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Konjunktur: „Konjunktureller Rückschlag wahrscheinlich“

exklusiv Ist die deutsche Wirtschaft dabei, sich nachhaltig aus dem Zangengriff der schwersten Rezession der Nachkriegszeit zu befreien? Glaubt man Finanzexperten, ist sie jedenfalls auf gutem Weg. Doch eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) trübt diese Einschätzung. Und auch führende Ökonomen warnen: „Die Krise ist noch nicht überwunden.“

Immer mehr Fachleute befürchten zudem mindestens eine zweite Runde der Wirtschaftskrise in Deutschland. Quelle: dpa
Immer mehr Fachleute befürchten zudem mindestens eine zweite Runde der Wirtschaftskrise in Deutschland. Quelle: dpa

DÜSSELDORF/BERLIN. Die deutsche Konjunktur setzt ihren Erholungkurs fort. Doch das positive Bild, das sich anhand der jüngst veröffentlichten Konjunkturindikatoren, wie dem ZEW-Barometer, ableiten lässt, wird überschattet von Einschätzungen der Wirtschaft und führender Ökonomen. So erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in diesem Jahr einen dramatischen Einbruch der deutschen Exporte um 17 Prozent. Die am Dienstag veröffentlichte DIHK-Prognose basiert auf einer Umfrage unter allen Auslandshandelskammern (AHKs) in über 80 Ländern. 2010 erholt sich der Außenhandel demnach wieder, aber nur leicht. Erwartet wird ein Plus von vier Prozent. Das entspräche etwa dem erwarteten Zuwachs des gesamten Welthandels.

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Konkret gehen die DIHK-Experten davon aus, dass die weltweite Wirtschaftskrise die deutschen Exporteure in diesem Jahr rund 180 Mrd. Euro Umsatz kosten wird. Die Unternehmen werden demnach Waren im Wert von rund 815 Mrd. Euro ins Ausland verkaufen, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten DIHK-Studie. 2008 hatte der Exportumsatz mit 995 Mrd. Euro noch einen Rekordwert erreicht. Deutschland droht demnach seine Stellung als führende Exportnation zu verlieren. „China könnte Deutschland den Titel des Exportweltmeisters abjagen, da seine Exporte „nur' um 15 Prozent schrumpfen“, hieß es.

Den immensen Einnahmeverlust auf den Auslandsmärkten werden die deutschen Unternehmen 2010 nur teilweise wettmachen, sagt der DIHK voraus. Erwartet werde ein Wachstum von vier Prozent auf knapp 850 Mrd. Euro. Gleichwohl schätzt DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke: „Der Außenhandel wird im Jahr 2010 wieder die Lokomotivfunktion für die deutsche Wirtschaft übernehmen.“

In diese Richtung gehen auch Prognosen von Börsenexperten: Sie bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so optimistisch wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen verbesserte sich im August auf 56,1 von 39,5 Punkten im Vormonat, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Das ist der höchste Wert seit April 2006. Der Anstieg beim Auftragseingang und die anziehenden Exporte sorgten dafür, dass sich die Aussichten für Deutschland weiter aufhellten, teilten die Forscher mit. Zu Euphorie bestehe allerdings kein Anlass. „Die deutsche Konjunktur entwickelt sich synchron zur weltweiten Konjunktur und dürfte sich daher nur allmählich erholen“, erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Immer mehr Fachleute befürchten zudem mindestens eine zweite Runde der Wirtschaftskrise in Deutschland. So hält der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf, Gustav Horn, die entsprechenden Warnungen der Bundesbank für durchaus plausibel. „Denn erfahrungsgemäß treten die Pleiten und Privatinsolvenzen mit Verzögerung auf, so dass deren kräftigster Anstieg eventuell erst im kommenden Jahr zu erwarten ist“, sagte Horn am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. Dies resultiere auch daraus, dass die Arbeitslosigkeit trotz der besseren Konjunkturdaten noch „deutlich“ ansteigen dürfte. Das belaste den Konsum, der derzeit die Konjunktur noch stütze, warnte Horn. „Insofern ist ein konjunktureller Rückschlag wahrscheinlich, die Krise ist eben noch nicht überwunden.“

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