Konjunktur-Daten : Chinas Wirtschaftswachstum ist nicht gesund

Konjunktur-Daten
Chinas Wirtschaftswachstum ist nicht gesund

Die Volksrepublik wächst nach Plan. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte wie erwartet um 6,7 Prozent zu. Der Immobilienmarkt machte die Einbrüche im Außenhandel wett. Doch der Boom stößt an Grenzen.
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PekingChinas oberster Statistiker Sheng Laiyun gibt sich äußerlich gelassen. „Wir sollten das nicht überbewerten“, sagte der Sprecher des Nationalen Statistikamtes am Mittwoch. Ja, es gebe Sorgen um ein Überhitzen des Immobilienmarktens. Und ja, dank der großen Preissteigerungen stehe die zweitgrößte Volkswirtschaft auch im dritten Quartal des Jahres gut da. Mit 6,7 Prozent Zuwachs im Jahresvergleich habe das Wachstum schließlich etwa so hoch wie in den beiden Quartalen zuvor gelegen.

Doch wenn Chinas Chefstatistiker beruhigen will, horchen die Fachleute auf. „Der Immobiliensektor hat im dritten Quartal acht Prozent zum Wirtschaftswachstum beigesteuert“, sagte Sheng. Damit habe der Sektor den Einbruch des Außenhandels um 7,8 Prozent mehr als ausgleichen können. Besonders die Ausfuhren von Exportweltmeister China schwächeln. In US-Dollar gerechnet waren die Exporte im September um 10 Prozent eingebrochen.

Doch die steigenden Mieten und das Geschäft mit Immobilien gehen den reichen Metropolen an der Ostküste bereits zu weit. Während im Westen Chinas ganze Stadtviertel leer stehen, können sich viele Angestellte in Peking kaum noch die Mieten leisten. Deshalb will die Stadt mit neuen Regeln das Geschäft bremsen. Ähnliche Pläne haben Tianjin, Shenzhen, Guangzhou und 15 weitere Städte angekündigt.

Die Ansagen zeigen bereits Effekte – allerdings nicht unbedingt die, die die Stadtverwaltungen beabsichtigt haben. Denn die Nachfrage nach Krediten wuchs stark an, da Investoren noch schnell vor der Umsetzung der neuen Regeln ihre Immobiliengeschäfte abwickeln wollten, sagte der Ökonom Shen Jianguang vom japanischen Finanzhaus Mizuho. „Unserer Meinung nach sollte die Regierung sehr vorsichtig sein, wenn sie Luft aus der Blase lässt. Sonst könnte sie einen Zusammenbruch des Marktes auslösen.“

Der Traum vom Eigenheim ist sehr wichtig für viele Chinesen. Eine eigene Wohnung gilt als eine der besten Geldanlage in Chinas Metropolen. Sie soll als Alterssicherung dienen und vor den rasanten Mietsteigerungen schützen. Als China 2009 auf die Finanzkrise mit einem gewaltigen Konjunkturpaket reagierten, entwickelten sich die Immobilienpreise in den Großstädten rasant. Nun soll der Boom eingedämmt werden, bevor es zum Crash kommt.

Doch das wird Chinas Wachstum runterziehen, meinte Commerzbank-Analyst Zhou Hao. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilien-Marktes Chinas Wirtschaftswachstum während der folgenden Quartale belasten wird“, schrieb Zhou in einer Analyse.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • Sagen wir es mal so...die EU und Deutschland leiden seit Jahren unter einer Grün-Sozialistischen CO2 Verbotspolitik auch Klimapolitik genannt.
    Solnage die EU, Deutschland und die USA daran festhalten, dass die Geslleschaft das CO2 als etwas Böses ansehen soll und per Gesetz das Co2 dann aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden soll solange wird es mit dem Wirtschaftlichen Abschwung, der Armuts- und Mangelzunahme in der EU, Deutschland und den USA voranschreiten.
    Und nicht nur die Wirtschaft sondern auch die Finanzen und die Volkswirtschaften sind von diesen CO2 Verbot Virus befallen.
    Wer das CO2 verbiete schafft die Wirtschaft, Industrie und demit den Wohlstand ab und vernichtet nebenbei noch das Kapital seiner Banken und Versicherungen.

  • und wer würde schon Beppe Grillo mit Ulrich Grillo hierzulande verwechseln?
    wie auch?

  • "unsere offenen Systeme" verdienen das Wort offen ebensowenig wie die von Volkswirtschaften, die als "geschlossen" gelten.
    Wie "offen "wir" doch sind beim Zähneklappern um einen wie auch immer gewähnten Wettbewerbsvorteil

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