Konjunktur in Deutschland
Zweifel sind angebracht

Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute nehmen ihre Konjunkturprognosen leicht zurück – doch zugleich zeigen sich Deutschlands Konjunkturforscher optimistisch.. Wie passt das zusammen? Ein Kommentar.
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Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognosen für Deutschland leicht gesenkt. Für das laufende Jahr wird nun mit 1,8 bis 1,9 Prozent gerechnet. Für 2016 ist die Spanne mit 1,7 bis 2,1 Prozent etwas größer. Im Frühjahr waren die meisten Wirtschaftsforscher vor allem für das laufende Jahr noch etwas zuversichtlicher gewesen. Zwei Prozent Wachstum schienen so gut wie sicher.

Doch woher kommt dieser Trübsinn? Er resultiert nicht etwa aus gedämpften Erwartungen für die Zukunft, sondern aus dem Blick in die Vergangenheit auf das Startquartal 2015. Dessen Einfluss auf das Jahreswachstum ist nämlich größer als der jedes anderen Quartals, weil es die Startrampe für den weiteren Jahresverlauf bestimmt. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts war die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal lediglich um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen – die Institute hatten dagegen bis zu 0,7 Prozent erwartet.

Zweifel an amtlichen Daten gelten unter Makroökonomen als verpönt – selbst wenn sie offensichtlich sind. Eine der zentralen Größen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist der Bruttolohn- und Gehaltssumme. Hier weist die Statistik für das erste Quartal ein Plus von lediglich 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal aus. Das wäre das schwächste Wachstum seit fünf Quartalen.

Dabei hätte schon allein der Mindestlohn eigentlich für einen kräftigen Schub sorgen müssen. Zudem wuchsen auch die direkt von der Lohnentwicklung abhängigen Lohnsteuer- und Beitragseinnahmen des Staates ähnlich kräftig wie in den vorangegangenen Quartalen. Beides zusammen macht eine ausgebremste Lohnsumme wenig plausibel. Gut möglich, dass also bei der nächsten Statistikrevision Ende August das Wachstum im ersten Quartal nach oben revidiert wird.

Und weil Konjunkturprognosen eben zu einem großen Teil aus einem Blick in die Vergangenheit resultieren, werden sich dann womöglich die Wachstumsprognosen plötzlich wieder nach oben drehen.


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