Kfw-Studie
Deutschland wird nachhaltiger – aber nur ein bisschen

Weniger Kranke, mehr Erwerbstätige: Der Nachhaltigkeitsindikator der Förderbank KfW sieht Deutschland im Bereich Nachhaltigkeit auf einem guten Weg. Doch auf vielen Gebieten gibt es noch viel zu tun.

DüsseldorfWenn Jörg Zeuner der Nachhaltigkeit nachspürt, klingt das erstmal ziemlich sperrig. Er spricht von „Qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten“, dem „Primärenergieverbrauch“ oder „Nettoanlageinvestitionen“. Dabei will der Chefvolkswirt der Förderbank KfW eine einfache Frage beantworten: Wie nachhaltig ist Deutschland? Anders gesagt: Wie gut können wir heute unsere Bedürfnisse befriedigen, ohne dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können? Auf der Suche nach der Antwort haben Zeuner und seine Kollegen von der KfW Deutschland vermessen – auf der Suche nach der Nachhaltigkeit.

Heraus kam der „Nachhaltigkeitsindikator“, für den die Experten insgesamt 24 Indikatoren aus Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt betrachtet haben. Zum Beispiel die Anzahl Arbeitsloser, die Häufigkeit von Erkrankungen und die Luftverschmutzung. Die Ökonomen verglichen die Ergebnisse mit den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre.

Die gute Nachricht: Deutschland wird immer nachhaltiger – zwar langsam, aber stetig. Besonders beim Thema Umwelt haben die Deutschen laut der Studie zugelegt. Erstmals seit 2012 beobachtet die Bank hier wieder eine positive Entwicklung. Das liegt vor allem an den gesunkenen Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2014 sank die Menge der ausgestoßenen umweltschädlichen Treibhausgase um 4,3 Prozent. Allerdings waren die milden Temperaturen daran nicht ganz unschuldig – schließlich war 2014 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Doch selbst wenn man das warme Klima berücksichtige, sei die Entwicklung noch immer positiv, sagt Zeuner. Trotzdem warnt er: „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen“.

Fortschritte gibt es auch in der Energieproduktivität, also dem Verhältnis von Wirtschaftswachstum zum Energieverbrauch. „Wir sind das einzige Industrieland, das es schafft, seine Energieproduktivität zu steigern, während seine Wirtschaft wächst“, sagt Zeuner. Dennoch bleibe auch hier noch viel zu tun: Etwa die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland sei noch nicht hinreichend energetisch saniert.

Bestnoten verliehen die KfW-Ökonomen den Deutschen dagegen auf einem anderen Feld: Der Gesellschaft. Beispiel Gesundheit: Hier lassen die Daten darauf schließen, dass die Deutschen gesünder lebten als im Vorjahr. Zumindest ließen sich deutlich weniger Menschen im Krankenhaus gegen Krebs- oder Kreislauferkrankungen behandeln. Einzig in der Bildung sieht Chefvolkswirt Zeuner Handlungsbedarf. Ein großes Problem sieht er in der hohen Anzahl junger Menschen ohne Berufsausbildung. Unter ihnen liege die Arbeitslosenquote bei 20 Prozent. Damit dieser Wert in der Zukunft geringer ausfällt, verlangt er: „Die Förderung muss schon in der Kita beginnen.“

Auch in der Wirtschaft zeichnet die Studie ein positives Bild. Vor allem weil so viele Menschen wie nie zuvor einen Job haben – auch in der Generation 60plus. Ob der Trend sich fortsetzt, daran lässt sich zumindest zweifeln – schließlich hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr die Rente mit 63 eingeführt.

Und auch sonst sind die guten Ergebnisse der Studie kein Grund, sich zurückzulehnen. Denn die Studie zeigt zwar, dass Deutschland nachhaltiger wirtschaftet – aber die Bundesrepublik ist nur ein Land von vielen. Zeuner fordert deshalb: „Wir brauchen eine internationale Klimapolitik.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%