_

Konjunktur: Deutsche Ausfuhren erholen sich

Die deutschen Exporte setzen ihren Erholungskurs fort: Die Einfuhren haben im Juli im Vergleich zum Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 2,3 Prozent zugelegt. Damit verkauften die Exporteure deutlich mehr Güter ins Ausland als erwartet.

Die gestiegene Exporte trieben damit den deutschen Handelsüberschuss im Juli in die Höhe. Quelle: ap
Die gestiegene Exporte trieben damit den deutschen Handelsüberschuss im Juli in die Höhe. Quelle: ap

HB WIESBADEN. Experten hatten lediglich einen Anstieg um ein Prozent erwartet. Damit holt der Exportweltmeister Deutschland den Einbruch vom Jahresbeginn schrittweise auf. Im Vormonat hatte der Zuwachs allerdings noch bei 6,1 Prozent im Monatsvergleich gelegen. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, gab es angesichts der weltweiten Krise gegenüber dem Vorjahresmonat ein Minus von 18,7 Prozent – das Minus lag aber nicht mehr ganz so hoch wie in den Vormonaten Juni und Mai mit 22,9 und 24,6 Prozent. Die Exporte erreichten im Ferienmonat Juli einen Wert von 70,5 Milliarden Euro. Der Exportverband BGA erwartet für 2009 einen Umsatzrückgang von etwa 18 Prozent. Das wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Bestehen der Bundesrepublik.

Anzeige

Die Importe stagnierten im Juli verglichen mit dem Vormonat. Binnen Jahresfrist sanken die Einfuhren dagegen um 22,3 Prozent. Insgesamt wurden Waren im Wert von 56,6 Milliarden Euro eingeführt. Die gestiegene Exporte trieben damit den deutschen Handelsüberschuss im Juli in die Höhe. Der Überschuss stieg von 12,1 Milliarden Euro im Vormonat auf 13,9 Milliarden Euro. Kalender- und saisonbereinigt lag im Juli 2009 der Außenhandelsbilanzüberschuss bei 12,4 Milliarden Euro. Auf Jahressicht ergab sich jedoch ebenfalls weiter ein Rückgang. Im Juli des Vorjahres hatte der Überschuss noch bei 14,0 Milliarden Euro gelegen.

„Der Anstieg zum Vormonat war sehr erfreulich“, meinte Gernot Griebling von der LBBW. Die Exporte entwickelten sich im Einklang mit den vorlaufenden Indikatoren für die Weltwirtschaft. Der Volkswirt sieht bei den wichtigsten Handelspartnern Erholungstendenzen, die sich auch im August und September der Tendenz nach fortsetzen werden. „Die Frage ist aber, ob wir nur eine zyklische Erholung sehen, bedingt durch die geleerten Lager und die staatlichen Stützungsmaßnahmen“, betont Griebling. Die Belastungsfaktoren – steigende Arbeitslosigkeit, anhaltender Abschreibungsbedarf bei den Banken und eine drohende Kreditklemme – stünden dagegen. „Man sollte sich vor allzu großer Euphorie hüten“, warnt der LBBW-Volkswirt. „Solange die strukturellen Probleme nicht gelöst sind, würde ich nicht davon sprechen, dass wir am Beginn eines selbsttragenden Aufschwungs stehen.“

Uwe Angenendt von der BHF-Bank sieht das ähnlich: „Insgesamt ist es für den Export noch zu früh, von einer Wende zu sprechen.“ Es könne noch Rückschläge geben. Weltweit gebe es relativ restriktive Kreditvergabestandards. „Dies können sich bei einer Eintrübung der Konjunkturlage noch verschärfen“, sagte der Volkswirt. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen sieht in den Exportzahlen einen weiteren Beleg dafür, dass das Schlimmste überstanden ist. Derzeit komme der Anstieg eher vom Lagerzyklus. Das sei eine normale Entwicklung. Die Investitionen würden folgen. „Wir rechnen, dass sie frühestens zum Jahreswechsel kommen. Bis dann dürfte der geldpolitische Stimulus mit der üblichen Verzögerung wirken“, sagte Solveen.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International