Kommentar zu frisierten Wirtschaftsdaten
Chinas Tricksereien sind gefährlich

Ein Regierungsbeamter gesteht das Frisieren von Wirtschaftsdaten ein und zeigt: Auf Chinas Wirtschaftszahlen ist leider wenig Verlass. Noch immer wird Manipulation indirekt belohnt. Das muss sich ändern. Ein Kommentar.
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Jede Regierung möchte sich gut darstellen. Kleine Spielereien zum Aufhübschen der Wirtschaftsdaten sind normal. Egal ob in Europa, den USA oder China. Doch in der Volkrepublik gehen die Tricksereien weiter, viel weiter. Das ist gefährlich für die chinesische Führung und internationale Firmen.

Vermutungen über die Manipulation chinesische Wachstumsdaten gibt es seit Jahrzehnten. Es ist einfach zu beeindruckend, dass Peking nahezu immer punktgenau sein Wachstumsziel erreicht. Das Statistikamt kann sogar zwei Wochen nach Ablauf des Quartals landesweit die Daten bis auf die Nachkommastellen genau bekanntgeben. Das schaffen weder Deutschland noch die USA.

Aber nun hat erstmals ein ranghoher Regierungsbeamter das großangelegte Frisieren von Wirtschaftsdaten eingeräumt. Der Gouverneur der nordostchinesischen Provinz Liaoning, Chen Qiufa, legte ein systematisches Manipulieren über Jahre offen. Jetzt wird aufgeräumt, sagt Peking – mal wieder.

Doch das ist nicht genug. China ist kein Entwicklungsland mehr, sondern die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land findet sich mitten im Umbau eines auf Investitionen und Export gegründeten Wachstumsmodells, zu einer von Binnenkonsum und höherwertigen Produktion getriebenen Ökonomie. Fehlen Peking die richtigen Daten zum Entscheiden, droht das Megaprojekt zu scheitern.

Peking ist im Blindflug. Die Staatsführung muss nachjustieren, ohne zu wissen, wie schlimm die Lage ist. Das ist auch für europäische und amerikanische Firmen fatal. Großkonzerne verlassen sich lange nicht mehr auf offizielle Zahlen. Es ist nahezu unmöglich, die wahre Entwicklung zu kennen.

Dabei gäbe es ein relativ einfaches Mittel, um die Manipulation einzuschränken. Noch immer wird Manipulation indirekt belohnt. Denn je höher das Wachstum ausfällt, desto einfacherer werden Funktionäre befördert. Das muss sich ändern. Die Karriere muss vom blanken Wachstumszahlen entkoppelt werden. Die Reform ist lange überfällig.

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