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Konjunktur: Breite Front gegen Konjunkturprognose-Stopp

exklusiv Es vergeht kein Tag, an dem Wirtschaftsforscher nicht erneut mit Horrorszenarien aufwarten. Mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass 2009 ein miserables Jahr werden wird. Brauchen wir da noch Prognosen, die alles noch schlechter sehen? Nein, meint Klaus Zimmermann. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung plädiert für einen vorübergehenden Prognose-Stopp und erntet damit Kritik vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger.

Düstere Wolken am Konjunkturhimmel. Sind die Ökonomen mit daran schuld? Foto: dpa Quelle: dpa
Düstere Wolken am Konjunkturhimmel. Sind die Ökonomen mit daran schuld? Foto: dpa Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Peter Bofinger lehnt den DIW-Vorschlag rundweg ab. „Die aktuelle Krise ist wohl kaum auf die Prognosen von Ökonomen zurückzuführen“, sagte Bofinger im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Im Gegenteil, fast alle Institutionen haben die Krise lange Zeit unterschätzt und somit psychologisch eher zur Stabilisierung der Lage beigetragen.“ Gleichwohl räumte Bofinger ein, dass Konjunkturprognosen auch von der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung abweichen können. „Allerdings sollte man bei Prognosen derzeit auf die hohe Unsicherheit hinweisen“, sagte er.

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„Die Politik sollte deshalb eine Strategie verfolgen, die dieser Problematik Rechnung trägt“, verlangte der Ökonom und fügte hinzu: „Sie sollte daher ein zusätzliches Konjunkturprogramm möglichst schnell und eher überdosiert als unterdosiert verabschieden.“

DIW-Präsident Zimmermann hatte beim Krisengipfel im Kanzleramt für einen vorübergehenden Prognose-Stopp plädiert. „Wir haben im Kanzleramt darüber gesprochen, dass Ökonomen alle verwirren, wenn sie ständig neue Zahlen in die Welt setzen. Ich habe gesagt, man könnte sich vorstellen, eine Zeit lang keine Prognosen vorzulegen. Das ist eine Frage der intellektuellen Redlichkeit“, sagte Zimmermann der „Financial Times Deutschland“.

Die FDP wies den DIW-Vorschlag scharf zurück. „Ein zeitweiliger Verzicht auf Konjunkturprognosen bringt die Krisenprävention kein Stück voran“, sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Im März wird auch kein Bauer auf die Aussaat verzichten, weil die Wettervorhersagen unterschiedlich sind.“

Auch die Grünen äußerten sich ablehnend: "Nur weil schlechtes Wetter angesagt wird, schafft man nicht die Wettervorhersage ab", sagte Fraktionschefin Renate Künast zu Handelsblatt.com. "Wichtig ist, dass man sich mit der richtigen Kleidung dagegen wappnet."

FDP-General Niebel sieht die Anregung von DIW-Präsident Klaus Zimmermann aus, als wolle „die handlungsschwache Bundesregierung vorsorglich schon mal die Wirtschaftsinstitute als Sündenböcke bereitstellen, die sie von einem entschlossenen Gegensteuern gegen die Krise abhalten“. Doch, so Niebel weiter: „Schon in der Antike musste mancher Überbringer schlechter Nachrichten teuer bezahlen.“

„In den meisten Modellen, die wir für unsere Vorhersagen nutzen, kommen keine Finanzkrisen vor. Und wenn sie vorkommen, dann ist diese Krise so spezifisch, dass wir sie nicht erfassen können. Wir können sagen, da passiert was Schlimmes, aber wie schlimm es wird, können wir nicht sagen“, sagte Zimmermann. Es könne kein Bankenvolkswirt oder Institutsforscher gezwungen werden, auf Prognose zu verzichten. „Das wäre eine Art Selbstverpflichtung der Beteiligten.“

Nach Bofingers Überzeugung ist ein Verzicht auf Prognosen auch deshalb abwegig, da die Wirtschaftspolitik nicht darauf verzichten könne, „sich über die Zukunft Gedanken zu machen“. Ein Verzicht auf quantitative Prognosen würde daher „zu einer rein qualititativ angelegten Zukunftsschau, bei der weder ein Konsistenztest noch eine nachträgliche Überprüfung vorgenommen werden kann“. Bofingers Fazit: „Trotz aller Schwächen zwingen quantitative Prognosen dazu, ein in sich konsistentes Bild der Zukunft zu entwerfen, dass dann auch ex post falsifiziert werden kann.“

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