Konjunktur
Endlich Investitionen

Die gute Nachricht des Tages: Die Wirtschaft wächst schneller. Die noch bessere Nachricht: Endlich wird auch in Deutschland spürbar mehr investiert. Ein Kommentar.
  • 0

BerlinDass der US-Präsident mit Protektionismus droht, dass die Briten die EU verlassen wollen: Es hat die deutsche Wirtschaft schon im letzten Halbjahr 2016 nicht gebremst. Und sollten diese Konjunkturrisiken den einen oder anderen Firmenlenker doch in den Abwarte-Modus versetzt haben, so scheint diese Irritation jetzt überwunden.

Denn nicht nur zog das Wachstumstempo im ersten Quartal 2017 weiter an. Die noch viel bessere Nachricht der amtlichen Statistiker lautet: Es wird wieder investiert, in zwar in Deutschland. Dem Land, das die Welt nur als Exporteur kennt, der aus seinen weltweiten Einnahmen so lange zu Hause nichts machte, bis das Versäumnis überall sichtbar wurde: Marode Straßen und verfallende Schulen wurden zu sichtbaren Zeichen, dass der riesige Leistungsbilanzüberschuss nichts ist, was unter dem Etikett „Exportweltmeister“ Anlass für überbordenden Stolz sein sollte. Sondern ein Zeichen für ein anhaltendes Ungleichgewicht namens Kapitalexport.

Dass nun endlich wieder mehr investiert wird in Deutschland, ist darum Anlass, ruhig mal ein wenig zu jubeln: Deutlich mehr Geld, so die Statistiker, ist in neue Bauten und die Ausrüstung von Fabriken geflossen. Die in Deutschland übermäßig hart kritisierten Niedrigzinsen dürften dazu auch hierzulande einen positiven Beitrag geleistet haben.

Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur ein Einmaleffekt ist, der dem fast frostfreien Winter und damit verbundenen stärkeren Bau-Aufträgen geschuldet ist. Denn was dieses Land endlich braucht, ist die große Reparatur seiner teils maroden Infrastruktur. Die hilft dann den Firmen, die inländischen Produktionsstätten wieder stärker auszubauen und das im Export erwirtschaftete Kapital im Inland einzusetzen.

Erst einmal jedenfalls darf auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Nachricht von den höheren Investitionen zur Verteidigung auf internationalem Parkett nutzen: Beim G7-Finanzministertreffen an diesem Freitag und Samstag in Bari könnte die Kritik an der deutschen Investitionsschwäche abflauen.

Allerdings: Wie stark die Inlandsinvestitionen helfen werden, den Leistungsbilanzüberschuss wirklich sichtbar abzubauen, steht noch längst nicht fest: Denn im ersten Quartal wuchsen die Exporte wieder stärker als die Importe, obwohl die Bürger sogar mehr konsumierten als im Weihnachtsquartal.

Für die Binnenwirtschaft ist jede Investition hierzulande erst einmal gut: Es bedeutet, dass die gute Lage am Arbeitsplatz vermutlich anhält und der neueste Rekord von 43,7 Millionen Erwerbstätigen keine Eintagsfliege ist. In den vergrößerten Fabriken werden nicht nur neue Roboter arbeiten – so weit ist die Industrie 4.0 noch nicht – sondern zunächst auch mehr Facharbeiter.

Die Hoffnung, dass die Investitionen nicht nur ein Einmaleffekt bleiben, wird genährt durch die Frühindikatoren der Konjunkturbeobachter, die auf noch stärkeres Wachstum seit April hinweisen. Und eines der großen Weltrisiken ist ja seit letztem Wochenende verschwunden: Macron statt LePen ist neuer französischer Präsident. Ein weiteres Auseinanderdriften der EU muss nun niemand mehr befürchten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Konjunktur: Endlich Investitionen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%