Hauptmotor für das Wachstum der Wirtschaft sind die Investitionen. Vergangenes Jahr machten sie knapp die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus. Rund 53 Milliarden US-Dollar davon stammten aus dem Ausland (FDI) – schon zum zweiten Mal in Folge zog China weltweit das meiste Kapital an. Und so wird es wohl auch 2004 sein: Im ersten Halbjahr nahmen die Investitionen um fast ein Drittel zu, aus dem Ausland kamen 15 Prozent mehr.
Der Investitionsboom treibt Ökonomen Sorgenfalten auf die Stirn. Vor allem in der Bauwirtschaft, der Stahlindustrie sowie der Zementindustrie fürchten sie Überkapazitäten. „China“, warnt Andy Xie, Asien-Chefökonom bei Morgan Stanley, „hat vielleicht 200 Milliarden Dollar mehr investiert als für das Land gut ist“.
Die hohen Investitionen haben einen regelrechten Importsog ausgelöst mit der Folge, dass Chinas Handelsbilanz in den ersten Monaten dieses Jahres erstmals seit langem leicht in die roten Zahlen rutschte. Um die Einfuhrrechnungen zu begleichen, flossen mehr Devisenreserven ins Ausland ab. Zwar ist die Staatsschatulle mit 450 Milliarden Dollar noch immer prall gefüllt. Doch die Rücklagen werden dringend gebraucht, um kostspielige Reformprojekte wie die Sanierung der maroden Banken, die Privatisierung der Staatsunternehmen und den Aufbau einer Sozialversicherung zu finanzieren. Ein großes Außenhandelsdefizit kann sich China deshalb nicht leisten.