen eintreten! Warum schreibt dpa über die notwendigen Vorraussetzungen, Konditionen, kein einziges Wort?
    Ohne die nötigen Bedingungen kann es niemals schlimmer kommen, Falschmelder!

  • Herr Chris Woodley19.07.2016, 15:33 Uhr
    Oh nein oh nein ... schnell alle Aktien verkaufen. ^^^^

    .................

    Aber nur Europäische !!!

    UND DANN BEIM DOW JONES EINKAUFEN !!!


  • Der IWF setzt die EU-Mitgliedsländer die unter dem Rettungsschirm geraten sind unter Druck mit und wegen Einsparungen !

    VON WAS SOLLEN NEUE INDUSTRIEN und somit die abschaffung der innerhalb der EU so gravierend steigende Arbeitslosigkeit abgestellt werden ?

    Nur die Brüsseler Politiker müssen nicht sparen ?


    EU LISSABONNER VERTRAGSBRUCH !!!


  • BREXIT ist niemals Schuld daran dass die EU verheimlichen wollte dass KEINERLEI POSITIVEN AUSWEG FÜR DAS EU DESASTER IN AUSSICHT STEHE !!!


  • Diese EU erkennt nicht einmal die Notwendigkeit...

    Omnibus-Fahrer, Zugführer...Fahrscheinkontroleure...Lehrer/innen ...und andere Kräfte...

    für einen ANTI-TERROR EINSATZ auszubilden...

    kämpft gleichzeitig mit kostenersparnisse bei Polizeien wo man sogar Kilometer der Dienstfahrzeuge einzusparen reklamiert...

    aber diese EU versteht es nicht das Potenzial der Bevölkerung an sich zu binden !

    Da muss man nur sagen :

    Great Britain Deinen BREXIT ist absolut der einziger richtiger Weg !

    Noch vor dem 31.12.2017 den BREXIT schriftlich einreichen !


  • Die Bundesrepublik gehört nicht mehr zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Andere Regionen warten schon lange darauf, dass die Wirtschaftsgröße EU mit Mama Deutschland an der Spitze über ihre eigene Probleme und Unfähigkeit auf die Füße fällt.

  • Verzweifelt wurde versucht, die Wirtschaft in England nach dem Brexit schlecht zu reden. Die Aktienkäufer glauben offensichtlich das Gegenteil, die Kurse dort steigen.

    Jetzt wird versucht, die schlechte wirtschaftliche Situation Gesamt-Europas auf den Brexit zu schieben. Die Situation ist aber schon seit 2007 angespannt und der Brexit ist allenfalls eine Konsequenz der Misswirtschaft Europas. Das Handelsblatt wäre besser beraten, die wahren Umstände aufzuzeigen.

  • Ach ja, die sogenannten Experten, bei denen keine Prognose stimmt, sehen durch den Brexit die Wirtschaft schwächeln. Vielleicht kommt es aber ganz anderes und Großbritannien blüht von den EU-Fesseln gelöst auf. Keiner weis es. Hat einer der Experten die Negativzinsen vorhergesagt. Nein und jetzt haben wir den "Salat" der Enteigung der deutschen Sparer.

  • Oh nein oh nein ... schnell alle Aktien verkaufen. ^^^^

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