Berlin/MünchenÜberraschender Stimmungswechsel zum Jahresende: Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Firmen hat sich im Dezember überraschend aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg nach November den zweiten Monat in Folge auf 107,2 Zähler von 106,6 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang des Index um 0,5 auf 106,1 Punkte erwartet und die Stimmungsaufhellung im November als Ausreißer bezeichnet.
Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.
Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten "gut" und "schlecht".
Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.
Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.
Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.
Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.
„Die deutsche Wirtschaft scheint dem Abschwung Westeuropas erfolgreich zu trotzen“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die befragten Manager beurteilten die Geschäftsperspektiven für die kommenden sechs Monate besser und schätzten die aktuelle Lage unverändert positiv ein. Der Wert blieb wie in den beiden Vormonaten bei 116,7 Punkten. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate verbesserten sich von 97,3 auf 98,4 Punkte.
Für eine Trendwende ist es allerdings noch zu früh: Vor Dezember war Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer viermal in Folge gesunken. Seit Juli ist der Ifo-Index so stark eingebrochen wie seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers nicht mehr.
„Ein versöhnliches Jahresende“, kommentierte Rainer Sartorius, Volkswirt von HSBC Trinkaus, die Entwicklung des Index. „Die Zahlen stimmen zuversichtlich, dass die deutsche Konjunktur nicht wegbricht. Das erste und zweite Quartal 2012 werden zwar sicher schwach, aber wir gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Jahresverlauf wieder Fahrt aufnimmt.“
„Zwar steigt der Ifo-Index auch im Dezember leicht an, das Risiko für das deutsche Wachstum hat in den vergangenen Wochen aber dennoch deutlich zugenommen“, mahnt Jörg Zeuner von der VP Bank. „Die europäische Schulden- oder Vertrauenskrise bleibt die größte Unbekannte für den künftigen Wirtschaftsgang“.
Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, das die Entwicklung der kommenden Monate zuverlässig vorhersagt. Für den Gradmesser der Wirtschaft befragt das Ifo-Institut monatlich etwa 7.000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten.
In seiner brandaktuellen Analyse schreibt der DIW heute:
ZITAT:
". „Ursache für die Nachfrageschwäche dürfte zu einem großen Teil die Zurückhaltung aufgrund der Krise im Euroraum sein“, so Fichtner weiter. Die jüngst leicht verbesserte Stimmung der Konsumenten und Produzenten stellt nach Einschätzung des DIW Berlin noch keine Trendwende dar.
Die Exporte dürften nach Einschätzung des DIW Berlin in den letzten drei Monaten des Jahres spürbar gedämpfter verlaufen. Aber auch der Konsum wird nicht mehr an den zuletzt kräftigen Zuwachs anknüpfen können. Zudem werden viele Investitionen unter dem Eindruck der Krise zurückgehalten. „Es zeichnet sich wirklich eine Nachfrageschwäche auf breiter Front ab“, sagte DIW-Konjunkturexperte Simon Junker. Einen weiteren Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2012 - und damit eine technische Rezession - schließt das DIW Berlin nicht aus."
Wer verarrscht da eigentlich wen?
Das Sentiment zu messen, hat nie viel gebracht. Woher die Stimmung grad mal kommt, ist ungewiß, aktuell vermutlich vom bevorstehenden Fest.
Fakten sprechen im Lande und global eine andere Sprache.
Wann lag der Ifo-Geschäftsklimaindex das letzte mal genau richtig?
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