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Konjunktur: Japans Industrie immer tiefer im Abwärtssog

Die weltweit sinkende Nachfrage nach Autos und Elektronikgeräten hat die japanische Industrie zu weiteren drastischen Produktionskürzungen gezwungen. Das Land erlebt damit die längste Durststrecke seit 2001. Experten sehen aber Zeichen der Erholung.

Wegen der Rezession in den USA, Europa und der Talfahrt in China ist die Nachfrage nach japanischen Autos stark eingebrochen. Quelle: dpa
Wegen der Rezession in den USA, Europa und der Talfahrt in China ist die Nachfrage nach japanischen Autos stark eingebrochen. Quelle: dpa

HB TOKIO. Wie das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) am Montag bekanntgab, sank die Produktion der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt zum Vormonat um saisonbereinigt 9,4 Prozent und damit im nunmehr fünften Monat in Folge. Das ist die längste Durststrecke seit 2001. Für den laufenden März erwartet die Regierung jedoch einen leichten Produktionsanstieg um 2,9 Prozent, gefolgt von einem Anstieg um 3,1 Prozent im April.

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„Die Phase der drastischen Produktionskürzungen dürfte langsam auslaufen“, erklärte Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio. Hintergrund ist, dass Japans große Industrieunternehmen ihre Lagerbestände so schnell abgebaut haben wie noch nie. Doch ein Ende der Krise bedeutet dies für Japan nicht. Wegen der Rezession in den USA, Europa und der Talfahrt in China ist die Nachfrage nach japanischen Autos, Elektronikgeräten und anderen Exportgütern derart stark gesunken, dass Japans Exporte im Februar massiv um den Rekordwert von fast 50 Prozent eingebrochen sind.

Hinzu kommt, dass die Binnennachfrage am Boden liegt. Die Konzerne reagierten angesichts der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg nach Ansicht von Experten zwar äußerst schnell und brutal: Ganze Unternehmensbereiche wurden stillgelegt oder verlagert, Fabriken geschlossen und zig Tausende von Arbeitern entlassen. Ein großes Exportunternehmen nach dem anderen strich die Ertragserwartungen für das an diesem Dienstag auslaufende Geschäftsjahr zusammen, selbst der Vorzeigekonzern Toyota rechnet erstmals mit roten Zahlen.

Angesichts der deutlich gesunkenen Beschäftigung bedeuten die drastischen Einschnitte der Industrie jedoch einen schweren Dämpfer für die schwache Binnennachfrage, das Land steht erneut vor einer Deflation mit dauerhaft sinkenden Preisen. Gesamtwirtschaftlich sieht es für Japan denn auch weiterhin düster aus. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Regierung von Ministerpräsident Taro Aso bereits an ihrem dritten Konjunkturpaket seit Oktober in Milliardenhöhe.

Dies ist für den unpopulären Aso zugleich die einzige Chance, Wähler zurückzugewinnen. Spätestens im Herbst stehen in Japan die Wahl zum Unterhaus des Parlaments an, bei der Asos Liberaldemokratischer Partei der Machtverlust droht. Bislang ist von den Konjunkturpaketen aber noch nicht viel beim Volk angekommen. Anders sieht es für die großen Industriekonzerne aus: Sollte sich die Weltwirtschaft im Verlauf des Jahres zumindest langsam stabilisieren, könnten die Unternehmen wieder gut aufgestellt sein, so Schulz. In Reaktion auf die Krise nahmen sie deutliche Restrukturierungen vor und stellten ihre internationale Strategie auf ein neues Fundament. Zudem verfügen Japans Unternehmen weiterhin über große Barreserven.

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