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Konjunktur: Japans Leistungsbilanzüberschuss schmilzt

Japans Plus aus Handels- und Kapitalströmen ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht. Damit droht ein Pfeiler von Japans Schuldturm zu wackeln. Noch sehen Experten aber einen möglichen Ausgleich.

Nach dem Abschalten der AKW musste Japan fossile Brennstoffe importieren - das drückt die Leistungsbilanz. Quelle: dpa
Nach dem Abschalten der AKW musste Japan fossile Brennstoffe importieren - das drückt die Leistungsbilanz. Quelle: dpa

TokioDer Leistungsbilanzüberschuss der Exportnation Japan ist im Jahr 2012 auf den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Statistik im Jahr 1985 geschrumpft. Mit 4700 Milliarden Yen (37,5 Milliarden Euro) wies die am Freitag vom Finanzministerium veröffentlichte Statistik nur noch ein halb so hohes Plus wie im Vorjahr aus. Schlimmer noch: Im Dezember vorigen Jahres rutschte die Bilanz den zweiten Monat in Folge ins Minus, ebenfalls ein statistisches Novum.

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Die Zahlen sind eine Mahnung an Japan, dass das Land dringend seine enorme Schuldenlast in den Griff kriegen muss. Obwohl das Land bereits mit deutlich mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet ist, gilt Japan an den Finanzmärkten derzeit noch als immun gegen eine Schuldenkrise. Doch als eine Sollbruchstelle gilt die Leistungsbilanz. Sollte sie ins Minus kippen, würde einer der mächtigsten Stützpfeiler des Schuldenturms wegbrechen.

Konjunktur Asien

Bisher ermöglicht der stete Zufluss von Kapital dem Land, seine Schulden zum Großteil aus heimischen Ersparnissen zu finanzieren. Ausländer halten weniger als zehn Prozent der japanischen Staatsanleihen (JGBs). Damit ist der Anleihemarkt weniger den Spekulationen der globalen Finanzmärkte ausgesetzt.

Dies ist ein Grund dafür, warum die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen noch immer unter einem Prozent liegen und Japan damit seine Verschuldung erhöhen und dennoch seinen Schulddienst bezahlen kann.

Doch die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 hat den Pfeiler angeknackst. Japan hat danach fast alle Atommeiler vom Netz genommen und muss nun eine riesige Atomstromlücke mit Strom aus konventionellen Kraftwerken füllen. Dies wiederum führt dazu, dass die Stromkonzerne so viele fossile Brennstoffe zusätzlich importieren mussten, dass die Handelsbilanz statt stetigen Überschüssen nun ebenso stetige Defizite in die Leistungsbilanz speist.

Noch gehen die meisten Experten davon aus, dass dennoch über das Jahr gesehen unter dem Strich auch in den kommenden Jahren mehr Geld, Waren und Dienstleistungen ins Land fließen als hinaus. Denn der Rückstrom an Kapital macht dank der hohen Investitionen japanischer Unternehmen und Bürger im Ausland das Minus im Handel noch wett. Aber Japans Krisenpuffer wird dünner.

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