
TOKIO. Die Zeugen der Misere haben einen eigenen Klingelton. Jeden Tag bekommt Maho Fujii per E-Mail die neuesten Werbezettel der Tokioter Supermärkte zugeschickt. Alle angebotenen Produkte sind so billig - und werden noch billiger.
"Nur Anfänger kaufen zum Beispiel Milch im Summit am Mittwoch", sagt Fujii. "Die ist immer montags und freitags im Angebot." Und wenn die 36-Jährige Preise vergleichen will, dann schaut sie im Internet nach. Bei "gogosuper.in" kann sie gezielt danach suchen, welches Geschäft für ein bestimmtes Produkt den härtesten Preis bietet.
Japanische Hausfrauen haben es sich längst zum Hobby gemacht, die Supermärkte um ihre letzten Profite zu bringen. Sie tun es den US-amerikanischen Konsumenten gleich. Und sie heizen damit an, was Politik, Wirtschaft und Zentralbank Japans am meisten fürchten und bekämpfen - den Verfall der Preise.
Schließlich wissen nicht nur Ökonomen: An Deflation gehen irgendwann die Unternehmen kaputt, weil sie nichts mehr verdienen. Auf Pleite folgt Arbeitslosigkeit. Und auf Arbeitslosigkeit? Seit zwölf Monaten in Folge geht es in Japan nun mit den Preisen bergab.
Noch ist die Situation nicht lebensbedrohlich. Die Rezessionsmonate der Finanzkrise sind erst einmal vorbei. Das Wachstum liegt wieder im Plus. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,1 Prozent komfortabel niedrig. Der Export boomt wieder.
Die Lage ist instabil. Die Japaner, das wohl sicherheitsverliebteste Volk der Erde, sparen - auch, weil sie ständig schlechte Nachrichten verdauen müssen.