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Konjunktur: Düstere Ifo-Prognose für Ostdeutschland

Die Lücke bei der Wirtschaftskraft zwischen Ost und West wird nach Einschätzung des Ifo-Instituts auf längere Sicht immer größer statt kleiner. Für das neue Jahr rechnen die Konjunkturforscher mit einem einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,9 Prozent.

Wertschöpfungstiefe und Einkommen sind im Osten oftmals gering. Foto: eco.one Quelle: Handelsblatt
Wertschöpfungstiefe und Einkommen sind im Osten oftmals gering. Foto: eco.one Quelle: Handelsblatt

HB DRESDEN. „Mittel- und langfristig weisen die neuen Länder schon aufgrund der demografischen Entwicklungen eher ungünstigere Wachstumsperspektiven auf als die westdeutschen Länder“, sagte der Konjunkturexperte Joachim Ragnitz der Nachrichtenagentur AP. Er verwies dabei auf den Bevölkerungswandel und die sich verändernde Altersstruktur in den nächsten 20 Jahren.

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Der stellvertretende Leiter von ifo Dresden betonte, der Osten sei von dieser Entwicklung vergleichsweise stärker betroffen. Nur wenige große Städte wie Dresden, Potsdam oder Leipzig würden weiter wachsen. Insgesamt werde die Bevölkerung und damit auch die Zahl der Erwerbstätigen in den neuen Ländern stärker schrumpfen als im Westen. Auch sieht er eine wachsende Kluft zwischen den wenigen Zentren im Osten und den anderen Regionen.

Damit die Lücke zwischen Ost und West sich schließt, müsste die ostdeutsche Wirtschaft eigentlich noch viele Jahre lang kräftiger wachsen als die westdeutsche. Grund ist, dass die Wirtschaftskraft des Ostens auch rund 18 Jahre nach der deutschen Einheit erst bei 70 Prozent des Westens liegt. Nach einer Aufholjagd hatte sich die Schere in den letzten Jahren wieder geöffnet. Während die ostdeutsche Wirtschaft offiziellen Angaben zufolge 2007 um 2,2 Prozent wuchs, legte die westdeutsche um 2,5 Prozent zu.

Die wirtschaftlichen Stärken des Ostens liegen nach Einschätzung von Ragnitz vor allem im verarbeitenden Gewerbe und in solchen Branchen, die sich in Folge neuerer technologischer Entwicklungen in den letzten Jahren herausgebildet haben. Als Beispiele nannte er regenerative Energien und die Optoelektronik. Probleme sieht er vor allem im funktionalen Bereich: „Ostdeutsche Unternehmen sind häufig noch recht klein, und gerade die Tochtergesellschaften westdeutscher und ausländischer Konzerne sind immer noch häufig 'verlängerte Werkbänke'.“

Wertschöpfungstiefe und Einkommen seien deswegen oftmals gering. Ein weiteres Problem sei, dass im Fall unternehmerischer Krisen diese Standorte zuerst aufgegeben werden könnten, sagte Ragnitz. Er warnte allerdings davor, die wirtschaftlichen Aussichten in den neuen Ländern allzu pessimistisch zu beurteilen. „Wir sollten den Teufel nicht an die Wand malen.“

Für das neue Jahr hatte das Ifo-Institut im Osten einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,9 Prozent prognostiziert; im Bundesdurchschnitt erwarten die Konjunkturexperten ein Minus von 2,2 Prozent. Ragnitz betonte, die Rezession werde den Osten nicht ganz so hart treffen wie den Westen, weil sich ostdeutsche Unternehmen häufig auf mittel- und osteuropäische Absatzmärkte konzentrierten. Dort habe sich die Finanzkrise bislang aber nicht so ausgeprägt niedergeschlagen.

Zurückhaltend äußerte er sich zum Nutzen der von mehreren ostdeutschen Ländern in Aussicht gestellten eigenen Hilfsprogramme für den Mittelstand. Dies sei ein geeignetes Instrument, wenn sich erweisen sollte, dass Unternehmen tatsächlich wegen Kreditvergabe-Restriktionen der Geldhäuser vor Liquiditätsproblemen stünden, sagte er. Allerdings müsse man aufpassen, dass nicht Trittbrettfahrer Mittel erhielten, die die Finanzkrise nur nutzten, um von eigenem unternehmerischem Missgeschick abzulenken.

Sachsen, das im Osten über die stärkste Wirtschaftskraft verfügt, hatte Bürgschaften in dreistelliger Millionenhöhe beschlossen, um „gesunden Unternehmen“ über finanzielle Durststrecken zu helfen. Auch andere ostdeutsche Länder wie Brandenburg und Thüringen schnürten eigene Hilfspakete, um die Folgen der Krise abzumildern.

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