Konjunktur: Löhne erstmals seit Wiedervereinigung gesunken

Konjunktur
Löhne erstmals seit Wiedervereinigung gesunken

Während die Unternehmensgewinne 2005 kräftig gestiegen sind, haben die deutschen Arbeitnehmer erstmals seit der Wiedervereinigung weniger verdient als im Vorjahr.

HB BERLIN. Die Arbeitnehmerentgelte fielen gegenüber 2004 um 0,5 Prozent auf 1129 Milliarden Euro, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes Johann Hahlen am Donnerstag. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen hingegen legten um 6,1 Prozent zu, und erreichten 556 Milliarden Euro, nachdem sie im vergangenen Jahr bereits um knapp zwölf Prozent gewachsen waren. Insgesamt stieg das Volkseinkommen um 1,6 Prozent auf 20.400 Euro pro Kopf. „Die Lohnquote, der Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen, lag im Jahr 2005 mit 67 Prozent nochmals deutlich unter der des Vorjahres und ist damit seit dem Jahr 2000 rückläufig“, sagte Hahlen.

Ausschlaggebend für den Rückgang der Arbeitnehmerentgelte ist nach Ansicht von Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank die Reform des Arbeitsmarkts, denn auch Ein-Euro-Jobs und Minijobs gingen in die Statistik ein. Des weiteren werde reguläre Beschäftigung abgebaut. Die Entwicklung beim Volkseinkommen sei ein Spiegelbild des Bruttoinlandsprodukts (BIP): „Die Unternehmenseinkommen sind von der ausländischen Nachfrage getrieben, während die Binnenwirtschaft schwach ist.“ Das BIP ist nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2005 um 0,9 Prozent gewachsen, der stärkste Wachstumsbeitrag kam vom Außenhandel.

Die Arbeitsproduktivität erhöhte sich im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent. Wegen der gesunkenen Arbeitskosten gingen auch die Lohnstückkosten zurück, und zwar um 0,9 Prozent. „Die hohen Exporte resultieren aus dieser Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Bielmeier. Auf Dauer solle die gute Wettbewerbsposition im Weltmarkt jedoch nicht nur über moderate Lohnzuwächse gehalten werden, sondern auch durch Innovationen, also über Ausgaben für Entwicklung und Forschung. Allerdings warnte Bielmeier vor starken Lohnsteigerungen. Diese könnten nur sehr kurzfristige Erfolge haben, die Wettbewerbsfähigkeit würde jedoch leiden und Deutschlands starke Weltmarktstellung schwächen: „Wir würden den Ast ansägen, auf dem wir sitzen.“

Das verfügbare Einkommen der Haushalte nahm 2005 mit 1,5 Prozent etwas weniger zu als 2004. Wegen der Einkommensteuerreform blieben die Nettolöhne stabil obwohl die Bruttolöhne um 0,3 Prozent gesunken sind. Die Entlastung um 2,7 Prozent bei der Lohnsteuer übertraf die zusätzlichen Kosten durch den Anstieg der Sozialbeiträge um 0,7 Prozent. Die Sparquote erreichte den höchsten Stand seit 1995, sie kletterte um 0,1 Prozentpunkte auf 10,6 Prozent.

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