Kommentar zum Konsumklima
Freudentaumel mit Verfallsdatum

Ölpreis und Niedrig-Zins versetzen die Verbraucher zu Recht in Hochstimmung – noch. Deutschland brummt. Doch wenn die Wohlfühl-Groko nicht schnell handelt, droht das Chaos. Denn Deutschland hat ein massives Problem.
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Wer hat Angst vorm Grexit? In Deutschland offenbar niemand. Die Verbraucher sind jedenfalls in Hochstimmung. Das von den GfK-Marktforschern monatlich berechnete Konsumklima schnellte am Donnerstag auf den höchsten Wert seit Oktober 2001.

Und der Optimismus ist berechtigt. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit ist das derzeit das Risiko, seinen Job zu verlieren, so gering wie lange nicht mehr. Gleichzeitig setzen die Gewerkschaften in vielen Branchen Lohnsteigerungen durch, die sehr ordentlich sind, insbesondere wenn man sich vor Augen hält, dass es keine Inflation gibt. Mindestlohn und Rentenplus schaffen weitere zusätzliche Kaufkraft.

Überdies ermöglicht der niedrige Ölpreis bei den Verbrauchern Spielräume für andere Käufe. Das an der Tankstelle eingesparte Geld kann anderweitig ausgegeben werden. Größere Anschaffungen können Dank Mini-Kreditzinsen leicht finanziert werden. Kurzum: Derzeit läuft es prima für Deutschland.

Doch wie lange hält der Boom? Ganz sicher nicht ewig. Kurzfristig können jederzeit geopolitische Risiken den Aufschwung in Deutschland bremsen. Mittelfristig drohen Deutschland wegen der ultralockeren Geldpolitik Überhitzung und Vermögenspreisblasen, deren Platzen oft schwere realwirtschaftliche Folgen haben können.

Langfristig ungelöst ist zudem unsere Demografie-Problem. Letztes Jahr feierte der geburtenstärkste Jahrgang 50. Geburtstag. In etwa 15 Jahre geht er also in Rente. Was dann wird, weiß niemand. Klar ist nur eins: Desto später Einschnitte kommen, desto schmerzhafter werden sie.

Doch davon will in der Wohlfühl-GroKo niemand etwas wissen. Dort werden Feste lieber gefeiert, wie sie fallen: Vielleicht hält der Freudentaumel ja bis zur nächsten Wahl an.

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  • Ob die BABYBOOMER 2032, wenn die mit 67 in Rente gehen die Sozialkassen plündern bis diese völlig leer sind, hängt von einer einzigen Zahl ab. Es ist nicht die Zahl der deutschen Kinder oder der Kinder von Migranten. Es ist die Zahl der Beschäftigten und darunter vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten, weil die in die Sozialkassen einzahlen. Punkt. Bevor kein Nachweis erbracht ist, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Versicherten unter 25 Millionen fällt, werden auch die 22 Prozent des Arbeitseinkommens der Arbeitnehmer zur Finanzierung aller Rentner, und besonders der BABYBOOMER, gemeinsam mit den Arbeitgebern, ausreichen. Will der Herr Redakteur diesen Nachweis erbringen? Wenn nicht, sollte er für immer zu diesem Thema schweigen.

  • Ich sehe kein "Konkurrenzfähigkeitsproblem". Schönes Wort ;) Wie gesagt, was die Zukunft bringt wissen wir alle nicht, aber bisher konnten wir doch immer recht gut auf die Herausforderungen reagieren. Die Exporte bzw. die Erfindungen sprechen doch eher für Deutschland.
    Außerdem: einen Vergleich mit den ach so tollen BRIC-Staaten brauchen wir nicht zu scheuen, die haben deutlich größere Probleme (Umwelt- und Sozialstandars z.B.). Wir konkurrieren mit den anderen EU-Staaten, Japan, Kanada, den USA, auch morgen und übermorgen. Alles andere ist Angstmache. Fazit: Deutschland wird nie und nimmer die Weltwirtschaft dominieren, das wollen wir auch nicht, sondern eher eine Nische finden. Und da lässt es sich bekanntlich ganz gut leben.

  • Ach ja? Sie glauben also, in den Ländern mit denen wir konkurrieren lebten nur Vollidioten und bei uns sind die genialen Überflieger beheimatet. Sicher wird es weiter Produktivitätsfortschritte geben, aber in den anderen Ländern auch, teilweise sogar grössere, da von niedrigerem Niveau kommend. Diese Länder haben aber nicht den Klotz am Bein, 70% unproduktive Rentner, Sozialhilfeempfänger und Beamte/Pensionäre durchfüttern zu müssen. Also werden wir in ein existenzielles Konkurrenzfähigkeitsproblem hineinlaufen

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