Kommentar
Exportboom mit Schattenseiten

Es liegt nicht nur am billigen Euro: Die deutschen Exporte steigen weiter, auch die in die Euro-Zone. Das schiebt die ganze Ökonomie an, verschlimmert aber ein Problem: Das der hohen Leistungsbilanzüberschüsse.
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Deutschlands Exporteure machen weiter gute Geschäfte: Waren im Wert von 2,3 Millionen Euro wurden im April ins Ausland verkauft – pro Minute! Im ganzen Monat waren es über 100 Milliarden. Für einen April – in dem ferienbedingt immer wenig gearbeitet wird – ist das ein absoluter Rekord.

Tatsächlich zieht die Nachfrage nach Made-In-Germany wieder an. Zwar wachsen die Exporte in die Euro-Zone am langsamsten – doch sie wachsen, eindeutig und deutlich, mit rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Weil der Euro-Wechselkurs im Währungsraum keine Rolle spielt, ist das besonders erfreulich - zeigt es doch, dass es nicht allein Währungseffekte sind, denen der Aufschwung im Außenhandel zu verdanken ist. Und es waren zuletzt vor allem die ehemaligen Krisenländer Portugal und Spanien, die besonders viel aus Deutschland kauften.

Die Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone lagen zuletzt sogar mehr als sieben Prozent über Vorjahresniveau. Dabei sind es nicht mehr die großen Schwellenländer, die mehr aus Deutschland importierten. Tatsächlich kaufen Länder wie die Türkei, Brasilien und natürlich Russland heute deutlich weniger aus Deutschland als noch 2013. Und auch die Geschäfte mit Indien stagnieren. Es boomt in anderen Regionen: Ungarn und Polen steigern ihre Importe aus Deutschland besonders stark, ebenso die Koreaner, Briten und Amerikaner. Hier schlägt der Währungseffekt voll durch – der Euro hat gegenüber all diesen Währungen an Wert verloren.

Für die deutschen Exporteure ist der Schub, den der günstige Euro bringt, erst einmal erfreulich – und damit auch für die gesamte Volkswirtschaft. Doch wenn Exporte aus Deutschland billiger werden und Importe nach Deutschland teurer, verschlimmert das ein Problem – das der hohen Leistungsbilanzüberschüsse.

Wer mehr ex- als importiert, erbringt Leistungen, für die er erst einmal keine Gegenleistung bekommt – er verleiht also Geld und verzichtet auf Importe. Wer dauerhaft mehr ex- als importiert, verleiht immer mehr Geld ins Ausland. Seitdem die deutsche Leistungsbilanz 2002 endgültig ins Positive drehte, wurden fast zwei Billionen Euro verliehen.

Der Vorteil: Diesen immensen Kapitalstock kann Deutschland irgendwann aufzehren. Der Nachteil: Wie bei jeder Kapitalanlage kommt es darauf an, ob das Geld seinen Wert behält und möglichst ordentlich verzinst wird. Ob das klappt, darauf hat Deutschland letztlich kaum einen Einfluss. Ein Warnschuss war die Finanzkrise – während dieser ging viel Kapital verloren. Vielleicht ist es an der Zeit, die ausstehenden Gegenleistungen bald einmal einzufordern.

Der Redakteur des Handelsblatts ist Experte für Konjunktur.
Hans Christian Müller-Dröge
Handelsblatt / Redakteur

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