Konjunktur-Entwicklung

Deutsche Wirtschaft leistet sich einen „Ausrutscher“

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal abgeschwächt. Der Außenhandel bremst. Ökonomen erwartet für das Schlussquartal dennoch eine kräftigere Konjunktur – dank des privaten Konsums.
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„Die Zeichen für das Schlussquartal 2016 stehen gut.“ Quelle: dpa
Privater Konsum schiebt die Konjunktur an

„Die Zeichen für das Schlussquartal 2016 stehen gut.“

(Foto: dpa)

BerlinDie deutsche Wirtschaft ist nach dem Brexit-Schock vorerst mit einem blauen Auge davongekommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwar zwischen Juli und September um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Damit halbierte sich allerdings das Wachstum zum Frühjahr und fiel so schwach aus wie seit einem Jahr nicht mehr. Ökonomen hatten für den Sommer mit plus 0,3 Prozent gerechnet.

Für Schwung sorgten vor allem die Kauflaune der Verbraucher und die Ausgaben der öffentlichen Hand für Flüchtlinge. Der Außenhandel hingegen bremste das Wachstum. Für das Jahresende äußerten sich Ökonomen aber zuversichtlich: „Die Zeichen für das Schlussquartal 2016 stehen gut“, sagte Dekabank-Experte Andreas Scheuerle.

Impulse kamen zuletzt vom Bau und etwas abgeschwächt auch von den Investitionen in Maschinen und Anlagen. „Die Exporte waren zum Vorquartal leicht rückläufig, während die Importe geringfügig anstiegen", erklärten die Statistiker. Fachleute gehen jetzt davon aus, dass die Konjunktur im laufenden Quartal wieder anzieht. Dies signalisierten jüngste Daten, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Das geringe Wachstum im dritten Quartal sei mit Blick auf das Gesamtjahr „wohl ein Ausrutscher“.

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Dekabank-Experte Scheuerle setzt darauf, dass der private Konsum die Wirtschaft weiter anschiebt und auch die Exporte wieder zulegen dürften. „Das ist eine gute Mischung für die deutsche Konjunktur: Auf den "Summertime Blues" folgt "Rocking Around the Christmas Tree!"“ Stefan Schilbe von der Privatbank HSBC Trinkaus warnte jedoch vor Euphorie: „Es gibt immer noch eine Reihe von Unsicherheiten – vom Brexit bis zu den politischen Umwälzungen in den USA.“ Das könne die Investitionen der deutschen Firmen weiter bremsen.

Was im September teurer und was billiger wurde
Preissteigerung
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FIm September 2016 lagen die Verbraucherpreise um 0,7 Prozent höher als im September 2015. Die Inflationsrate liegt damit auf ihrem höchsten Wert seit Mai 2015. Im Vergleich zum August 2016 steigt der Verbraucherpreisindex um 0,1 Prozent und bestätigt damit die vorläufigen Gesamtergebnisse, die das Statistische Bundesamt am 29. September 2016 herausgegeben hatte Für europäische Zwecke wird zudem der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) berechnet. Dieser lag im September 2016 um 0,5 Prozent über dem Wert im Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat August 2016 veränderte sich der Index nicht.

Energiepreise sinken
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Die Energiepreise gingen im September 2016, im Vergleich zum Vorjahr, um 3,6 Prozent zurück. Damit schwächt sich der Rückgang der Energiepreise im Vergleich zu den Vormonaten etwas ab, im Juli 2016 wurde noch ein Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Kraftstoffe und Haushaltsenergie waren im September 2016 um 3,5 beziehungsweise 3,7 Prozent günstiger als im Vorjahr. Am stärksten vergünstigte sich mit einem Rückgang von 12,5 Prozent leichtes Heizöl. Die Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme gingen um 8,1 Prozent zurück, Gas vergünstigte sich um 3,2 Prozent und feste Brennstoffe um 0,8 Prozent. Lediglich beim Strom ist eine Verteuerung von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen.

Nahrungsmittel waren teurer
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Die Preise für Nahrungsmittel haben sich im September 2016 im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuert. Zwar lag die Preiserhöhung für Nahrungsmittel insgesamt bei nur 0,4 Prozent, einzelne Nahrungsmittel wurden jedoch deutlich teurer. So lagen die Preise für Speiseöle um 6,5 Prozent höher, die für Butter um zwölf Prozent und Olivenöl verteuerte sich um 9,4 Prozent. Obst verteuerte sich um 3,5 Prozent, Fisch um 3,1 Prozent. Lediglich Molkereiprodukte wurden günstiger, insgesamt war ein Rückgang um sechs Prozent zu verzeichnen. Quark wurde sogar um 17,8 Prozent günstiger, H-Milch um 11,7 Prozent und Schnittkäse um 6,9 Prozent.

Tabakwaren teurer
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Die Warenpreise sanken im September 2016 insgesamt um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Tabakwaren wurden um 3,3 Prozent teurer, Schmuck und Uhren stiegen im Preis um 2,9 Prozent. Zeitungen und Zeitschriften verteuerten sich um 3,9 Prozent. Vergünstigt haben sich hingegen Bekleidungsartikel um 1,0 Prozent, Geräte der Unterhaltungselektronik vergünstigten sich um 2,9 Prozent.

Dienstleistungen verteuern sich
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Bei den Dienstleistungen ist eine Preiserhöhung um insgesamt 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erkennbar. Die Erhöhung der Nettokaltmieten um 1,3 Prozent trägt maßgeblich dazu bei, da private Haushalte etwa ein Fünftel ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Dienstleistungen sozialer Einrichtungen verteuerten sich sogar um 4,2 Prozent, Versicherungsdienstleistungen um 3,2 Prozent und Freizeit- und Kulturdienstleistungen um 2 Prozent. Nur wenige Dienstleistungsbereiche, wie die Telekommunikationsdienstleistungen vergünstigten sich um 1,5 Prozent.

Verteuerung im Vergleich zum Vormonat
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Betrachtet man die Zahlen im Vergleich zum Vormonat August 2016, ergeben sich in einigen Bereichen deutliche Verteuerungen. So kosteten Schuhe und Schuhzubehör im Vormonatsvergleich 7,5 Prozent mehr, Bekleidungsartikel verteuerten sich um 6,6 Prozent. Dies liegt vor allem in der Umstellung auf die Herbst- und Winterkollektion begründet. Außerdem ist eine Preissteigerung in den Bereichen Energie um 0,7 Prozent, Kraftstoffe um 1,5 Prozent und Heizöl um 2,6 Prozent zu verzeichnen. Die Nahrungsmittelpreise stiegen nur leicht um 0,1 Prozent.

Günstigere Pauschalreisen
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Mit dem Ende der Ferien fallen auch die Preise der Pauschalreisen wieder. Insgesamt gingen die Preise um zwölf Prozent zurück, Reisen ins Inland vergünstigten sich um 6,3 Prozent, Reisen ins Ausland um 12,4 Prozent. Preise für Flugtickets sanken im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2016 rechnet die Bundesregierung mit 1,8 Prozent Wachstum, das sich im nächsten Jahr auf 1,4 Prozent abschwächen dürfte. Ökonomen erwarten weitere Unsicherheit in der Wirtschaft, wenn Großbritannien 2017 Verhandlungen über seinen geplanten Austritt aus der EU beginnt. Die künftigen Beziehungen zwischen den beiden Wirtschaftsregionen dürften sich auf das Geschäft der deutschen Exporteure auswirken.

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